Die iranischen Revolutionsgarden haben einen «Überraschungsangriff auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte» gestartet. Das teilte das US-Regionalkommando Centcom am Dienstagabend mit. Demnach feuerte Teheran mehrere ballistische Raketen vom Iran aus ab. Alle Geschosse seien jedoch erfolgreich abgefangen worden, so die US-Armee. Der Angriff sei vereitelt worden.

Dem Angriff vorausgegangen war eine mehrtägige Phase relativer Ruhe, nachdem es zuvor 13 Nächte lang gegenseitige Angriffe zwischen den USA und dem Iran gegeben hatte. US-Präsident Donald Trump hatte erst am Montag von einer «guten Chance» auf eine Verhandlungslösung mit Teheran gesprochen. Der erneute Raketenbeschuss untergräbt nun die vorsichtigen Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung.

Parallel zu dem iranischen Raketenangriff führten die USA gemeinsam mit Saudi-Arabien Angriffe gegen dem Iran nahestehende «Terroristen» im Irak durch. Wie das Centcom mitteilte, hätten amerikanische und saudische Kampfflugzeuge mehrere Logistik- und Waffenlager einer nicht näher benannten Gruppierung im Osten des Iraks angegriffen. Dies sei eine Reaktion auf mehr als 30 von den Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe innerhalb der vergangenen 72 Stunden gewesen. Die Angriffe auf US-Streitkräfte in Saudi-Arabien und auf die Energieinfrastruktur des Landes seien «erfolglos» gewesen.

Im Roten Meer hat die pro-iranische Huthi-Miliz aus dem Jemen einen saudischen Öltanker angegriffen. Die Miliz erklärte, der Tanker «NCC Ghazal» habe gegen eine von den Huthis verhängte Seeblockade für saudische Schiffe verstoßen. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und sei gezwungen gewesen umzukehren, nachdem mehrere Raketen abgefeuert worden seien. Die Huthis hatten in der vergangenen Woche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und seither mehrere Angriffe auf saudische Öltanker und Ölanlagen gemeldet. Saudi-Arabien reagierte mit Angriffen auf von den Huthis kontrollierte Gebiete im Jemen. Die erneuten Kämpfe drohen die seit 2022 bestehende, von der UNO vermittelte Waffenruhe zu kippen.

Unterdessen schlug der Iran eine Übergangslösung für die Straße von Hormus vor. Die Route in eine Richtung solle komplett und die Gegenroute teilweise durch iranische Gewässer verlaufen, sagte Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi. Einen omanischen Vorschlag zur gleichmäßigen Aufteilung lehnte Teheran ab. Sollte der Oman den Plan zurückweisen, bleibe die Meerenge geschlossen, drohte der Iran. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Öltransport.

In einem weiteren Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kritisierte Trump, dass Israel ohne die USA nicht überleben würde. Hintergrund ist ein Streit über den potenziellen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei. Netanjahu hatte versucht, Trump von dem Geschäft abzubringen, doch Trump machte deutlich: «Niemand sagt mir, was wir verkaufen sollen.» Netanjahu steht im israelischen Wahlkampf unter Druck und stellt die Türkei zunehmend als Sicherheitsrisiko dar.

Im Iran selbst wurden im Zuge einer Hinrichtungswelle zwei Männer im Zusammenhang mit den Protesten Anfang des Jahres exekutiert. Die iranische Propaganda veröffentlichte zudem ein Drohvideo, das sich gegen Melania und Barron Trump richtete. Die Revolutionsgarden bedrohten damit die Familie des US-Präsidenten.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen die anhaltende Spannung im Nahen Osten. Die USA und ihre Verbündeten bleiben in höchster Alarmbereitschaft, während der Iran weiterhin seine militärische Präsenz und seine Unterstützung für Milizen in der Region demonstriert. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Lage mit Sorge, insbesondere mit Blick auf den Schiffsverkehr im Roten Meer und in der Straße von Hormus.