In den USA ist die Diskussion um den Ursprung der Corona-Pandemie wieder aufgeflammt. Im Mittelpunkt steht der frühere Immunologe Anthony Fauci, der sich bei einer Anhörung des Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung berief und die Aussage verweigerte. Vor allem republikanische Senatoren versuchten, Fauci zu Vorwürfen zu befragen, er habe die Theorie eines natürlichen Virussprungs von Tier zu Mensch bewusst gefördert, um ein mögliches Laborleck in der chinesischen Stadt Wuhan zu verschleiern.
Fauci war während der Pandemie medizinischer Chefberater des damaligen Präsidenten Joe Biden und leitete jahrzehntelang das Nationale Institut für Infektionskrankheiten. Für viele US-Bürger verkörperte er die wissenschaftliche Autorität im Kampf gegen das Coronavirus. Für Republikaner hingegen steht er für Fehler in der Pandemiebekämpfung. Der Ausschussvorsitzende Rand Paul, ein langjähriger Kritiker Faucis, hatte dessen Tagebucheinträge veröffentlicht, in denen der Immunologe etwa Anfang 2020 schrieb: «Jetzt wissen wir, dass der Markt nicht der Ursprung, sondern der Verstärker war.» In späteren Einträgen räumte Fauci ein, dass niemand sich zu hundert Prozent sicher sein könne und plädierte für eine gründliche Untersuchung.
Die Anhörung löste bei Demokraten scharfe Kritik aus. Senator Richard Blumenthal warf Rand Paul vor, das Verfahren diene nicht der legitimen Aufsicht, sondern sei ein Versuch, Fauci strafrechtlichen Fehlverhaltens zu bezichtigen. Fauci selbst wies die Vorwürfe stets zurück. Die Debatte um den Ursprung des Virus beschäftigt die US-Politik seit Jahren und ist eng mit Verschwörungstheorien verknüpft. Senator Paul und auch Präsident Donald Trump haben wiederholt behauptet, Fauci habe China schützen wollen.
Unabhängig von den politischen Auseinandersetzungen hat sich die Einschätzung der US-Geheimdienste verändert. CIA-Direktor John Ratcliffe erklärte, die Behörde halte einen forschungsbedingten Ursprung der Pandemie inzwischen für wahrscheinlicher als einen natürlichen, wenn auch mit geringer Sicherheit. Ein Unterausschuss des Repräsentantenhauses legte bereits im vergangenen Dezember einen Bericht vor, der die Labortheorie stützt. Auch der frühere Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, äußerte sich in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» dahingehend, dass die Laborthese mit dem aktuellen Wissensstand plausibler sei.
Eine abschließende Klärung des Ursprungs von Covid-19 steht weiterhin aus. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist gespalten. Während einige Experten an einem natürlichen Ursprung festhalten, mehren sich die Hinweise auf ein mögliches Laborleck. Die Anhörung Faucis zeigt, dass das Thema auch Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie politisch hochsensibel bleibt. Für die Republikaner ist Fauci zur Symbolfigur eines vermeintlichen Versagens geworden, während seine Anhänger ihn als Opfer politischer Hexenjagd sehen.



