Fed lässt Leitzins unverändert und deutet weitere Erhöhung an
Die US-Notenbank Fed belässt den Leitzins nach der ersten Erhöhung seit Jahren bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh signalisiert, dass im Dezember eine weitere Straffung möglich ist, da die Inflation weiterhin über dem Zielwert liegt.
Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins nach ihrer ersten Erhöhung seit mehr als drei Jahren vorerst nicht verändert. Die Zinsspanne bleibt bei 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Zentralbankrat in Washington mitteilte. Eine große Mehrheit der Volkswirte hatte mit dieser Zinspause gerechnet, die Entscheidung als solche wurde jedoch erst auf der anschließenden Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh bekanntgegeben, der damit zugleich deutlich machte, dass eine weitere Straffung der Geldpolitik nicht ausgeschlossen ist.
Mitte September hatte die Fed erstmals seit Juli 2023 den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Warsh begründete den Schritt damit, dass er eine schnellere Rückkehr zum Inflationsziel von zwei Prozent unterstütze. Die Teuerungsrate lag zuletzt allerdings fast doppelt so hoch: Die Verbraucherpreise stiegen im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent und näherten sich damit dem höchsten Stand seit über drei Jahren an. Vor allem die Kosten für Energie trieben die Preisentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft an, nachdem sich wichtige Rohstoffe wie Erdöl infolge des Iran-Kriegs in den vergangenen Wochen deutlich verteuert hatten. Auch der Boom rund um Künstliche Intelligenz und solide Konsumausgaben heizen die Inflation weiter an.
Im Dezember steht nun die letzte Zinsentscheidung des Jahres an, und an den Märkten wird erwartet, dass die Fed die Geldpolitik dann tatsächlich weiter strafft. Warsh sagte dazu auf der Pressekonferenz: „Es liegt in unserer Verantwortung, die Inflation zu senken“, und betonte, dass die Teuerungsrate seit sechs Jahren über dem Zielwert der Fed liege. Das Abstimmungsmuster zeigt die Bereitschaft zu einer Anhebung: Eine Mehrheit von zehn stimmberechtigten Mitgliedern votierte für eine Zinspause, während zwei für eine Erhöhung um 25 Basispunkte stimmten. Bereits zuvor hatten 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr für angemessen gehalten, vier von ihnen konnten sich sogar eine noch weitreichendere Straffung vorstellen.
Zugleich kündigte Warsh an, die Kommunikation der Notenbank grundlegend zu überarbeiten. Ab 2027 soll es weniger Sitzungen mit Zinsentscheidungen geben: Eine Sitzung im Jahr 2027 werde sich ausschließlich mit der allgemeinen geldpolitischen Strategie befassen, ohne Abstimmung über den Leitzins oder geldpolitische Erklärung. Warsh argumentierte, dass weniger Signale der Notenbank dem Gremium ein reineres Bild der Wirtschaft verschafften, während zu viele Hinweise zu Verzerrungen führten. Neue Projektionen sollen mit der Dezember-Sitzung veröffentlicht werden.
Ökonomen sehen die Lage gemischt. Der DWS-Chefvolkswirt für die USA, Christian Scherrmann, sagte, weder Inflation noch Beschäftigung lieferten den Notenbankern ein klares Signal. Das Beschäftigungswachstum hat sich zuletzt deutlich verlangsamt. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, verwies zudem auf die anstehenden US-Parlamentswahlen: Eine Zinsanhebung hätte als Signal gegen Präsident Donald Trump verstanden werden können. Warsh wies einen möglichen Einfluss zurück: „Ich habe nichts davon gehört und glaube auch nicht, dass es Einfluss auf die Entscheidung hatte.“
Eine Zinssenkung, wie Trump sie seit Langem fordert, halten Experten dagegen für unrealistisch, da sie sich mit den aktuellen Wirtschaftsindikatoren nicht begründen lasse. Trump hatte zuletzt verlangt, der Leitzins solle „bei einem Prozent oder darunter liegen“. Die Fed versucht mit ihren Entscheidungen, einen Ausgleich zwischen stabilen Preisen und möglichst hoher Beschäftigung zu finden. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen und bremsen damit die Ausgaben und die Wirtschaft, während niedrigere Zinsen Wachstum und Arbeitsmarkt stimulieren, aber die Inflation anheizen können.
Warsh, der seit seinem Amtsantritt im Mai im Amt ist, hatte mit der Zinserhöhung im September zwei Gruppen von Kritikern besänftigt: Einige Experten hatten bis dahin konkrete Schritte gegen die Inflation vermisst, andere hatten ihm eine zu große Nähe zu Trump nachgesagt. Die Europäische Zentralbank dürfte bei ihrer Sitzung am Donnerstag dagegen trotz hoher Inflation die Zinsen nicht anheben. Volkswirte rechnen damit, dass der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bei 2,5 Prozent verbleibt.
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