Volkswagen-Chef Blume: Lage ist „mehr als kritisch“
Volkswagen-Chef Oliver Blume hat die Lage bei Europas größtem Autobauer als „mehr als kritisch“ bezeichnet. Die bisherigen Einsparungen reichten nicht aus, um Zukunftsinvestitionen dauerhaft zu finanzieren. Die Sorge vor weiterem Stellenabbau wächst.
Volkswagen-Chef Oliver Blume hat die wirtschaftliche Lage des Konzerns als „mehr als kritisch“ bezeichnet. In einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sagte Blume, VW sei zwar handlungsfähig, die aktuelle Rendite reiche aber nicht aus, um Zukunftsinvestitionen dauerhaft zu finanzieren. Die bisherigen Einsparungen im Konzern seien nicht ausreichend, um die Herausforderungen zu bewältigen.
Die Aussagen des Vorstandsvorsitzenden erfolgen unmittelbar vor den geplanten Betriebsversammlungen des Autobauers. Blume wendet sich damit direkt an die Beschäftigten und verlangt weitere Einschnitte. Bereits in der Vergangenheit hatte der Konzern deutliche Sparmaßnahmen eingeleitet, doch nach Einschätzung des Managements reichen diese nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern. Die Sorge vor zusätzlichem Stellenabbau in der Belegschaft wächst angesichts der jüngsten Äußerungen weiter.
Der Konzern steht unter erheblichem Druck. Hohe Kosten, der verschärfte Wettbewerb im internationalen Automobilmarkt und die notwendigen Investitionen in die Elektromobilität und Digitalisierung belasten die Bilanz. Blume machte deutlich, dass die derzeitige Ertragslage nicht ausreiche, um die anstehenden Zukunftsinvestitionen dauerhaft zu stemmen. Ohne weitere Maßnahmen drohe die finanzielle Handlungsfähigkeit des Unternehmens langfristig gefährdet zu werden.
Die Ankündigung weiterer Sparrunden dürfte die Auseinandersetzungen zwischen dem Management und dem Betriebsrat verschärfen. Die Arbeitnehmervertretung hatte in der Vergangenheit mehrfach Widerstand gegen tiefgreifende Einschnitte angekündigt und auf die sozialen Folgen für die Beschäftigten hingewiesen. Die Betriebsversammlungen gelten als wichtiges Forum, um die Belegschaft über die Pläne der Konzernführung zu informieren und über die nächsten Schritte zu diskutieren.
Volkswagen hatte bereits in den vergangenen Monaten ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt. Dazu gehören unter anderem Einsparungen bei den Personalkosten und die Überprüfung von Investitionsvorhaben. Dennoch sieht die Konzernführung weiteren Handlungsbedarf. Blume betonte, dass die Lage ernst sei und es keine Alternative zu konsequenten Maßnahmen gebe, um den Konzern zukunftsfähig aufzustellen. Die genauen Details der geplanten weiteren Einschnitte sind bislang nicht bekannt, dürften aber in den kommenden Wochen Gegenstand intensiver Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat sein.
