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Alternativer Nobelpreis ehrt Frauen im Kampf gegen Machtstrukturen

Der Right Livelihood Award 2024 zeichnet vier Preisträgerinnen und von Frauen geführte Organisationen aus, die sich gegen Diskriminierung, KI-Machtkonzentration und autoritäre Tendenzen einsetzen. Die Ehrung wird am 1. Dezember in Stockholm verliehen.

Alternativer Nobelpreis ehrt Frauen im Kampf gegen Machtstrukturen
Alternativer Nobelpreis: Frauen gegen mächtige Systeme

Der Alternative Nobelpreis geht in diesem Jahr an Frauen und von Frauen geführte Organisationen, die sich gegen tief verwurzelte Machtstrukturen zur Wehr setzen und die Menschenrechte stärken. Die Right-Livelihood-Stiftung gab die Preisträger am Donnerstag in Stockholm bekannt. Ausgezeichnet werden die pakistanische Anwältin Jalila Haider, die US-Informatikerin Timnit Gebru, das Netzwerk Rural Women's Assembly im südlichen Afrika und die Georgian Young Lawyers' Association.

Die Stiftung würdigte das verbindende Motiv der Geehrten: der Widerstand gegen Systeme, die Menschen an den Rand drängen, und die Überzeugung, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt gehöre. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll sagte, alle Preisträger zeigten, «dass die Anliegen, für die sie stehen, und die Menschen, für die sie einstehen, nicht machtlos sind». Macht müsse nicht auf Hierarchie und Gewalt beruhen, sondern sei auch die Fähigkeit, zusammenzuhalten und allen eine Stimme zu geben.

Timnit Gebru wird für ihren Einsatz gegen unkontrollierte Künstliche Intelligenz geehrt. Die Informatikerin leitete bei Google ein Team für ethische Fragen der KI und warnte früh vor den Gefahren großer Sprachmodelle. Heute zeigt sie Alternativen auf und kritisiert, dass Algorithmen nicht offengelegt werden und KI-Modelle bestehende Ungleichheiten reproduzieren. Die Stiftung hebt hervor, Gebru belege, «welche Schäden KI-Systeme bereits heute im Alltag diskriminierter und marginalisierter Gruppen verursachen». Gebru selbst sagte, sie hoffe, die Auszeichnung zeige anderen Wissenschaftlern und Ingenieuren, dass Wissenschaft Menschenrechte einbeziehen könne.

Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider setzt sich in der Region Baluchistan für die Rechte der Hazara-Gemeinschaft ein. Als erste Frau ihrer Volksgruppe wurde sie Rechtsanwältin. Von Uexküll nannte sie «eine der wichtigsten Kämpferinnen für Menschenrechte in Pakistan» und ein Beispiel dafür, wie der Kampf gegen Diskriminierung gelingen könne. In einem Umfeld, das von Ausgrenzung und Unterdrückung gegen Frauen, ethnische Minderheiten und die LGBTQ+-Gemeinschaft geprägt sei, zeige ihr Weg, wie sich Menschen und Minderheiten selbst aus Unterdrückung befreien könnten.

Der Rural Women's Assembly vertritt mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern des südlichen Afrika. Die Frauen wollen selbst über ihr Land, ihr Saatgut und ihre Körper bestimmen, wehren sich gegen sexuelle Gewalt und fordern Landbesitzrechte für Frauen ein. Die Stiftung würdigte sie als Beispiel dafür, wie marginalisierte Menschen kollektive Macht aufbauen und ihre Interessen durchsetzen. Regionalkoordinatorin Mercia Andrews sagte, «eine einzelne Stimme kann keinen Berg versetzen», doch die vereinte Kraft Tausender Frauen im ländlichen Raum bringe scheinbar Unverrückbares ins Wanken.

Die 1994 gegründete Georgian Young Lawyers' Association erhält den Preis als erste Preisträgerin aus Georgien. Die Organisation wird für den Aufbau und die Verteidigung der Demokratie sowie für die Wahrung zivilgesellschaftlicher Handlungsfähigkeit unter autokratischem Druck geehrt. Unter der Führung von Tamar Oniani halte sie trotz massiver Repressionen durch die Regierung an ihrer Arbeit fest, so von Uexküll.

Mit allen Preisträgern verbindet die Stiftung die Hoffnung auf grundlegende Paradigmenwechsel, die schnell kommen könnten. Wenn die Zivilgesellschaft erfolgreich sei, könnten in Pakistan Menschen an die Macht kommen, die sich für Minderheitenrechte einsetzten. Auch der Einfluss der Technologiekonzerne ließe sich radikal beschneiden. Die Jury wählte die vier Preisträger aus rund 200 Nominierten aus. Der Right Livelihood Award wird jährlich für Engagement in den Bereichen Klimaschutz, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden vergeben. Die feierliche Übergabe findet am 1. Dezember in Stockholm statt.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.