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Himalaya-Flut: Zahl der Toten steigt auf 472 – Sorge vor Dammbruch

Nach der Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Toten auf 472 gestiegen. Hunderte Menschen gelten weiterhin als vermisst. In China sorgt ein aufgestauter See für neue Sorgen.

Himalaya-Flut: Zahl der Toten steigt auf 472 – Sorge vor Dammbruch
Flut im Himalaya: Angst vor Dammbruch – Regen erschwert Rettung nach Sturzflut

Nach der verheerenden Sturzflut in der Himalaya-Region zwischen China und Nepal ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 472 gestiegen. Die nepalesische Polizei teilte mit, dass bislang 469 Leichen geborgen wurden, viele davon flussabwärts im Süden Nepals und nahe der Grenze zu Indien. China meldet drei weitere Todesopfer. Die Behörden rechnen damit, dass die Zahl der Opfer weiter steigen könnte, da noch immer Hunderte Menschen vermisst werden.

Die nepalesische Polizei beziffert die Zahl der Vermissten auf 977. China meldet 558 Vermisste, darunter 260 Ausländer. Unter den Vermissten befinden sich auch acht deutsche Touristen. Polizeisprecher Abi Narayan Kafle sagte der Deutschen Presse-Agentur, es werde noch einige Zeit dauern, bis ein vollständiger Überblick über die Vermissten vorliege. Viele der geborgenen Leichen seien durch die Flut stark beeinträchtigt und noch nicht identifiziert worden. Insgesamt konnten 1.545 Verletzte und Gestrandete gerettet werden.

Die Behörden in China bereitet unterdessen ein neu angestauter See Sorgen, der sich durch weitere Erdrutsche an einer Flussmündung gebildet hat. Nach Einschätzung des chinesischen Wasserressourcen-Ministeriums könnte dieser See brechen. Der Wissenschaftler Xu Qiang von der technischen Universität Chengdu sagte im chinesischen Staatsfernsehen, in dem See hätten sich geschätzt zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt. Angesichts der für die kommenden drei Tage erwarteten Regenfälle bestehe die Gefahr von Dammbrüchen. Eine mögliche neue Sturzflut könnte die Rettungsarbeiten erschweren, sollten die Zufahrtswege in das Katastrophengebiet erneut unpassierbar werden.

Die Sturzflut war am Mittwoch über den Fluss Bhotekoshi von Nepal aus durch die Grenzregion im Südwesten Tibets bis nach Zentralnepal geschossen. Augenzeugenberichten zufolge wurden ganze Dörfer weggespült. Die Nepalesin Parbati Adhikari erzählte, ihr Dorf Tupche in der Provinz Bagmati sei fast vollständig ausgelöscht worden. Dort hätten 60 bis 70 Menschen gewohnt. Die Fluten rissen außerdem Brücken mit und richteten schwere Schäden an Staudämmen und Gebäuden an. In China überflutete die Schlammlawine den Grenzübergang Gyirong, eine Hauptverbindung in der Region nach Nepal, die auch für Tourismus und Handel wichtig ist.

Die betroffene Region im Himalaya ist bei Bergsteigern und Pilgern beliebt, die etwa in den Nationalpark Langtang in Nepal wandern oder heilige Berge in Tibet besichtigen wollen. Chinesische Techniker haben das durch die Katastrophe zusammengebrochene Telekommunikationsnetz in dem Gebiet inzwischen wiederhergestellt. 555 betroffene Touristen sowie 499 Einheimische und Bauarbeiter in der Katastrophenregion in Tibet wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua evakuiert.

Die Ursache der Sturzflut ist noch nicht abschließend geklärt. Eine viel genannte Vermutung ist, dass ein Gletschersturz auf nepalesischer Seite die Lawine aus Wasser und Schlamm auslöste. Die Wucht war so stark, dass Erdbeben-Messinstrumente ausschlugen. Experten zufolge begünstigte das enge und steile Flusstal, dass sich die Wassermassen derart auftürmen konnten. Unklar ist auch, welche Rolle der Klimawandel bei der Katastrophe gespielt haben könnte.

Niels Hovius vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung sagte, ob der Klimawandel zur Katastrophe beigetragen habe, lasse sich nicht eindeutig sagen. Solche Ereignisse habe es auch zu anderen Zeiten gegeben. Allerdings betonte er: „Gletscher schmelzen, Permafrost taut, die Null-Grad-Grenze steigt – und der Himalaya ist schwer betroffen.“ Deutschlands Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) forderte Hilfe für vom Klimawandel betroffene Länder. „Der Klimawandel verschärft die Risiken durch Extremwetter – in Nepal und vielen anderen Teilen der Welt, aber auch bei uns in Deutschland“, sagte sie der Funke Mediengruppe. Es gehe nicht nur darum, Emissionen zu senken, sondern auch darum, Länder und Menschen dabei zu unterstützen, sich besser gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.