Alexander Zverev hat zum ersten Mal in seiner Karriere das Finale von Wimbledon erreicht. Der deutsche Tennisstar setzte sich im Halbfinale souverän mit 7:6 (7:0), 6:2, 6:4 gegen den britischen Überraschungsgast Arthur Fery durch und beendete damit die Hoffnungen des Gastgeberlandes auf einen einheimischen Finalisten. Am Sonntag um 17.00 Uhr trifft Zverev nun auf den italienischen Titelverteidiger und Weltranglistenersten Jannik Sinner, der sich im zweiten Halbfinale klar mit 6:4, 6:4, 6:4 gegen den serbischen Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic durchsetzte.

Für Zverev ist der Einzug ins Endspiel des Rasenklassikers ein weiterer Höhepunkt einer herausragenden Saison. Bereits im Januar stand der Hamburger im Finale der Australian Open, und Anfang Juni krönte er sich mit dem Gewinn der French Open zum Grand-Slam-Sieger. Nun könnte er binnen fünf Wochen seinen zweiten Major-Titel holen und sich als erster deutscher Wimbledon-Sieger im Männer-Einzel seit Michael Stich 1991 verewigen. „Wäre super, ich würde mich freuen. Ich muss am Sonntag ein vernünftiges Tennismatch spielen, das ist die Hauptsache“, sagte Zverev nach dem Halbfinale und zog in seinen Badelatschen von dannen.

Der Weg ins Finale war für Zverev nicht ohne Hindernisse. Gegen den 20-jährigen Arthur Fery, der als Wildcard-Teilnehmer eine märchenhafte Geschichte schrieb und unweit des All England Clubs aufgewachsen ist, hatte der Deutsche zunächst Anlaufschwierigkeiten. Das Publikum auf dem Centre Court feuerte den Lokalmatadoren frenetisch an, und Fery gelang im ersten Satz ein Break zum 3:1. Die Schiedsrichterin bat die Zuschauer, „wenn möglich“ nicht während der Ballwechsel laut zu werden. Zverev fing fehlerbehafteter an als der Weltranglisten-114., fand aber zunehmend in sein Spiel. Im Tiebreak des ersten Satzes dominierte er mit 7:0 und nahm dem Publikum den Enthusiasmus. Mit der Satzführung im Rücken kontrollierte der Olympiasieger von Tokio 2021 das Geschehen und setzte Fery mit seiner Aufschlagwucht und Grundlinienpower unter Druck. „99,999 Prozent wollten, dass Arthur gewinnt. Aber es war eine tolle Atmosphäre, ein faires Publikum, ich habe jede Sekunde genossen“, sagte Zverev.

Das Finale gegen Jannik Sinner verspricht eine besondere Herausforderung zu werden. Der 24-jährige Südtiroler hat die letzten neun Duelle gegen Zverev allesamt gewonnen und hinterließ im Halbfinale gegen Djokovic einen starken Eindruck. Dennoch fühlt sich Zverev der Prüfung gewachsen. „Sobald man ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, weiß man, wie es geht, und hat das Gefühl, dass man es wieder schaffen kann“, sagte die deutsche Nummer eins. „Ich werde alles dafür tun, dass ich am Sonntag mein bestes Match spielen kann.“ Mit einem Sieg würde Zverev zum erst dritten deutschen Wimbledon-Champion im Männer-Einzel in der Profi-Ära seit 1968 aufsteigen – neben Boris Becker (1985, 1986, 1989) und Michael Stich (1991). „Es ist erstaunlich. Dieses Grand Slam war immer das, mit dem ich am meisten gekämpft habe“, sagte Zverev, „und plötzlich bin ich im Finale von Wimbledon.“

Unabhängig vom Ausgang des Endspiels wird Zverev am Montag in der Weltrangliste den verletzten Spanier Carlos Alcaraz überholen und vom dritten auf den zweiten Platz klettern. Bei jedem der vier wichtigsten Tennisturniere der Welt hat er nun mindestens einmal das Finale erreicht. Der dreimalige Wimbledon-Sieger Boris Becker, der Zverev in der Vergangenheit kritisiert hatte, tippte vor dem Halbfinale auf einen Triumph des Hamburgers: „Das ist die Chance seines Lebens, und das meine ich im Ernst, Wimbledon zu gewinnen.“ Auch Bundeskanzler Friedrich Merz soll nach Angaben Zverevs zum Finale anreisen, eine offizielle Bestätigung stand jedoch noch aus. Zverev selbst bleibt fokussiert: „Ich hoffe, ich könnte gegen einen Junior spielen“, scherzte er im Siegerinterview auf dem Centre Court, fügte aber ernst hinzu: „Es wird nicht einfach, egal gegen wen ich spiele. Ich muss an mich glauben, dass ich gewinnen kann.“