Zehn Jahre nach seinem legendären Weltrekord bei der Challenge Roth hat Jan Frodeno die Gründe für den rasanten Leistungssprung im Triathlon erläutert. Der dreimalige Ironman-Weltmeister und Olympiasieger sieht den entscheidenden Faktor nicht im Training, sondern in der Ernährung. Die Entwicklung hochkonzentrierter Kohlenhydratprodukte habe die Sportart fundamental verändert und zu einer nie dagewesenen Leistungsexplosion geführt.
Im Jahr 2016 hatte Frodeno in Roth eine Weltbestzeit über die Langdistanz aufgestellt. Nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen erreichte er das Ziel in 7:35:39 Stunden und unterbot damit die alte Bestzeit von Andreas Raelert um fast sechs Minuten. Das Rennen wurde zu einem der Höhepunkte seiner ohnehin außergewöhnlichen Karriere. Frodeno erinnert sich, dass er vor dem Wettkampf öffentlich angekündigt hatte, die Bestzeit zu brechen. Es sei das erste Mal gewesen, dass er so deutlich die Klappe aufgemacht und nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Zeit definiert habe. Diese zusätzliche Dimension habe enormen Stress verursacht. Während des gesamten Rennens habe er sich keinen Moment erlauben können, einfach nur präsent zu sein, da es immer auch um die Zeit ging.
Seine damalige Zeit ist auch heute noch Weltklasse, aber längst kein Weltrekord mehr. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Zeiten regelmäßig und teils deutlich unterboten. Der Norweger Kristian Blummenfelt drückte die Weltbestzeit im April dieses Jahres beim Ironman Texas auf 7:21:24 Stunden und war damit mehr als 14 Minuten schneller als Frodeno zehn Jahre zuvor. Auch bei den Frauen gab es einen enormen Leistungssprung. Anne Haug kratzte 2024 bei ihrem Sieg in Roth mit ihrer Weltbestzeit von 8:02:38 Stunden bereits an der Acht-Stunden-Marke. Bei der diesjährigen Ausgabe am Sonntag könnten die beiden Britinnen Lucy Charles-Barclay und Katrina Matthews diese Marke unterbieten.
Frodeno zufolge kommt der Riesenleistungssprung im Triathlon mit Sicherheit durch die Ernährung. Während die Leistungen im Schwimmen auf ähnlichem Niveau geblieben seien, seien gerade beim Radfahren und Laufen deutliche Verbesserungen zu verzeichnen. Dort herrsche eine höhere Leistungsstabilität. Er erinnerte sich an einen Ironman in Frankfurt, bei dem er für die erste Hälfte des abschließenden Marathonlaufs 1:16 Stunden benötigte, für die zweite dann 1:25 Stunden. Der Einbruch sei gigantisch gewesen, und solche Einbrüche fänden heute nicht mehr statt.
Die Athleten haben sich vom Training des Fettstoffwechsels hin zu einer verbesserten Aufnahme und Verarbeitung von Kohlenhydraten bewegt. Früher lagen die Werte bei 60 bis 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Mittlerweile können 150 Gramm und mehr in der Stunde verdaut und in Energie umgewandelt werden. Bei einer Rennzeit von 7:30 Stunden wären das mehr als ein Kilogramm. Möglich macht dies die Entwicklung von hochkonzentrierten Kohlenhydratprodukten wie Hydrogelen durch ein bestimmtes Glukose-Fruktose-Verhältnis. Sie liefern dem Körper mehr Zucker und damit mehr Energie, ohne den Magen-Darm-Trakt zu belasten. Frodeno beschreibt den Unterschied als Wahnsinn und sagt, man merke es überall an allen Leistungen. Selbst beim Hobbysport mache das einen Unterschied wie Tag und Nacht.
Für diese Entwicklung steht unter anderem Kristian Blummenfelt. Der 32-Jährige ist derzeit das Maß im Ausdauer-Dreikampf. Am Sonntag kommt es in Roth zum Gipfeltreffen zwischen dem Olympiasieger und dem französischen Vorjahressieger Sam Laidlow, dem dreimaligen Ironman-Weltmeister Patrick Lange und dem Vorjahreszweiten Jonas Schomburg. Kurzfristig meldete sich auch der dreimalige Roth-Sieger Magnus Ditlev. Renndirektor Felix Walchshöfer zeigte sich begeistert und betonte, dass die Fans sich auf eines der spannendsten Profirennen freuen dürften, das man in Roth je erlebt habe. Ditlev hatte 2023 bei seinem zweiten Sieg die damalige Weltbestzeit von 7:24:40 Stunden aufgestellt und Frodenos Rekord von 2016 um fast elf Minuten unterboten. Erster Gratulant im Ziel war damals Jan Frodeno. Ein Jahr später war Ditlev in 7:23:24 Stunden noch einmal schneller.



