Charles Leclerc hat den chaotischen Grand Prix von Großbritannien in Silverstone für sich entschieden und damit seinen ersten Sieg seit über 600 Tagen gefeiert. Der Monegasse profitierte dabei von einem technischen Defekt am Mercedes von WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli sowie einem Ausritt von Max Verstappen ins Kiesbett. Unter dem Safety-Car überquerte Leclerc als Erster die Ziellinie und verwies George Russell im zweiten Mercedes auf den zweiten Platz. Lokalheld Lewis Hamilton wurde Dritter, musste aber eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen eines Fehlstarts verbüßen.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte ein erleichterter Leclerc nach dem Rennen. „Nach den letzten Wochen, die besonders schwierig waren, nun zu gewinnen, macht mich unglaublich glücklich.“ Für den Ferrari-Piloten war es der neunte Karrieresieg und der erste seit dem USA-Rennen in Texas im Jahr 2024. Die 175.000 Zuschauer in Silverstone erlebten einen dramatischen Schlussakt, der das gesamte Rennen auf den Kopf stellte.

Das größte Drama erlebte Kimi Antonelli. Der italienische Teenager, der am Samstag noch den Sprint gewonnen und sich die Pole Position gesichert hatte, klagte zehn Runden vor dem Ende über einen Schaden an seinem Mercedes. „Die Aufhängung ist gebrochen“, schrie er über Funk, während er bei seiner Aufholjagd auf den führenden Leclerc plötzlich zurückgeworfen wurde. Antonelli blieb als punktloser 16. zum dritten Mal nacheinander ohne Sieg, behält aber die Führung in der WM-Wertung. Sein Vorsprung auf Russell schmolz jedoch auf 25 Punkte.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigte sich betroffen von Antonellis Schicksal. „Das Bittere ist, dass der Kimi mit so großen Schritten auf Leclerc zugegangen ist, dass er ihn vermutlich sechs Runden vor Schluss erwischt hätte, dann hätten wir wahrscheinlich großes Racing gesehen. Das ist natürlich Pech, mir tut es für den Kimi leid“, räumte Wolff bei Sky ein. Der 19-jährige Antonelli stand mehrmals davor, seinen Wagen vorzeitig abzustellen, gab aber nicht auf und fuhr bis zum Schluss. Allerdings kassierte er noch eine Zeitstrafe wegen mehrfach unerlaubten Überfahrens des Streckenrands.

Ein weiteres Debakel erlebte Max Verstappen. Der Niederländer, der vor einer Woche mit seinem zweiten Platz in Spielberg noch die Wende mit Red Bull eingeleitet zu haben schien, kehrte in Silverstone in den Frust zurück. Im Sprint wurde er nur Sechster, in der Qualifikation kam er nicht über Rang sieben hinaus. Vier Runden vor dem Rennende schlitterte Verstappen dann ins Kiesbett. „Peinlich, schlecht“, lautete sein Fazit. Er klagte über die Balance im Auto und fehlenden Top-Speed. „Ich bin ja nicht abergläubisch, aber ich komme mir vor, als hätte ich eine schwarze Katze überfahren“, sagte Verstappen fatalistisch im niederländischen Fernsehen. „Ehrlich, ich hasse diesen Wagen“, fügte der Red-Bull-Star hinzu.

Der Rennverlauf war von Beginn an spannend. Antonelli hatte sich nach seinem ersten Sieg im Sprint auch die Pole Position gesichert, aber in Kurve eins war Leclerc im ersten Ferrari vorbei. Auch Hamilton im zweiten Ferrari ließ den Mercedes-Fahrer hinter sich. In Runde elf schnappte sich Antonelli Hamilton in der legendären Hochgeschwindigkeitskurve Copse und nahm die Verfolgung auf Leclerc auf. Der Monegasse baute seinen Vorsprung auf zwischenzeitlich vier Sekunden aus. Verstappen ging in die Offensive und ließ sich schon in der 18. von 52 Umläufen harte Reifen aufziehen, kam damit aber nicht an die Spitze.

Hamilton kam in der 24. Runde an die Box und saß seine Zeitstrafe ab. Einen Umlauf später bekam auch Leclercs Ferrari die harten Mischungen verpasst. Antonelli blieb weiter draußen – ein Balance-Akt. Erst in Runde 36 zogen die Mechaniker harte Reifen am Mercedes des WM-Führenden auf. Aus 13 Sekunden Vorsprung auf Leclerc wurden sieben Sekunden Rückstand. Die Frage war, ob die Zeit für eine Aufholjagd mit frischen Gummis reichen würde. Dann begann der völlig wilde Schlussakt.

Neben den Dramen um Antonelli und Verstappen erlebte auch Nico Hülkenberg einen Rückschlag. Der einzige deutsche Fahrer im Feld sah gar nicht die Zielflagge. Der weiterhin punktlose Audi-Pilot musste in der 38. Runde seinen Dienstwagen auf dem Rasenstreifen wegen eines Defekts abstellen. Hamilton probierte in der Schlussphase einen Boxenstopp, um noch einmal Platz eins anzugreifen, doch er kam hinter Russell als Dritter zurück auf die Piste – ein Taktikfehler, der ihn um den zweiten Platz brachte. Die Untersuchung eines Vorfalls während einer Gelb-Phase hatte für den Rekordweltmeister keine nennenswerten Konsequenzen, er wurde lediglich erstmals in dieser Saison verwarnt.

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Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.