Die Europäische Fußball-Union (Uefa) und ihre 55 Mitgliedsverbände drohen dem Weltverband Fifa geschlossen mit einem Boykott aller Fifa-Wettbewerbe, falls der geplante Investorendeal nicht vollständig aufgegeben wird. Die einstimmige Entscheidung fiel nach einem Dringlichkeitstreffen in Nyon, wie die Uefa mitteilte. Es ist ein beispielloser Schritt: Nie zuvor haben sich die europäischen Verbände so geschlossen gegen eine Initiative des Weltverbands gestellt.
Hintergrund ist der überraschende Vorstoß von Fifa-Präsident Gianni Infantino, einen Teil der kommerziellen Rechte an den Weltmeisterschaften an externe Investoren zu verkaufen. Der Weltverband erhofft sich dadurch eine Milliardeneinnahme. Laut übereinstimmenden Medienberichten setzte die Fifa eine Frist bis zum 19. September, bis zu der die 211 Mitgliedsverbände dem Deal zustimmen müssten. Als Anreiz lockt eine Sonderzahlung. Infantino verteidigt den Plan als «einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen».
Die Uefa sieht die Pläne dagegen als Gefahr für die Autonomie des Fußballs und die Verteilungsgerechtigkeit. Die Boykottdrohung gilt nicht nur für die Männer-Weltmeisterschaft 2030, sondern auch für die Frauen-WM 2025 in Brasilien. Ohne europäische Top-Nationen wie Spanien, England, Frankreich, Italien und Deutschland verlören die Turniere massiv an Prestige und wirtschaftlichem Wert. Europäische Mannschaften stellen seit Jahrzehnten die stärksten Teams und die größten Zuschauermärkte.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich bereits klar positioniert. Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke erklärten am Mittwoch, sie lehnten den Investorenplan entschieden ab. «Wir stehen hinter der Uefa-Linie», betonte Neuendorf. Watzke ergänzte, man wolle die Zukunft des Fußballs nicht privaten Investmentfonds überlassen. Der DFB zählt zu den einflussreichsten europäischen Verbänden.
Das Dringlichkeitstreffen der Uefa war eilig einberufen worden, nachdem die Fifa ihre Pläne am Dienstag publik gemacht hatte. Die europäischen Verbände wollen den Druck auf Infantino erhöhen. Experten werten die Einigung als klares Signal, dass die Uefa nicht bereit ist, die Kontrolle über die wichtigsten Einnahmequellen des Weltfußballs abzugeben. Die Drohung eines WM-Boykotts wäre historisch: Europäische Teams haben noch nie eine Weltmeisterschaft boykottiert.
Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob die Fifa auf die Boykottdrohung reagiert oder an ihrem Deal festhält. Infantino steht vor der schwierigen Aufgabe, die 55 europäischen Verbände von den Vorteilen des Investorenmodells zu überzeugen – oder das Projekt zu begraben. Der Druck aus Europa ist enorm, denn die europäischen Ligen und Verbände erwirtschaften den Löwenanteil der globalen Fußballerlöse. Eine Eskalation könnte den Weltfußball in eine schwere Krise stürzen.
Die Diskussion zeigt erneut das angespannte Verhältnis zwischen Fifa und Uefa. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Konflikte um die WM-Vergabe, Reformen und die Verteilung der Einnahmen. Der jetzige Investorenplan könnte der größte Bruch seit Jahren sein. Die Uefa betont, sie sei offen für Gespräche, aber nicht zu Zugeständnissen bereit, die die Integrität des Fußballs gefährden. Die kommenden Wochen dürften richtungsweisend sein.



