Pakistanische Geheimdienste sehen zunehmend Indizien dafür, dass US-Präsident Donald Trump eine begrenzte Bodenoffensive gegen den Iran anordnen könnte. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen in Islamabad erfuhr, stützen sich die Einschätzungen auf militärische Beobachtungen. Demnach könnte Trump trotz Warnungen des eigenen Militärs versuchen, iranische Küstenregionen zu besetzen. Pakistan, das im Iran-Krieg als zentraler Vermittler zwischen Washington und Teheran agiert, hält eine solche Entwicklung für immer wahrscheinlicher.
Der Konflikt hatte Anfang Juli im Streit um die strategisch wichtige Straße von Hormus eine neue Eskalationsstufe erreicht, nachdem iranische Streitkräfte Schiffe in der Meerenge beschossen hatten. Das US-Militär bombardierte daraufhin zahlreiche Ziele an der iranischen Südküste. In den vergangenen drei Nächten pausierten die Kriegsparteien ihre Angriffe jedoch wieder, was an den Finanzmärkten Hoffnung auf eine diplomatische Lösung aufkommen ließ.
Die iranischen Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben in der Nacht sechs Schiffe in der Straße von Hormus gestoppt. Die Marine der Garden habe Warnschüsse abgefeuert, weil die Schiffe eine nicht genehmigte Route durch die Meerenge hätten nehmen wollen, meldete das iranische Staatsfernsehen. Daraufhin seien die Schiffe umgekehrt. Mit einem der Schiffe habe es einen nicht näher erläuterten Vorfall gegeben. Teheran versucht mit diesem Vorgehen, Schiffe zur Nutzung iranischer Gewässer und zur Zahlung für eine sichere Durchfahrt zu zwingen.
Die jüngsten US-Angriffe haben im Süden des Iran massive Schäden an der Wasserversorgung verursacht. Wie die iranische Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen Behördenvertreter der Provinz Hormusgan berichtete, wurden 18 Einrichtungen beschädigt, darunter Meerwasserentsalzungsanlagen. Zehn Anlagen seien bei den Luftangriffen vollständig zerstört worden. Bereits zu Beginn der Eskalation Anfang Juli sei eine Entsalzungsanlage auf der Insel Gheschm außer Betrieb gesetzt worden, wodurch die Wasserversorgung für rund 120.000 Menschen beeinträchtigt wurde.
Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen weitete den Konflikt auf das Rote Meer aus. Sie reklamierte Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen in den Städten Dschisan und Janbu für sich. Ziel seien sensible Punkte für die Versorgung und den Transport von Rohöl gewesen. Saudi-Arabien meldete seinerseits, mehrere Drohnen abgefangen und zerstört zu haben. Die Angriffe seien von iranisch unterstützten terroristischen Milizen vom irakischen Staatsgebiet aus verübt worden. Das saudische Außenministerium forderte die irakische Regierung auf, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um zu verhindern, dass irakisches Staatsgebiet als Ausgangspunkt für Angriffe genutzt werde.
Die Huthi-Angriffe haben den Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab dramatisch einbrechen lassen. Nach Angaben des Analysehauses Kpler durchquerten am Sonntag nur elf Handelsschiffe die Meerenge an der Küste des Jemen – der niedrigste Stand seit Monaten. Auch der Verkehr durch die Straße von Hormus blieb am Wochenende gering. Die Huthis wollen die saudischen Exporte blockieren und weiten damit den Konflikt zwischen den USA und dem Iran aus, der bereits die Öllieferungen durch die Straße von Hormus beeinträchtigt hat.
Angesichts der zweitägigen Pause der US-Angriffe und der Hoffnung auf neue Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sind die Ölpreise zu Beginn des asiatischen Handels am Montag um mehr als fünf Prozent gefallen. Händler werteten die Feuerpause als Zeichen einer möglichen Entspannung. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Referenzsorte Brent gab deutlich nach. Die Entwicklung bleibt angesichts der angespannten Lage in der Region jedoch fragil.



