Republikaner verlieren Midterms deutlich und Trumps Einfluss schwindet
Bei den US-Zwischenwahlen erleiden die Republikaner eine schwere Niederlage. Politiker aus dem eigenen Lager wie JD Vance, Ron DeSantis und Ted Cruz gehen offen auf Distanz oder kritisieren das Ergebnis scharf. Ob es zu einem Aufstand gegen Donald Trump kommt, hängt nach Einschätzung von Beobachtern vor allem von seinen Umfragewerten ab.
Die Republikaner haben bei den US-Zwischenwahlen eine deutliche Niederlage erlitten, und der Einfluss von Donald Trump auf die Partei scheint zu schwinden. Mehrere prominente Parteimitglieder gehen inzwischen auf Distanz zu ihm, was die Frage aufwirft, ob sich im Lager des Präsidenten erstmals ernsthafterer Widerstand formiert. Lange Zeit stand die Partei weitgehend geschlossen hinter dem Präsidenten, weshalb die jüngsten Äußerungen aus den eigenen Reihen besonders auffallen.
Der Vizepräsident JD Vance machte den Krieg mit dem Iran für die Niederlage verantwortlich und grenzte sich damit öffentlich von Trump ab, indem er dies auf der Plattform X äußerte. Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, verglich das Ergebnis mit einem Meteoreinschlag, während der Senator Ted Cruz von einem «Blutbad» sprach. Solche drastischen Einschätzungen zeigen, wie tief der Schock in den Reihen der Partei sitzt.
Die Demokraten konnten Sitze im Senat und Gouverneursposten in republikanischen Hochburgen gewinnen. Besonders auffällig ist der Erfolg in Kansas, wo erstmals seit 94 Jahren wieder ein Demokrat in den Senat gewählt wurde. Nach Einschätzung der Demokraten liegt ihre Zahl an Senatssitzen nun bei etwa 54 bis 56. Das reicht nicht für die Schwelle von 60 Stimmen, die im Senat für viele Entscheidungen erforderlich ist, bleibt aber deutlich über früheren Erwartungen einer knappen Mehrheit für die Republikaner.
Der Politikwissenschaftler David Brady von der Stanford University erklärt, dass die Anhängerschaft der Bewegung «Make America Great Again» weiterhin etwa 40 bis 50 Prozent der Partei ausmache. Diese Basis bleibt damit ein erheblicher Machtfaktor, auch wenn die Führungsfiguren zunehmend Abstand suchen. Eine offene Auflehnung gegen Trump erwartet Brady jedoch nur dann, wenn seine Zustimmungswerte weiter sinken. Derzeit liegen sie in Umfragen bei rund 34 Prozent. Zudem hält Brady es für möglich, dass der Verlust von Vorwahlen, bei denen Trump seinen Einfluss geltend gemacht hatte, die Disziplin im Lager geschwächt hat und offene Kritik nun leichter fällt.
Über die Zukunft der Partei wird bereits spekuliert. Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich sieht Marco Rubio als Kandidaten für 2028 mit überwältigender Unterstützung. Berichten zufolge hatte Rubio einen Rücktritt erwogen, was sein Ministerium jedoch dementierte. Rubio selbst erklärte, er habe keine Pläne für 2028, über die er sprechen wolle, und hält sich damit bedeckt.
Auch im Pentagon gibt es Unruhe. Verteidigungsminister Pete Hegseth wird Berichten zufolge als möglicher Sündenbock für die Niederlage gehandelt. Der pensionierte General Ben Hodges beschreibt Trump als eine «lahme Ente», also als Präsidenten, dessen Macht zunehmend eingeschränkt ist. Hodges spricht zudem von chaotischen Zuständen in der Führung des Verteidigungsministeriums. Trump soll nach Berichten erklärt haben, dass er das Ergebnis akzeptiere, womit er die Niederlage vorerst nicht infrage stellt.
Ob die Republikaner tatsächlich den Aufstand proben, wird sich nach Einschätzung der Beobachter in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend dürfte sein, wie sich Trumps Zustimmung entwickelt und ob weitere Mandatsträger sich von seiner Linie lösen. Bis dahin bleibt die Lage in der Partei offen, zwischen loyaler Basis und wachsender Kritik aus den eigenen Reihen.
Quelle: handelsblatt.com
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