Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps hat einen historischen Rekord aufgestellt: Mit dem Halbfinale gegen Spanien im Dallas-Stadion bestritt der 57-Jährige sein 26. Spiel als Cheftrainer bei einer Fußball-Weltmeisterschaft und löste damit den ehemaligen deutschen Bundestrainer Helmut Schön ab. Schön hatte die Bestmarke 48 Jahre lang gehalten, seit seinem letzten WM-Einsatz 1978. Der Rekord fiel ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, was dem Erfolg eine zusätzliche symbolische Bedeutung verleiht.

Deschamps ist seit 2012 im Amt und hat die französische Nationalmannschaft in dieser Zeit zu beachtlichen Erfolgen geführt. Als Spieler gewann er 1998 den WM-Titel, als Trainer wiederholte er diesen Triumph 2018 in Russland. Damit gehört er zu einem exklusiven Kreis: Nur Franz Beckenbauer und der 2024 verstorbene Mário Zagallo gelang ebenfalls das Double aus WM-Titel als Spieler und als Trainer. Vittorio Pozzo bleibt der einzige Trainer, der zwei Weltmeisterschaften gewann – 1934 und 1938 mit Italien.

Die FIFA zählt in Deschamps' offizieller WM-Statistik auch das Gruppenspiel gegen Norwegen bei der WM 1998 mit, obwohl der Franzose damals nicht an der Seitenlinie stand. Nach dem Tod seiner Mutter war er in die Heimat geflogen, die Partie endete dennoch 4:1 für Frankreich. Dieser Umstand unterstreicht die Besonderheit der Statistik, die alle Spiele unter seiner Verantwortung als Cheftrainer umfasst, unabhängig von seiner physischen Anwesenheit.

Deschamps' Rekord ist das Ergebnis einer bemerkenswerten Konstanz auf höchstem Niveau. Seit seiner Übernahme des Nationalteams hat Frankreich an vier Weltmeisterschaften teilgenommen: 2014 in Brasilien, 2018 in Russland, 2022 in Katar und nun 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Dabei erreichte die Équipe Tricolore stets mindestens das Viertelfinale, mit dem Höhepunkt des Titels 2018 und der Finalteilnahme 2022. Diese Beständigkeit spiegelt sich in der Anzahl der Spiele wider, die Deschamps nun an die Spitze der ewigen Rangliste gebracht hat.

Helmut Schön, der von 1964 bis 1978 die deutsche Nationalmannschaft trainierte, hatte den vorherigen Rekord mit 25 WM-Spielen aufgestellt. Unter seiner Leitung wurde Deutschland 1974 Weltmeister, zudem erreichte das Team 1966 das Finale und 1970 das Halbfinale. Schön prägte eine Ära des deutschen Fußballs und galt lange als unerreichbare Größe. Dass nun ein Franzose diese Marke übertrifft, zeigt die internationale Entwicklung des Spiels und die Langlebigkeit erfolgreicher Trainer.

Nach dieser Weltmeisterschaft wird Deschamps sein Amt voraussichtlich abgeben. Medienberichten zufolge soll Zinédine Zidane, der frühere Weltklassespieler und ehemalige Trainer von Real Madrid, die Nachfolge antreten. Zidane, der mit Frankreich 1998 Weltmeister wurde und als Trainer dreimal die Champions League gewann, gilt als Wunschkandidat des französischen Verbandes. Deschamps selbst hat sich zu seinen Zukunftsplänen bislang bedeckt gehalten, doch die Spekulationen verdichten sich, dass dies seine letzte WM als Chefcoach sein wird.

Der Rekord von Deschamps ist nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch ein Beleg für die Stärke des französischen Fußballs in den letzten anderthalb Jahrzehnten. Mit einer goldenen Generation von Spielern wie Kylian Mbappé, Antoine Griezmann und N'Golo Kanté hat Deschamps ein Team geformt, das international konstant zur Spitze gehört. Die 26 WM-Spiele umfassen dabei Höhen wie den Titelgewinn 2018 und Tiefen wie das Ausscheiden im Viertelfinale 2014 gegen Deutschland.

Die Bedeutung des Rekords wird auch dadurch unterstrichen, dass Deschamps in einer Zeit des intensiven internationalen Fußballs agiert, in der die Anzahl der WM-Spiele durch Turniererweiterungen zugenommen hat. Dennoch bleibt die Leistung bemerkenswert, da sie über mehrere Turniere hinweg Beständigkeit und Erfolg auf höchstem Niveau voraussetzt. Mit dem Halbfinale gegen Spanien hat Deschamps nun die alleinige Führung übernommen – ein Meilenstein, der in die Geschichte des Weltfußballs eingehen wird.