Eine außergewöhnliche Hitzewelle hat Europa im Juni erfasst und in mehreren Ländern neue Temperaturrekorde aufgestellt. In Deutschland wurde die bisher höchste jemals gemessene Temperatur von 41,2 Grad Celsius übertroffen: In Neißemünde-Coschen in Brandenburg registrierten Wetterexperten 41,7 Grad. Damit fiel der deutsche Rekord bereits im Juni, während die nächste Hitzewelle bereits naht und die Frage aufwirft, ob die neue Messlatte erneut gerissen wird.

Nicht nur Deutschland verzeichnete extreme Werte. Auch Polen und Dänemark meldeten am 29. Juni 2026 neue Höchsttemperaturen: 40,5 Grad in Polen und 37,0 Grad in Dänemark. Frankreich hält weiterhin den Rekord von 46,0 Grad aus dem Jahr 2019, während Spanien mit 47,6 Grad (14. August 2021) und Italien mit 48,8 Grad (11. August 2021) zu den heißesten Ländern Europas zählen. Griechenland verzeichnete am 10. Juli 1977 sogar 48,0 Grad, und in Ägypten wurden am 7. Juni 2024 50,9 Grad gemessen. Marokko erreichte am 11. August 2023 50,4 Grad. Diese Zahlen verdeutlichen die zunehmende Intensität der Hitzewellen auf dem Kontinent.

Die anhaltende Trockenheit verschärft die Lage zusätzlich. In Dresden reagierten die Behörden auf stark gesunkene Wasserstände mit einem Entnahmeverbot für Gewässer, das bis Ende Oktober gilt. Es betrifft Flüsse und Bäche, und selbst das Schöpfen von Wasser mit einfachen Behältern ist untersagt. Hintergrund sind außergewöhnlich niedrige Pegelstände. Auch in Niedersachsen gibt es an besonders heißen Tagen ein Bewässerungsverbot, um die Wasservorräte zu schonen.

Mit den steigenden Temperaturen wächst die Sorge um die Gesundheit der Menschen. Die evangelische Kirche beteiligt sich an der Initiative «Kühle Kirchen» und öffnet an heißen Tagen vielerorts ihre Gotteshäuser als Rückzugsorte vor der Hitze. Die Gemeinden wollen damit insbesondere jenen helfen, die keinen Zugang zu ausreichend gekühlten Räumen haben. Diese Maßnahme ist Teil eines breiteren gesellschaftlichen Umgangs mit den extremen Wetterbedingungen.

Im Fokus der Debatte stehen zunehmend auch Arbeitnehmer. Der Europäische Gewerkschaftsbund fordert europaweit verbindliche Erholungspausen bei großer Hitze. Als Vorbild nennt die Organisation die Trinkunterbrechungen bei Fußball-Weltmeisterschaften. Nach Ansicht des Verbands reichen wenige Minuten jedoch nicht aus, um Beschäftigten in körperlich belastenden Berufen wie dem Baugewerbe, der Landwirtschaft oder im öffentlichen Verkehr ausreichende Erholung zu ermöglichen. Bereits Temperaturen von mehr als 30 Grad erhöhten das Risiko von Todesfällen am Arbeitsplatz – bei Werten über 38 Grad sogar um bis zu 15 Prozent. Die Dachorganisation, die nach eigenen Angaben 45 Millionen Beschäftigte aus 94 Gewerkschaften in 42 Ländern vertritt, fordert ein europaweites Recht auf zusätzliche Pausen bei vollem Lohnausgleich.

Selbst der Spitzensport muss sich auf die neuen Bedingungen einstellen. In Deutschland wurden im Juni in mehreren Regionen Fußballspiele abgesagt, in Hamburg der Halbmarathon. Auch Österreich ergriff Maßnahmen: Vor dem Formel-1-Rennen in Spielberg, wo Temperaturen von bis zu 36 Grad erwartet wurden, mussten die Teams zusätzliche Kühlsysteme in die Fahrzeuge integrieren. Die Fahrer konnten spezielle Kühlwesten nutzen, um die extreme Hitze in den Cockpits besser zu bewältigen. Diese Anpassungen zeigen, wie tiefgreifend die Hitzewelle den Alltag und die Organisation von Veranstaltungen beeinflusst.

Die Hitzewelle im Juni stellt Deutschland und weite Teile Europas vor besondere Herausforderungen. Während die Rekorde gebrochen werden, bleibt die Frage, ob die Gesellschaft ausreichend auf die nächsten Hitzewellen vorbereitet ist. Die Maßnahmen reichen von lokalen Wasserentnahmeverboten bis zu europaweiten Forderungen nach Arbeitnehmerschutz. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Temperaturen weiter steigen und ob die neuen Rekorde Bestand haben oder bereits 2026 erneut übertroffen werden.

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.