Pisa-Studie: Deutsche Schüler erreichen historisch schlechte Werte
Die neue Pisa-Studie der OECD zeigt für Deutschland die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen. Besonders die soziale Herkunft prägt den Bildungserfolg stärker als in vielen anderen Ländern.
Deutsche 15-Jährige haben in der neuen Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den getesteten Schülerinnen und Schülern die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt, wie die am Dienstag vorgestellte Untersuchung zeigt. Für die Studie hatten Forscher im vergangenen Jahr rund 6.700 Jugendliche an 250 weiterführenden Schulen in Deutschland getestet.
Die Leistungen sind im Vergleich zur letzten Erhebung weiter gesunken. In Mathematik fiel der Wert von 475 auf 464 Punkte, beim Lesen von 480 auf 465 Punkte. In den Naturwissenschaften erreichte Deutschland 486 Punkte – weniger als 2022, wobei dieser Unterschied statistisch unbedeutsam ist. Auch international setzt sich der Abwärtstrend fort: Viele Länder konnten den starken Einbruch von Pisa 2022 nicht aufholen. Im OECD-Schnitt gingen die Werte ebenfalls zurück, allerdings in Mathematik und Lesen etwas weniger stark als in Deutschland.
Insgesamt liegt Deutschland in allen drei getesteten Bereichen ungefähr auf OECD-Niveau. Nach reinen Punktwerten landet Deutschland in den Naturwissenschaften auf Rang 23, im Lesen auf Rang 24 und in Mathematik gemeinsam mit Schweden auf Rang 25. Besonders stark schneiden erneut asiatische Bildungssysteme ab. Die vier chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang sowie Singapur erzielten in allen drei Kompetenzbereichen die höchsten Ergebnisse. Auch Macau, Taiwan, Japan und Südkorea gehören zu den leistungsstärksten Bildungssystemen. In Europa schneiden Estland und Großbritannien am besten ab.
Die Naturwissenschaften waren bei Pisa 2025 der Schwerpunktbereich und wurden deshalb besonders genau untersucht. In Deutschland erreichten 73 Prozent der Jugendlichen mindestens Kompetenzstufe 2, können also grundlegende naturwissenschaftliche Zusammenhänge erkennen und einfache Schlussfolgerungen aus Daten prüfen. 27 Prozent erreichen dieses Mindestniveau nicht, womit Deutschland ungefähr beim OECD-Durchschnitt von 26 Prozent liegt. Seit 2015 ist der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher in den Naturwissenschaften in Deutschland jedoch deutlich gestiegen – um zehn Prozentpunkte.
Die Unterschiede zwischen den Schularten sind groß: An Gymnasien verfehlen drei Prozent die Kompetenzstufe 2, an nicht gymnasialen Schularten sind es 37 Prozent. Zur Leistungsspitze zählen neun Prozent der Jugendlichen in Deutschland, die Kompetenzstufe 5 oder 6 erreichen; im OECD-Schnitt sind es sieben Prozent.
In Mathematik erreichen nur noch 66 Prozent der 15-Jährigen mindestens Kompetenzstufe 2. Diese Jugendlichen können einfache Alltagssituationen mathematisch erfassen und darstellen. 34 Prozent bleiben unter diesem Mindestniveau, ähnlich wie der OECD-Durchschnitt von 35 Prozent. Gegenüber 2022 ist der Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler in Deutschland weiter gestiegen, damals lag er bei 30 Prozent. Seit 2015 beträgt der Anstieg sogar 17 Prozentpunkte. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Abstand zwischen den Schularten: An Gymnasien verfehlen sechs Prozent die Kompetenzstufe 2, an nicht gymnasialen Schularten 47 Prozent. Zur mathematischen Spitzengruppe gehören acht Prozent der Jugendlichen, was dem OECD-Durchschnitt entspricht.
Beim Lesen verschlechtern sich die Ergebnisse ebenfalls. Nur noch 68 Prozent der Jugendlichen erreichen mindestens Kompetenzstufe 2 und können etwa die Hauptaussage eines mittellangen Textes verstehen. 32 Prozent bleiben darunter und haben Schwierigkeiten, Texte sinnentnehmend zu lesen. Im OECD-Durchschnitt sind es 31 Prozent. In Deutschland lag dieser Anteil 2022 noch bei 25 Prozent; seit 2015 ist er um 15 Prozentpunkte gestiegen. Sieben Prozent der Jugendlichen erreichen mindestens Kompetenzstufe 5 und gehören damit zur Leistungsspitze. An Gymnasien verfehlen fünf Prozent das Mindestniveau, an nicht gymnasialen Schularten 43 Prozent.
Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung bleibt in Deutschland besonders ausgeprägt. Jugendliche aus sozioökonomisch begünstigten Familien schneiden in den Naturwissenschaften im Schnitt 125 Punkte besser ab als Jugendliche aus benachteiligten Familien. Im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Abstand 85 Punkte. Zwischen 2015 und 2025 ist diese Lücke in Deutschland größer geworden, während sie im OECD-Durchschnitt kleiner wurde. Besonders problematisch ist, dass die Leistungen benachteiligter Jugendlicher zurückgegangen sind, während die Werte der begünstigten Gruppe stabil blieben. Der sozioökonomische Status erklärt in Deutschland 19 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften, im OECD-Schnitt sind es zwölf Prozent.
