Mit hängenden Schultern und glasigem Blick stand Cristiano Ronaldo auf dem Rasen von Lusail, die Hände in die Hüften gestemmt, als wolle er den Moment nicht wahrhaben. Der 41-jährige Superstar hatte soeben sein letztes WM-Spiel bestritten – und es endete mit einer schmerzhaften Niederlage. Spanien besiegte Portugal im Achtelfinale mit 1:0 (0:0) und beendete damit Ronaldos Traum von der Krönung seiner beeindruckenden Karriere mit dem Weltmeistertitel.
Das Tor des Tages erzielte der eingewechselte Mikel Merino in der ersten Minute der Nachspielzeit. Der frühere Dortmunder nutzte eine der wenigen Chancen in einer lange Zeit ausgeglichenen Partie und schoss Spanien erstmals seit dem Titelgewinn 2010 wieder ins Viertelfinale einer Weltmeisterschaft. „Wir haben unser Bestes gegeben und grundsätzlich ein gutes Spiel gemacht“, sagte Spaniens Mittelfeldstratege Rodri nach dem Abpfiff. „Wir haben unsere Chance mit einem späten Tor genutzt und so den Unterschied gemacht. Jetzt müssen wir aber den Blick nach vorn richten.“
Für Portugal und vor allem für Cristiano Ronaldo war es ein bitterer Abschied. Der mehrfache Weltfußballer, der inzwischen in Saudi-Arabien spielt, blieb in seinem wahrscheinlich letzten WM-Spiel glücklos. Eine Rückkehr bei der WM 2030, wenn er 45 Jahre alt wäre, gilt als ausgeschlossen. Ob er seine Karriere in der Nationalmannschaft fortsetzt, hatte Ronaldo zuletzt offen gelassen. Das gesamte Turnier über wurde die portugiesische Mannschaft von der Diskussion begleitet, ob sie mit oder ohne den Altstar besser aufgestellt sei.
Die Partie vor 70.649 Zuschauern begann vielversprechend. Spanien erwischte den besseren Start, wirkte in den Zweikämpfen griffiger und trat gewohnt ballsicher auf. Bereits in der achten Minute hatte der frühere Leipziger Dani Olmo eine glänzende Gelegenheit, als er den Ball zu Mikel Oyarzabal durchsteckte. Der spanische Stürmer tauchte völlig frei vor dem Tor auf, schoss jedoch knapp am Pfosten vorbei. Kurz darauf hatte Ronaldo seine erste Chance: Nach einem Übersteiger im Strafraum verschaffte er sich etwas Platz, sein Schuss war aber zu unplatziert und kein Problem für Spaniens Torhüter Unai Simón (12.).
Beide Torhüter zeigten sich in bestechender Form. Portugals Keeper Diogo Costa musste sich nach einer Viertelstunde gleich zweimal auszeichnen – erst gegen Lamine Yamal und dann spektakulär gegen Alex Baena. Auf der anderen Seite parierte Simón stark gegen João Félix, und als Ronaldo auf den Abpraller lauerte, verhinderte der spanische Schlussmann mit einer Flugeinlage erneut einen Treffer des Altstars. Beim Schuss von Nuno Mendes, der von Pedro Porro abgefälscht wurde, rettete die Latte für Spanien (41.).
Nach dem Seitenwechsel flachte die Partie ab. Beide Teams konnten oder wollten das Risiko in der Offensive nicht erhöhen. Ronaldo, der beim bis dato letzten WM-Spiel gegen Spanien 2018 drei Tore erzielt hatte, tauchte zunehmend ab. Portugal musste zudem die verletzungsbedingte Auswechslung von Linksverteidiger Nuno Mendes (56.) verkraften, der Spaniens Jungstar Yamal zuvor nur selten zur Entfaltung hatte kommen lassen. Yamal hatte mit einem Freistoß eine gute Chance, doch erneut war Costa auf dem Posten (73.). Auf der Gegenseite traf Bruno Fernandes nur das Außennetz (76.).
„Wir sind stolz auf die Leistung“, sagte Portugals Trainer Roberto Martínez nach dem Spiel. „Es war ein ausgeglichenes Spiel und wir hätten zumindest die Verlängerung verdient gehabt, aber so ist nun einmal der Fußball.“ Die Portugiesen werden nun zurück in die Heimat reisen, während Spanien sich auf das Viertelfinale am Freitag vorbereitet. Dort trifft die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente auf den Sieger der Achtelfinal-Partie zwischen Gastgeber USA und Belgien.



