Die FIFA begräbt ihre milliardenschweren Investorenpläne. Nach massiver öffentlicher Kritik und wachsendem Druck aus den Mitgliedsverbänden erklärte Präsident Gianni Infantino, das umstrittene Projekt zur Teilprivatisierung der kommerziellen Rechte werde nicht weiterverfolgt. Der Rückzieher kommt nur wenige Tage, nachdem der Weltverband den 211 Mitgliedsverbänden eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September gesetzt hatte.

Der Vorstoß sah vor, rund 20 Prozent der Anteile an einer neu gegründeten Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise zu verkaufen. Deren Gesamtwert war auf 20 Milliarden Dollar festgelegt worden. In der FFE sollten die Vermarktungsrechte an den wichtigsten FIFA-Wettbewerben gebündelt werden, darunter die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen sowie die Club-WM. Infantino selbst hätte in dem Unternehmen die Rolle des Geschäftsführers übernehmen können.

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Die Europäische Fußball-Union UEFA warf dem FIFA-Präsidenten in einer ungewöhnlich scharfen Erklärung vor, einen «schäbigen, hinter verschlossenen Türen ausgehandelten und undurchsichtigen Deal» eingefädelt zu haben. Die derzeitige FIFA-Führung habe nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie, hieß es. Man werde nun mit den Mitgliedsverbänden und den anderen Konföderationen analysieren, wie es zu dem Vorgehen kommen konnte. «Diese Überprüfung muss gründlich und umfassend sein. Keine Option darf von vornherein ausgeschlossen werden», erklärte der europäische Dachverband. Damit verbunden war die unmissverständliche Forderung, dass Infantino seine Position überdenken solle.

Auch der Deutsche Fußball-Bund reagierte deutlich. DFB-Präsident Bernd Neuendorf verlangte eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge. Infantino habe «eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs» gehandelt. Man müsse gemeinsam mit der UEFA und anderen Konföderationen dafür sorgen, dass bei der FIFA eine grundsätzlich andere Kultur einziehe. Ähnlich äußerte sich der norwegische Verband, der eindringlich vor «Machtkämpfen hinter verschlossenen Türen» warnte und mehr Transparenz bei der Führung des Weltverbands anmahnte.

Infantino selbst rechtfertigte den Rückzug mit dem Zusammenhalt des Fußballs. «Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen», erklärte er. Sein Ziel sei es immer gewesen, «zu vereinen und zu verbessern». In den kommenden Tagen und Wochen wolle er alle Beteiligten wieder zusammenbringen, um den Fußball weltweit voranzubringen, insbesondere in Ländern, die Unterstützung am meisten benötigten.

Berichten zufolge hatten die Pläne eine Reihe brisanter Details: Als potenzieller Geldgeber wurde der Technologieinvestor Joshua Kushner gehandelt, dessen Bruder Jared mit Ivanka Trump verheiratet ist. Kushners Investmentfirma Thrive hätte demnach eine Schlüsselrolle bei dem Vorhaben spielen können. US-Präsident Donald Trump versicherte allerdings, mit Infantino nicht über die Investorenpläne gesprochen zu haben. Zudem hatte die FIFA den Mitgliedsverbänden für eine Zustimmung offenbar Sonderzahlungen in Aussicht gestellt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Infantino mit einem ambitionierten Finanzierungsmodell scheitert. Bereits 2018 warb er für einen Investoren-Deal, der die Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams und einer globalen Nations League umfassen sollte. Damals ging es um die Summe von 25 Milliarden Dollar. Das Vorhaben wurde ebenfalls nie umgesetzt.

Dieses Mal jedoch war der Widerstand deutlich größer. Die UEFA hatte während der Auseinandersetzung sogar mit einem Boykott gedroht. «Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen», hieß es in einer Mitteilung des europäischen Verbands. Nach dem Ende des Projekts erklärte die UEFA, der Rückzug sei ein «Sieg für den gesamten Fußball», dürfe aber nicht das Ende der Geschichte sein.

Der Druck auf Infantino dürfte damit nicht abebben. Die Forderungen nach einem grundlegenden Reformprozess erinnern an die Zeit nach dem Rücktritt von Joseph Blatter, der 2016 von Infantino abgelöst worden war. Kritiker verlangen, dass die FIFA ihre Entscheidungsstrukturen überdenkt und künftig Transparenz und gute Verbandsführung tatsächlich lebt. Ob sich der Weltverbandsboss an der Spitze halten kann, gilt angesichts des wachsenden Widerstands aus Europa und anderen Teilen der Fußballfamilie als offen.