Der Fußball-Weltverband FIFA begräbt seine milliardenschweren Pläne zum Verkauf von Anteilen an den WM-Rechten an private Investoren. FIFA-Präsident Gianni Infantino kündigte die Kehrtwende an, nachdem die Europäische Fußball-Union UEFA ihm das Vertrauen entzogen und weltweiter Protest die Organisation unter Druck gesetzt hatte.
Infantino erklärte, der Vorschlag werde nicht weiter verfolgt. Er habe zu einer Spaltung geführt, die nicht im Interesse des eigentlichen Ziels sein könne, den Sport zu vereinen und zu verbessern. «Unser Ziel war schon immer und wird es auch immer sein, zu vereinen und zu verbessern», so der FIFA-Chef. In den kommenden Tagen und Wochen wolle er alle beteiligten Parteien wieder zusammenbringen, um den Fußball weltweit weiter voranzubringen, insbesondere in Ländern, die Unterstützung am meisten benötigten.
Die UEFA reagierte umgehend und verschärfte den Ton. «Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie», erklärte der europäische Dachverband. Den gescheiterten Vorstoß bezeichnete die UEFA als «schäbigen, hinter verschlossenen Türen ausgehandelten und undurchsichtigen Deal», der das genaue Gegenteil von Transparenz gewesen sei.
Die UEFA kündigte an, gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden und anderen Konföderationen zu analysieren, wie es zu dem Vorschlag kommen konnte. Diese Überprüfung müsse gründlich und umfassend sein, keine Option dürfe von vornherein ausgeschlossen werden. Die Botschaft an Infantino war unmissverständlich: Die Kritiker verlangen eine gründliche Aufarbeitung und eine neue Führungspraxis im Weltverband.
Infantino hatte die Initiative stets damit verteidigt, dass sie die Mitgliedsverbände stärken und zusätzliche Einnahmen für den Fußball generieren sollte. Für eine Umsetzung wäre allerdings die Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände nötig gewesen. Trotz der in Aussicht gestellten Sonderzahlungen formierte sich der Widerstand rasch.
Das gescheiterte Projekt sah vor, privaten Geldgebern den Einstieg in lukrative Geschäfte des Weltverbands zu ermöglichen. Investoren hätten rund 20 Prozent der Anteile an einer neu gegründeten Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise erwerben können, deren Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt war. Die FFE hätte die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie der Klub-WM gebündelt. Infantino hätte in dem Tochterunternehmen die Rolle des Geschäftsführers übernehmen können.
Unter den möglichen Geldgebern wurde der Technologieinvestor Joshua Kushner genannt, dessen Bruder Jared mit Ivanka Trump, der Tochter des früheren US-Präsidenten Donald Trump, verheiratet ist. Kushner hätte über seine Investmentfirma Thrive eine Schlüsselrolle spielen können. Der damalige US-Präsident Donald Trump gab an, mit dem FIFA-Chef nicht über die Pläne gesprochen zu haben.
Infantino hatte den 211 Mitgliedsverbänden für ihre Zustimmung eine Frist bis zum 19. September gesetzt und im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht gestellt. Der Widerstand wuchs jedoch rasant. Die UEFA hatte sogar mit einem WM-Boykott gedroht: «Keine Nationalmannschaften aus der UEFA würden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange die Vorschläge bestehen blieben», hieß es aus Nyon.
Es ist nicht der erste Rückschlag dieser Art für Infantino. Bereits 2018 warb der Schweizer für einen Investoren-Deal über die Vermarktungsrechte an einer neuen Klub-Weltmeisterschaft mit 24 Teams sowie einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Das damalige Volumen lag bei 25 Milliarden Dollar. Auch dieser Plan wurde angesichts des Widerstands fallengelassen.
Die UEFA wertete den Verzicht auf die aktuellen Pläne als «Sieg für den gesamten Fußball». Es dürfe aber nicht das Ende der Geschichte sein, warnte sie. Der Vorschlag sei zwar vom Tisch, doch die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen, habe gerade erst begonnen.


