Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat einen Großeinsatz zum Schutz des fünften Castor-Transports aus dem Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus gestartet. Ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur bestätigte den Beginn der Sicherungsmaßnahmen, ohne den genauen Startzeitpunkt der Fahrt zu nennen. Anti-Atomkraft-Initiativen rechnen damit, dass der Transport am heutigen Abend beginnt. Die rund 170 Kilometer lange Strecke wird voraussichtlich etwa vier Stunden in Anspruch nehmen.
Die Polizei sichert die unangekündigte Aktion mit Hunderten Beamten entlang der Strecke sowie an den Start- und Zielpunkten. Aus Sicherheitsgründen werden weder die genaue Fahrtroute noch mögliche Alternativstrecken bekannt gegeben. An mehreren Orten entlang der Route sind Proteste angekündigt. Das Aktionsbündnis «Stop Westcastor» veranstaltet in Jülich eine Mahnwache, während die Bürgerinitiative «Kein Atommüll in Ahaus» eine weitere Kundgebung in Ahaus plant.
Es ist der fünfte Transport dieser Art seit Ende März. Die ersten vier nächtlichen Fahrten quer durch Nordrhein-Westfalen verliefen nach Polizeiangaben ohne Zwischenfälle. Bei jedem Transport begleitete ein Großaufgebot der Polizei die Fahrzeuge, und an mehreren Stellen demonstrierten Menschen gegen die Verlagerung des radioaktiven Materials. Die bisherigen Proteste blieben jedoch friedlich.
Hintergrund der Transporte ist eine Anordnung der nordrhein-westfälischen Atomaufsicht, das Zwischenlager in Jülich zu räumen. Grund dafür ist, dass für das dortige Lager die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Die Castor-Behälter werden daher nach Ahaus gebracht, wo sie in einem dafür vorgesehenen Zwischenlager aufbewahrt werden sollen. Insgesamt müssen 152 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll von Jülich nach Ahaus transportiert werden.
In den Behältern befinden sich insgesamt rund 288.000 tennisballgroße Brennelemente aus dem ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich. Bei diesem Reaktor handelte es sich um einen Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktor, der von 1967 bis 1988 in Betrieb war. Die Brennstoffe in den Kugeln geben weiterhin radioaktive Strahlung ab und wären außerhalb der Behälter hochgefährlich. In jeden Castor-Behälter passen maximal 1.900 Kugeln, die insgesamt rund zwei Kilogramm Brennstoff enthalten. Ein beladener Castor-Behälter wiegt rund 27 Tonnen, ein Sattelzug mitsamt einem vollen Behälter kommt auf knapp 130 Tonnen.
Die Transporte nach Ahaus könnten sich länger hinziehen als ursprünglich geplant. Das Transportunternehmen Orano hat nach Angaben eines Sprechers der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen eine Verlängerung der Transportgenehmigung um ein Jahr bis August 2028 beantragt. Der WDR hatte zuerst darüber berichtet. Sollte die Genehmigung erteilt werden, könnten die Transporte noch bis weit ins nächste Jahr andauern.
Bei dem Gesamtvorhaben handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße in Deutschland seit Jahrzehnten. Die logistische Herausforderung ist enorm: Jeder einzelne Transport muss sorgfältig geplant und von der Polizei gesichert werden. Die Behörden rechnen damit, dass die Aktion noch mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Die Anti-Atomkraft-Bewegung hat angekündigt, die Transporte weiterhin mit Protesten zu begleiten.
Die Diskussion um die Sicherheit der Zwischenlager und den Umgang mit radioaktivem Abfall ist in Deutschland nach dem Atomausstieg neu entbrannt. Während die einen auf eine sichere Endlagerung drängen, fordern andere einen sofortigen Stopp aller Transporte. Die nordrhein-westfälische Landesregierung betont, dass die Verlagerung des Atommülls aus Jülich nach Ahaus notwendig sei, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Castor-Behälter selbst gelten als robust und sicher, doch die langfristige Lagerung bleibt ein ungelöstes Problem.



