Im Streit um die umstrittenen Investorenpläne des Fußball-Weltverbands verliert Fifa-Präsident Gianni Infantino einen engen Vertrauten. Carlos Cordeiro, einer seiner ranghohen Berater, tritt nach übereinstimmenden Medienberichten aus Protest zurück. Cordeiro begründete den Schritt mit der Sorge um die langfristige Zukunft des Fußballs. «Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer WM-Beteiligung in Erwägung zieht», sagte der Berater.
Der Rücktritt fällt in eine Phase wachsenden Widerstands gegen die Finanzstrategie des Weltverbands. Nach der Europäischen Fußball-Union Uefa und dem Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (Concacaf) stellt sich nun auch der asiatische Fußball-Dachverband AFC gegen die Fifa-Investorenpläne. Die AFC solidarisiert sich ausdrücklich mit den beiden kritischen Verbänden und verschärft damit die Front gegen den Weltverband. Der AFC ist der Kontinentalverband der asiatischen Fußballverbände. Dass er sich nun offen auf die Seite der Kritiker stellt, gibt der Ablehnung zusätzliches Gewicht.
Die Fifa hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte, etwa an den Weltmeisterschaften, eine Milliardensumme einspielen zu wollen. Für die Umsetzung des Vorhabens ist die Gründung des Tochterunternehmens Fifa Forward Enterprise (FFE) vorgesehen. Über die FFE sollen private Geldgeber künftig an den Erlösen der Turniere beteiligt werden können. Genau diese Aussicht stößt bei den Verbänden auf erhebliche Bedenken. Im Kern geht es darum, wie viel Einfluss private Investoren künftig auf die wichtigsten Turniere des Fußballs erhalten.
Die Uefa und die Concacaf lehnen die Investorenpläne entschieden ab. Die Uefa droht in dem Streit sogar offen mit einem Boykott künftiger Weltmeisterschaften. Mit dem Schulterschluss des AFC wächst damit der Druck auf die Fifa-Spitze, ihre Finanzstrategie zu überdenken.
Nach den vorliegenden Informationen hat die Fifa den Mitgliedsverbänden eine Frist gesetzt, innerhalb derer sie dem geplanten Investorendeal zustimmen sollen. Den Verbänden soll als Anreiz eine Sonderzahlung in Aussicht gestellt worden sein. Der Stichtag ist demnach der 19. September.
Bis dahin müssen die Mitgliedsverbände entscheiden, ob sie die Pläne mittragen. Der Zeitdruck ist groß, zumal die Verbände aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie aus Asien das Vorhaben in der jetzigen Form ablehnen und der Widerstand zuletzt weiter zugenommen hat.
Für Infantino ist der Rücktritt Cordeiro ein herber Rückschlag. Der Berater galt als enger Vertrauter des Fifa-Präsidenten. Sein Rücktritt sendet ein deutliches Signal, dass die Investorenstrategie auch im direkten Umfeld Infantinos auf Widerstand stößt.
Der offene Konflikt zwischen der Fifa und mehreren ihrer Mitgliedsverbände zeigt, wie tief die Debatte über die künftige Vermarktung der Weltmeisterschaften inzwischen reicht. Uefa, Concacaf und AFC wenden sich gegen den Einstieg privater Investoren. Ob eine Einigung vor dem Stichtag im September gelingt, ist offen.


