Putin nennt deutsche Sanktionen nach Drohnen-Vorfall von Leipzig „weiteren Fehler“
Russlands Präsident Putin hat die von Deutschland nach dem Drohnen-Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle verhängten Sanktionen als Fehler bezeichnet. Die Ukraine begrüßt die deutschen Maßnahmen, während Selenskyj vor Flügen über Russland warnt.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die von Deutschland nach dem Drohnen-Vorfall von Leipzig angekündigten Sanktionen scharf kritisiert. „Ich denke, dass das ein erneuter schwerer Fehler ist“, sagte Putin am Dienstag in einer von der russischen Nachrichtenagentur Tass übertragenen Pressekonferenz. Die Reaktion der Bundesregierung laufe „eindeutig den Interessen des deutschen Volkes zuwider“, behauptete der Kreml-Chef und fügte hinzu, das Vorgehen Berlins hänge mit den „bevorstehenden Wahlkämpfen“ zusammen.
Hintergrund ist der versuchte Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August. Die Bundesregierung macht Moskau offiziell für den Vorfall verantwortlich und hatte als Konsequenz unter anderem die Schließung des russischen Konsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin angekündigt. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe wegen der Tragweite des Vorgehens durchgehend eine zentrale Rolle bei der Zuordnung des Angriffs und der Festlegung der Gegenmaßnahmen gespielt. „Er hat dabei politischen Rahmen und Richtung vorgegeben.“
Die Ukraine hat die deutschen Vergeltungsmaßnahmen ausdrücklich begrüßt. „Ich begrüße die entschlossene Reaktion Deutschlands auf den russischen Angriff in Leipzig“, schrieb der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, auf der Plattform X. Kiew stehe in engem Austausch mit Berlin bei der Sicherung kritischer Infrastruktur vor Drohnen, einem koordinierten Vorgehen gegen die russische „Schattenflotte“ und weiteren Sanktionen gegen Russland.
Nach Informationen aus Regierungskreisen will die Bundesregierung als Reaktion auf den mutmaßlich russischen Anschlag nicht nur Sanktionen verhängen, sondern auch die militärische Hilfe für die Ukraine verstärken. Im September sollen weitere Luftabwehrraketen des Typs Iris-T sowie „zeitnah“ mehrere tausend Angriffsdrohnen geliefert werden. Zudem werde die Zusammenarbeit der Geheimdienste mit Kiew weiter ausgebaut. „Die Ukraine war in den letzten Monaten maßgeblich dank deutscher Hilfe militärisch sehr erfolgreich“, hieß es. Russland habe darauf keine strategische Antwort. „Der Strategieersatz für Moskau ist Eskalation, sowohl mit militärischen Schlägen in der Ukraine als auch durch verstärkte hybride Attacken. Wir müssen uns auf weitere, auch eskalierende hybride Angriffe Russlands einstellen.“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat unterdessen alle Fluggesellschaften vor Flügen über Russland gewarnt. „Der russische Luftraum wird vollkommen unsicher“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Die Ukraine drohe dabei jedoch nicht der zivilen Luftfahrt oder einzelnen Flugzeugen. „Es wird einfach so viele Drohnen im russischen Luftraum geben, dass man dies berücksichtigen muss“, erklärte der Staatschef. Der russische Luftraum werde „faktisch“ geschlossen. Erst vergangene Woche hatte er den Einsatz von bis zu 1.000 weitreichenden Drohnen täglich angedroht.
Selenskyj bestätigte dabei Medienberichte, wonach die USA für die vergangene Woche um eine Unterbrechung von Angriffen auf Moskau und St. Petersburg gebeten haben. CIA-Chef John Ratcliffe reiste in dieser Zeit unangekündigt nach Moskau. Zudem ersuchte ein weiterer Staat laut Selenskyj um eine Pause für Angriffe auf Wladiwostok. In der russischen Großstadt am Pazifik findet von Dienstag bis Freitag ein Wirtschaftsforum mit internationalen Gästen und einem Auftritt Putins statt. Ukrainische Angriffe sind in der über 6.000 Kilometer von der Ukraine entfernten Region des Fernen Ostens bisher nicht erfolgt.
Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Deutschland ist inzwischen der größte Einzelunterstützer des osteuropäischen Landes.
