Wähler in Minnesota erinnern mit «I voted»-Stickern an tödliche ICE-Einsätze
Am Wahltag haben Menschen in Minnesota «I voted»-Sticker an Gedenkstätten für zwei in Minneapolis erschossene Männer angebracht. Gouverneur Tim Walz besuchte beide Stätten und kündigte Konsequenzen für die Verantwortlichen an.
Am Wahltag haben Menschen im US-Bundesstaat Minnesota an Gedenkstätten für zwei in Minneapolis erschossene Männer sogenannte «I voted»-Sticker hinterlassen. Die Aktion verbindet die Stimmabgabe bei den US-Zwischenwahlen zum Kongress mit der Erinnerung an die Opfer tödlicher Einsätze von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde ICE. Sie zeigt, wie stark die Empörung über das Vorgehen der Behörden die politische Stimmung im Land prägt.
Bei den Getöteten handelt es sich um Renee Good und Alex Pretti, beide 37 Jahre alt. Good wurde Anfang Januar in Minneapolis von einem ICE-Beamten erschossen. Pretti starb am 24. Januar 2026 durch Schüsse von Bundesbeamten in derselben Stadt. Beide Todesfälle lösten landesweit Empörung aus. Die Trump-Administration hatte im vergangenen Dezember tausende Bundesbeamte nach Minnesota entsandt. Bei den Einsätzen sollen die Beamten bewaffnet gewesen sein, einige trugen Masken, was Fragen nach Transparenz und Identifizierbarkeit aufwarf.
Die Regierung stellte die tödlichen Schüsse auf Good als Notwehr dar. Videoaufnahmen sollen dieser Darstellung widersprechen. Auch den Schüssen auf Pretti gab die Regierung den Charakter der Notwehr. Nach Aufnahmen, über die berichtet wurde, ging von Pretti jedoch keine erkennbare unmittelbare Gefahr für die Beamten aus. Die widersprüchlichen Darstellungen zwischen offizieller Version und Videomaterial bilden den Kern der Kritik an den Einsätzen.
Der lokale Sender KARE 11 berichtete, dass Menschen am Wahltag die Gedenkstätten für beide Getöteten besuchten und dort «I voted»-Sticker anbrachten. Trauernde sagten, die Sticker seien eine Ehrung für Pretti, der selbst nicht wählen konnte. Mit dieser Geste verbanden sie ihre eigene Stimmabgabe mit der Erinnerung an die Toten und mit der Forderung nach Aufklärung. Die Symbolik macht deutlich, dass die Debatte über die Einsätze nicht nur auf der Straße, sondern auch an der Wahlurne ausgetragen wird.
Der demokratische Gouverneur Tim Walz besuchte beide Gedenkstätten. Auf der Plattform X schrieb er: «We have not forgotten». Walz erklärte, die Verantwortlichen würden bald zur Rechenschaft gezogen. Mit seinem Besuch setzte sich der Gouverneur öffentlich an die Seite der Angehörigen und Trauernden. Zugleich verdeutlicht sein Auftritt, wie eng der Streit um die Einsätze der Bundesbehörden mit der Auseinandersetzung zwischen Landes- und Bundesregierung verknüpft ist.
Die Vorfälle in Minneapolis stehen exemplarisch für die Kontroverse um die verschärfte Abschiebepolitik der Regierung. Die Entsendung tausender Bundesbeamter in einen einzelnen Bundesstaat markierte eine ungewöhnliche Intensivierung der Einsätze. Dass der Wahltag für die Erinnerung an die Getöteten genutzt wurde, zeigt, dass das Thema die Wählerschaft unmittelbar bewegt, während die Frage nach Verantwortung für die Schüsse weiter offen bleibt.
Quelle: t-online.de
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