Die südkoreanische Boyband BTS feiert an diesem Wochenende ihr lang erwartetes Konzertcomeback in Deutschland. Am Samstag und Sonntag treten die sieben Mitglieder in der restlos ausverkauften Allianz-Arena in München auf. Es sind die einzigen Deutschlandkonzerte im Rahmen ihrer ausgedehnten Welttournee, die fast 90 Auftritte auf mehreren Kontinenten umfasst – von Australien bis Chile. Der enorme Andrang auf die Karten erklärt sich auch daraus, dass BTS erstmals nach einer fast vierjährigen Pause wieder gemeinsam auf der Bühne steht.

Seit Ende 2022 hatten RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jungkook nacheinander ihren in Südkorea verpflichtenden Militärdienst abgeleistet. Ende März läutete die Band ihr Comeback mit dem Album „Arirang“ ein, das nach dem wohl bekanntesten koreanischen Volkslied benannt ist. Seit ihrem Debüt im Jahr 2013 hat BTS einen beachtlichen Weg zurückgelegt – vom einstigen Geheimtipp aus Südkorea zur wohl erfolgreichsten Pop-Band der Gegenwart. Die Gruppe gehört zu den wenigen Musikacts, denen es gelungen ist, die lange Zeit nahezu unangefochtene kulturelle Dominanz westlicher Popmusik zumindest teilweise zu durchbrechen.

Was macht BTS so erfolgreich? Die Band profitierte zwar vom bereits zuvor geebneten Erfolg der sogenannten koreanischen Welle („Hallyu“), doch im K-Pop-Universum sticht BTS durch mehrere Besonderheiten hervor. Die Mitglieder sind nicht nur an vielen ihrer Musikproduktionen maßgeblich beteiligt, sondern schreiben auch ihre Songs selbst. Inhaltlich sprechen sie zudem viele universelle Themen an, die zuvor von den meisten Bands gemieden wurden: psychische Gesundheit, gesellschaftlicher Leistungsdruck, Selbstakzeptanz und -zweifel. Eine entscheidende Rolle spielt auch die außergewöhnlich enge Bindung von BTS an ihre Fangemeinde, die sich „Army“ nennt. Seit Beginn ihrer Bandgeschichte nutzt BTS soziale Medien, um eine treue, weltweite Anhängerschaft aufzubauen.

In den letzten Jahren hat BTS etliche Rekorde gebrochen. Ihre 2020 erschienene Hitsingle „Dynamite“ erreichte allein auf YouTube innerhalb von 24 Stunden über 100 Millionen Aufrufe. Zudem ist BTS die erste K-Pop-Band, die den ersten Platz der Billboard Hot 100 erreicht hat. Mittlerweile haben sieben ihrer Singles den Spitzenplatz erreicht, zuletzt der Sommersong „Swim“ vom aktuellen Album „Arirang“. Bei den im Mai in Las Vegas ausgetragenen American Music Awards (AMA) gewann die Boygroup sowohl den Preis als Künstler des Jahres als auch den Preis für den besten Sommersong.

Die globale Verankerung von K-Pop in der Popkultur ist inzwischen beachtlich. Viele K-Pop-Labels visieren in ihrer Geschäftsstrategie vor allem internationale Märkte außerhalb der eigenen Landesgrenzen an. Zunächst erfreute sich das Phänomen K-Pop vor allem bei der asiatischen Jugend großer Beliebtheit, allen voran in China und in Südostasien. Mittlerweile ist die Popularität in fast allen Kontinenten riesig, etwa in Lateinamerika oder auch in großen Teilen Europas. Ein relativ aktueller Trend ist, dass südkoreanische Künstler zunehmend auch in andere kulturelle Sphären vordringen. Auf der Fashion Show in Paris sind regelmäßig K-Pop-Stars auf dem Laufsteg zu sehen. Auch Fernsehserien und Kinofilme werden zunehmend mit ihnen besetzt. Die Sängerin Lisa der Girlgroup Blackpink etwa gab 2025 ihr Schauspieldebüt in der erfolgreichen HBO-Serie „The White Lotus“. Die 29-Jährige ist ein Beleg dafür, dass K-Pop-Stars nicht ausschließlich südkoreanisch sein müssen: Lalisa Manobal, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, wurde im thailändischen Buri Ram geboren.

Die südkoreanische Regierung hat seit rund 30 Jahren aktiv dazu beigetragen, die heimische Popkultur als Exportgut zu vermarkten. Ende der 1990er Jahre litt der ostasiatische Tigerstaat unter der sogenannten Asienkrise, woraufhin die Regierung gezielt nach neuen Wirtschaftsmotoren suchte. In den folgenden Jahren förderte sie die aufstrebende K-Pop-Industrie, etwa durch Finanzierungsprogramme für Labels oder Hilfen bei der internationalen Vermarktung. Die kreative Energie stammt jedoch keineswegs von den Behörden, sondern von den privat geführten Musiklabels und den individuellen Künstlertalenten.

Trotz seiner beachtlichen Erfolge steht die südkoreanische Unterhaltungsindustrie auch regelmäßig in der Kritik. Viele junge Sängerinnen und Sänger beklagen den immensen Leistungsdruck innerhalb der K-Pop-Branche, zudem waren Knebelverträge der Musiklabels immer wieder ein Thema. Viele K-Pop-Acts werden über Jahre mit rigidem Training in Gesang und Tanz aufgebaut, ehe sie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Gleichzeitig stehen die südkoreanischen Stars unter immensem Druck, ihr Privatleben skandalfrei zu halten. Mehrere Suizide von Künstlerinnen und Künstlern, etwa nach Online-Stalking und Shitstorms, haben eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, wie die südkoreanische Popindustrie die psychische Gesundheit ihrer Stars besser schützen kann.