Das US-Militär steht offenbar kurz vor einer neuen, massiven Angriffswelle auf den Iran. Wie CBS News unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, könnten die Angriffe bereits an diesem Wochenende beginnen und sich auch gegen iranische Infrastruktur- und Energieanlagen richten. Auch Israel könnte sich erneut an dem Krieg beteiligen. Teheran reagierte umgehend mit der Drohung, Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten anzugreifen.
Das «Wall Street Journal» berichtete, Präsident Donald Trump habe neue, mehrtägige Angriffe befohlen, könne seine Entscheidung aber bis zur letzten Minute ändern. Bei einer Kabinettssitzung auf dem Landsitz Camp David sagte Trump am Freitag: «Wir werden sie sehr hart treffen.» Einen Zeitrahmen nannte er nicht. Der Iran habe nach den bisherigen Angriffen noch militärische Kapazitäten, bald aber nicht mehr, fügte er hinzu.
Die iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars meldeten unter Berufung auf Sicherheitskreise, es gebe einen umfassenden Plan für Gegenschläge. Die USA müssten sich bewusst sein, dass Energieanlagen von weltweiter Bedeutung in Saudi-Arabien und Katar innerhalb der Reichweite iranischer Raketen lägen, hieß es. Auch Anlagen in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden als mögliche Ziele genannt. Die geplanten amerikanisch-israelischen Angriffe seien ein Akt des Wahnsinns, zitierte Tasnim einen ranghohen iranischen Sicherheitsbeamten.
Seit Beginn des Krieges Ende Februar hat der Iran als Reaktion auf US-Angriffe immer wieder Ziele in den Golfstaaten mit Raketen und Drohnen beschossen, in denen US-Militärstützpunkte liegen. Dabei wurden vereinzelt auch wichtige Energieeinrichtungen getroffen, etwa Katars Anlagen zur Herstellung und Verschiffung von Flüssiggas oder Ölanlagen in Kuwait. Die Luftabwehr der Golfstaaten konnte bislang viele ballistische Raketen des Irans abschießen. Zuletzt wuchs allerdings die Sorge, dass die Vorräte an Luftabwehrraketen, insbesondere für das Patriot-System, zur Neige gehen. Auch die Bestände der USA sind Medienberichten zufolge deutlich geschrumpft.
Gelängen dem Iran neue Schläge auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten, dürften die Weltmarktpreise für Öl und Gas weiter steigen. Genau darauf setzt Teheran als Druckmittel gegen Trump. Dessen Republikaner müssen sich in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress den Wählern stellen. Zudem kontrolliert der Iran weiterhin die Straße von Hormus, die normalerweise eine wichtige Route für den Export von Öl und Flüssiggas aus den Golfstaaten ist. Das US-Militär hat als Gegendruck seine Seeblockade erneuert, um den Iran von Einnahmen aus dem Export von Rohöl abzuschneiden.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf der Plattform X, auch Angriffe auf Irans zivile und wirtschaftliche Infrastruktur dürften die Machthaber in Teheran nicht zum Einlenken bewegen. Der Iran werde sicherlich heftige wirtschaftliche Schäden erleiden, aber es sei genauso wahrscheinlich, dass er im Gegenzug die Kosten für seine Gegner erhöhe. Zugleich werde Teheran die Straße von Hormus als Druckmittel behalten und über seine Verbündeten im Jemen, die Huthi-Miliz, den Druck auf die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang des Roten Meeres verstärken. «Es gibt keine militärische Wunderwaffe für die Herausforderung, die der Iran darstellt», schrieb Citrinowicz.
Trump hatte zu Beginn des Krieges gesagt, der Konflikt werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen geht er in den sechsten Monat, und eine Lösung scheint ebenso wenig in Sicht wie fallende Öl- und Gaspreise. Mit Blick auf die diplomatischen Bemühungen zeigte sich Trump frustriert: Die Iraner hielten sich oft nicht an das Verabredete und stellten Gesprächsinhalte öffentlich falsch dar. «Alles, was sie tun, ist, mich wütend zu machen», kritisierte er. Seit Wochen sind bei den Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran zumindest öffentlich keine Fortschritte zu erkennen. Ein im Juni abgeschlossenes Rahmenabkommen der Kriegsparteien sorgte nicht lange für eine Feuerpause. Die US-Regierung will unter anderem eine Wiederöffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt erreichen und sicherstellen, dass der Iran keine Atombomben herstellen kann.



