Der entlassene Parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Tino Sorge, hat Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) öffentlich scharf kritisiert. In einer auf der Plattform X verbreiteten Erklärung bemängelte Sorge, dass Merz seine Ablösung ohne vorheriges persönliches Gespräch zunächst in Parteigremien und vor der Presse bekannt gegeben habe. „Dass er sie – anstelle eines persönlichen Gesprächs mit mir – zuerst in Parteigremien und vor der Presse verkündet hat, bleibt seine eigene Stilfrage“, schrieb Sorge. Er nehme die Entscheidung zwar zur Kenntnis, zeigte sich aber deutlich verstimmt.

Sorge, der seit 2013 für Magdeburg im Bundestag sitzt und aus Thüringen stammt, äußerte die Hoffnung, dass die Personalentscheidung „einer übergeordneten Logik“ folge. Merz hatte die bisherige Staatsministerin für Sport und Kultur im Kanzleramt, Christiane Schenderlein, als neue Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium nominiert. Der Schritt ist Teil einer größeren Personalrochade, die der Kanzler und CDU-Chef in dieser Woche vornahm. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bewertete die Ablösung Sorges im Deutschlandfunk als „nicht unbedingt gut verlaufen“. Schulze steht im September vor einer Landtagswahl in seinem Bundesland, bei der er um seinen Posten kämpft.

In seiner Erklärung betonte Sorge, dass er seine Arbeit an der „zentralen Schaltstelle der Gesundheitspolitik gern fortgeführt hätte“. Er zählte zentrale Aufgaben seines Ressorts auf und wünschte dem neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann und dessen Team „alles erdenklich Gute und viel Erfolg“. Die scheidende Sport-Staatsministerin Schenderlein äußerte sich hingegen positiv über ihre neue Aufgabe. Sie bedankte sich bei Merz und betonte die „hervorragenden Anknüpfungspunkte“ zwischen ihrem bisherigen Ressort und dem Gesundheitsministerium, etwa die Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden oder die Zuständigkeit für die sportliche Bewegungsförderung.

Die Personalentscheidung fällt vor dem Hintergrund mehrerer anstehender Landtagswahlen, darunter in Sachsen-Anhalt im September. Sorge deutete in seiner Erklärung an, dass Merz die Entscheidung mit Bedacht getroffen haben müsse. „Angesichts der Ereignisse der letzten Tage und am Vorabend mehrerer Landtagswahlen wird der Bundeskanzler diese Entscheidung mit Bedacht getroffen haben“, schrieb er. Die öffentliche Kritik eines entlassenen Staatssekretärs am Kanzler ist ungewöhnlich und zeigt die angespannte Stimmung innerhalb der CDU-Führung. Sowohl in der Partei als auch in den betroffenen Bundesländern wird die Personalrochade unterschiedlich aufgenommen.

Sorge selbst hatte in den vergangenen Jahren als gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion profiliert. Seine Ablösung durch Schenderlein, die zuvor für Sport zuständig war, überraschte viele in der Partei. Beobachter werten den Schritt als Teil eines Versuchs von Merz, sein Kabinett neu aufzustellen und engere Verbindungen zwischen verschiedenen Politikfeldern zu schaffen. Ob die „übergeordnete Logik“, auf die Sorge hofft, tatsächlich erkennbar wird, bleibt abzuwarten. Die nächsten Wochen, insbesondere die Landtagswahlen, werden zeigen, ob die Rochade politisch aufgeht.