Ägypten hat sich mit einem nervenaufreibenden Sieg im Elfmeterschießen gegen Australien ins Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gekämpft. Die Mannschaft um Superstar Mohamed Salah setzte sich im Sechzehntelfinale im Dallas Stadion vor 70.244 Zuschauern mit 4:2 nach Elfmeterschießen durch und schrieb damit nationale Sportgeschichte. Es ist der erste K.-o.-Runden-Sieg der Ägypter bei einer WM-Endrunde seit 92 Jahren.

Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden, ehe das Elfmeterschießen die Entscheidung brachte. Den entscheidenden Strafstoß verwandelte Hossam Abdelmaguid, der anschließend euphorisiert sein Trikot auszog und von seinen Teamkollegen gefeiert wurde. Mohamed Salah, der zuvor mit einem lässigen Panenka-Elfmeter getroffen hatte, zeigte sich sichtlich bewegt. Mit Tränen in den Augen und einem erleichterten Lächeln ließ sich der 33-Jährige von den Fans feiern und klopfte immer wieder auf sein Herz.

„Das ist ein historischer Moment. Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt: Das ist die größte Bühne, auf der ihr in eurem Leben spielen könnt. Also genießt es einfach“, sagte Salah nach dem Abpfiff. Zu seinem gewagten Panenka-Elfmeter erklärte der ehemalige Liverpool-Profi: „Ich weiß nicht, ob das meine letzte Weltmeisterschaft ist oder nicht, aber ich musste es einfach tun. Ich wollte dem Team damit Selbstvertrauen geben.“

Die Partie war von Beginn an intensiv geführt worden. Australien startete mutig und hatte in der 5. Minute Pech, als Cristian Volpato mit einem Schuss aus 25 Metern nur die Latte traf. Kurz darauf musste Ägyptens Verteidiger Ramy Rabia in höchster Not im Strafraum gegen Jordan Bos klären. Die Führung für Ägypten fiel dann mit der ersten gefährlichen Aktion: Emam Ashour köpfte in der 13. Minute nach einer Flanke zum 1:0 ein, wobei die australische Abwehr ihm überraschend viel Platz ließ.

Der Führungstreffer gab den Ägyptern sichtlich Selbstvertrauen. Sie übernahmen zunehmend die Kontrolle, ließen Ball und Gegner laufen, wurden aber vor dem Tor nicht zwingend. Der neu in die Startelf gerückte Ex-Frankfurter Omar Marmoush und auch Salah bekamen in der Spitze nur wenig verwertbare Bälle. Australien wurde nach der Trinkpause wieder mutiger, doch ein Schuss von Aziz Behich war zu unplatziert (35.). Jackson Irvine vom Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli war bemüht, das Kombinationsspiel des Gegners zu unterbrechen. Der zentrale Mittelfeldspieler bestritt sein insgesamt elftes WM-Spiel und zog mit Mathew Leckie als australischer Rekordspieler gleich.

Nur wenige Sekunden nach dem Seitenwechsel vergab Marmoush bei seiner ersten Großchance die Möglichkeit zum 2:0. Australien erhöhte daraufhin den Druck und kam in der 55. Minute zum Ausgleich – allerdings auf unglückliche Weise für Ägypten. Nach einem Freistoß von der linken Seite köpfte Mohamed Hany den Ball ins eigene Tor. Es war bereits sein zweites Eigentor bei diesem Turnier. Danach verflachte die Partie zusehends. Die Bedeutung des Spiels war beiden Teams anzumerken, kaum jemand wagte ein größeres Risiko. Das Geschehen spielte sich fast ausschließlich zwischen den Strafräumen ab.

Erst am Ende der regulären Spielzeit machte Ägypten noch einmal Druck. Ramy Rabia scheiterte in der dritten Minute der Nachspielzeit mit einem Kopfball am glänzend reagierenden australischen Keeper Patrick Beach. In der Verlängerung wirkte der zuvor angeschlagene Salah deutlich agiler. Er kam kurz nach dem Wiederanpfiff zu einer guten Chance, schoss den Ball jedoch weit über das Tor. Dennoch trieb der Offensivstar sein Team weiter an und war an mehreren guten Aktionen beteiligt.

Für das Elfmeterschießen hatte Australiens Trainer Tony Popovic kurz vor Ende der Verlängerung den erfahrenen Torhüter Mathew Ryan für den bis dahin starken Patrick Beach eingewechselt – eine Entscheidung, die sich nicht auszahlte. Während Ägypten alle seine vier Elfmeter verwandelte, vergaben die Australier zwei Versuche. Ägypten trifft im Achtelfinale nun auf den Sieger der Partie zwischen Argentinien mit Ausnahmekönner Lionel Messi und Außenseiter Kap Verde. Australien muss dagegen weiter auf den ersten K.-o.-Runden-Sieg bei Weltmeisterschaften warten.

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Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.