Fifa-Präsident Gianni Infantino hat seinen Plan verworfen, den Fußball-Weltverband für private Investoren zu öffnen. Nach dem massiven Widerstand zahlreicher Kontinentalverbände machte der Fifa-Chef einen Rückzieher, wie übereinstimmende Medienberichte zeigen. Angeführt wurde die Opposition von der mächtigen Europäischen Fußball-Union Uefa, die unmissverständlich mit einem Boykott gedroht hatte.
Die zurückgezogenen Pläne hatten vorgesehen, privates Kapital für künftige Fußball-Weltmeisterschaften zu erschließen. Damit wollte Infantino offenbar die finanzielle Basis des Verbands verbreitern. Für die Fifa wäre die Beteiligung externer Geldgeber jedoch ein tiefgreifender Schritt gewesen, der die traditionellen Strukturen des Weltfußballs berührt hätte. Die Kritik daran formierte sich schnell und erstreckte sich über mehrere Kontinentalverbände in verschiedenen Regionen der Welt. Je lauter die Einwände wurden, desto stärker geriet der Präsident in die Isolation. Die schnelle Einigung auf einen Rückzug deutet darauf hin, dass Infantino eine Eskalation unbedingt vermeiden wollte.
Besonders die Uefa stellte sich quer. Sie gilt als mächtigster und wirtschaftlich bedeutendster Kontinentalverband, und ihre Drohung, sich von dem Vorhaben abzuwenden, dürfte den Ausschlag für den Rückzieher gegeben haben. Ohne die europäischen Top-Nationalmannschaften und die großen Klubs wäre eine Vermarktung künftiger Weltmeisterschaften kaum denkbar gewesen. Die Boykottandrohung machte deutlich, wie hoch der Preis gewesen wäre, hätte Infantino an den Investorenplänen festgehalten.
Der Rückzieher erfolgte nur kurz, nachdem die Pläne öffentlich geworden waren, und offenbart das erhebliche Konfliktpotenzial innerhalb der Fifa. Sportökonomen werten das Vorgehen Infantinos in erster Linie als Machtkalkül. Aus ihrer Sicht geht es dem umstrittenen Fifa-Präsidenten vor allem darum, seine Führungsposition zu sichern und eine Niederlage in einer möglichen Abstimmung gegen die Verbände zu vermeiden. Der Verzicht auf die Investorenpläne ist demnach kein Zeichen von Schwäche, sondern ein taktischer Rückzug, um größeren Schaden von seiner Autorität abzuwenden.
Für die Uefa ist der Ausgang ein Erfolg und ein Beleg ihrer Durchsetzungskraft. Sie hat sich in der Debatte als Verteidigerin der etablierten Fußballstrukturen inszeniert und zugleich bewiesen, dass sie der Fifa die Stirn bieten kann. Andere Kontinentalverbände schlossen sich der Kritik an, was das Meinungsbild innerhalb der Fußball-Familie verdeutlicht: Die Idee privater Geldgeber stößt beim Gros der Verbände auf Ablehnung. Infantino steht damit vor der Herausforderung, das verlorene Vertrauen der Mitgliedsverbände wiederherzustellen.
Offen bleibt, wie die Fifa künftige Turniere finanzieren will. Der Bedarf an Mitteln für die Vorbereitung von Weltmeisterschaften, Infrastruktur und Organisation wächst stetig, und die Diskussion über alternative Finanzierungsquellen dürfte damit nicht dauerhaft beendet sein. Denkbar ist, dass die Investorenfrage in anderer Form wieder auf die Tagesordnung zurückkehrt, sobald sich der Druck auf Infantino verringert hat. Die Grundsatzfrage, wie viel Kommerzialisierung der Weltfußball verträgt, bleibt jedenfalls unbeantwortet. Bei künftigen Richtungsentscheidungen bleibt Infantino auf die Unterstützung der Verbände angewiesen.
Die Fifa-Führung selbst hat sich bislang nicht ausführlich zu den Beweggründen des Rückziehers geäußert. In den kommenden Tagen dürfte sie bemüht sein, die Entscheidung als Ergebnis eines konstruktiven Dialogs mit den Mitgliedsverbänden darzustellen. Klar ist jedoch, dass die Kontroverse die ohnehin angespannte Diskussion über die Führung des Weltverbands weiter anheizen wird. Die Verbände dürften künftig noch genauer auf die Pläne der Fifa-Zentrale in Zürich blicken und sich bei richtungsweisenden Entscheidungen nicht einfach übergehen lassen.



