Bolsonaro wirft Lula Wahlbetrug vor und will aus den USA opponieren
Nach seiner Wahlniederlage ist Flávio Bolsonaro in die USA gereist und will von dort aus die brasilianische Opposition anführen. Er spricht von einem »abscheulichen Wahlbetrug« und attackiert die Justiz.
Nach seiner Wahlniederlage will der rechte Politiker Flávio Bolsonaro die Opposition in Brasilien aus den Vereinigten Staaten heraus anführen. Drei Tage nach der Wahl landete er im US-Bundesstaat Florida, obwohl gegen ihn wegen Geldwäsche-Ermittlungen ein Ausreiseverbot bestand. Von dort aus warf er dem siegreichen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva einen »abscheulichen Wahlbetrug« vor.
In einem offenen Brief an rund 220 Millionen Landsleute, den er auf der Plattform X veröffentlichte, wies Bolsonaro den Vorwurf der Flucht zurück. »Ich bin nicht aus Brasilien geflohen«, schrieb er. Er habe das Land im Interesse Brasiliens verlassen, um sich einem Ausnahmezustand zu entziehen und der Anführer sein zu können, den sein Volk verdiene. In einer ersten Fassung hatte sich der 45-jährige Senator noch als »wahren« und »gewählten Präsidenten« bezeichnet. Kurz darauf zog er diese Formulierung zurück und nannte sich nur noch »Anführer« Brasiliens. Die ursprüngliche Wortwahl hätte ihm womöglich Probleme mit der Justiz eingebracht.
Bolsonaro bezeichnete die gegen ihn laufenden Verfahren als »politisch motivierte Hexenjagd«. Als Beispiel für einen Politiker, der fernab der Heimat für sein Land kämpfen musste, nannte er Charles de Gaulle, der während des Zweiten Weltkriegs von London aus die Bewegung »Freies Frankreich« führte. Mit Blick auf die 27-jährige Haftstrafe seines Vaters Jair Bolsonaro, der wegen eines versuchten Putsches verurteilt wurde und derzeit unter Hausarrest steht, erklärte er, er hätte im Falle einer Inhaftierung oder Zensur diese Führungsrolle nicht übernehmen können. Den Sieg Lulas bezeichnete er als unrechtmäßig und nur mit Hilfe eines korrupten Justizsystems zustande gekommen.
Vor seiner Ausreise hatte Bolsonaro einer Anordnung des Obersten Gerichts nicht entsprochen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben, obwohl er dies zunächst öffentlich zugesagt hatte. Argentinischen Behördenangaben zufolge reiste er auf dem Landweg nach Argentinien, flog von dort nach Ecuador und setzte seine Reise anschließend nach Miami fort. Bolsonaro dankte dem argentinischen Präsidenten Javier Milei, der ihm die Ausreise über Argentinien ermöglicht haben soll, sowie US-Präsident Donald Trump für die Unterstützung.
Politische Rückendeckung hatte Bolsonaro bereits unmittelbar nach der Wahl von Trump erhalten, der das Ergebnis ebenfalls als »manipuliert« bezeichnete. Seine Partei hat Lulas Wahlsieg zwar anerkannt, jedoch nur unter Vorbehalt, und fordert eine Klärung offener Fragen zum Wahlprozess. Gegen Bolsonaros Bruder Eduardo, der bereits seit längerem in den USA lebt, liegt ein Haftbefehl der brasilianischen Behörden vor. Flávio Bolsonaro steht nach Justizangaben im Visier der Strafvollzugsbehörden, weil er sich im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten der Geldwäsche schuldig gemacht haben soll. Sein Mandat als Senator, das ihn wegen der Immunitätsregeln vor einer Festnahme schützt, läuft am 31. Januar 2027 aus.
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