Jude Bellingham hat England mit einem Doppelpack ins Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft geführt. Die Mannschaft von Thomas Tuchel besiegte Norwegen im Viertelfinale mit 2:1 nach Verlängerung. Der Sieg war jedoch von einer kontroversen Szene überschattet, die für hitzige Diskussionen sorgte.

Norwegen war durch ein frühes Tor von Erling Haaland in Führung gegangen. Der Stürmerstar, der für Manchester City spielt, traf in der 15. Minute und brachte sein Team damit auf die Siegerstraße. England tat sich zunächst schwer gegen die gut organisierte norwegische Defensive und fand nur selten Mittel, um gefährlich vor das Tor zu kommen.

Kurz vor der Halbzeitpause gelang England dann der Ausgleich. Bellingham traf aus der Distanz, doch die norwegischen Spieler protestierten vehement. Sie argumentierten, dass der Ball zuvor die Spidercam berührt habe, die über dem Spielfeld angebracht ist. Diese Kameras werden bei großen Turnieren eingesetzt, um besondere Perspektiven zu liefern. Die Fifa teilte nach dem Spiel mit, dass der Treffer regulär sei, da die Kamera nicht als Teil des Spielfelds gelte und ein Kontakt mit ihr nicht als Regelverstoß gewertet werde. Die Entscheidung sorgte in den sozialen Medien und unter Experten für geteilte Meinungen.

In der zweiten Halbzeit blieb die Partie ausgeglichen. Beide Teams hatten Chancen, doch weder England noch Norwegen konnten die Entscheidung in der regulären Spielzeit herbeiführen. So ging es in die Verlängerung, in der Bellingham erneut zuschlug. In der 105. Minute traf der Mittelfeldspieler von Real Madrid zum 2:1-Endstand. Norwegen musste in der Verlängerung ohne Haaland auskommen, der ausgewechselt worden war. Der Angreifer zeigte sich auf der Bank sichtlich frustriert über den Spielverlauf.

Für England ist der Einzug ins Halbfinale ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum ersten WM-Titel seit 1966. Thomas Tuchel, der die Mannschaft erst vor wenigen Monaten übernommen hatte, zeigte sich nach dem Spiel erleichtert. „Es war ein hartes Stück Arbeit, aber die Mannschaft hat Charakter gezeigt“, sagte der deutsche Trainer. „Wir haben uns von dem frühen Rückstand nicht beeindrucken lassen und sind belohnt worden.“

Norwegen hingegen verpasste die Chance, erstmals seit 1998 wieder ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft einzuziehen. Das Team um Haaland hatte zuvor im Turnier für Aufsehen gesorgt, unter anderem durch den Sieg gegen Brasilien im Achtelfinale. Trainer Ståle Solbakken zeigte sich enttäuscht, aber stolz auf die Leistung seiner Mannschaft. „Wir haben England alles abverlangt und waren nah dran. Die Entscheidung mit dem Tor ist bitter, aber wir müssen sie akzeptieren“, sagte er.

Die Partie war von Beginn an intensiv geführt worden. England hatte mehr Ballbesitz, während Norwegen auf Konter setzte. Die Taktik ging zunächst auf, doch nach dem Ausgleich verlor Norwegen etwas die Ordnung. In der Verlängerung war England dann das aktivere Team und verdiente sich den Sieg letztlich durch den Einsatz von Bellingham, der sich zum Matchwinner aufschwang.

Der Wirbel um das zweifelhafte Tor wird die Diskussionen um den Einsatz von Technologie im Fußball weiter anheizen. Die Fifa betonte, dass die Spidercam nicht als Hindernis im Sinne der Regeln betrachtet werde. Kritiker fordern jedoch klare Richtlinien, wie mit solchen Situationen umzugehen sei. Der Vorfall erinnert an ähnliche Diskussionen in der Vergangenheit, bei denen ungewöhnliche Gegenstände auf dem Spielfeld für Kontroversen sorgten.

England trifft im Halbfinale nun auf den Sieger der Partie zwischen Frankreich und Argentinien. Die Mannschaft von Tuchel wird sich auf Bellingham verlassen, der in diesem Turnier bereits vier Tore erzielt hat. Die Hoffnung auf den ersten WM-Titel seit fast 60 Jahren lebt weiter.