Der frühere Bürgermeister der Metropolregion Greater Manchester, Andy Burnham, steht unmittelbar vor der Ernennung zum britischen Premierminister. Der Labour-Politiker, der erst Ende Juni über eine Nachwahl im nordenglischen Wahlkreis Makerfield ins Unterhaus eingezogen war, hat sich im parteiinternen Verfahren um die Nachfolge von Keir Starmer eine uneinholbare Mehrheit gesichert. Nach Angaben der Partei erhielt Burnham bis zum Montagnachmittag die Unterstützung von 349 der 403 Labour-Abgeordneten. Damit ist es für jeden anderen potenziellen Kandidaten unmöglich, die erforderlichen 81 Stimmen für einen Einstieg in das Führungsrennen zu erreichen.

Die Frist für Nominierungen zur Nachfolge Starmers endet am Donnerstag. Sollte Burnham, wie allgemein erwartet, am Freitag zum neuen Labour-Vorsitzenden gekürt werden, könnte er bereits drei Tage später das Amt des Premierministers übernehmen. Der Machtwechsel in Downing Street wäre damit innerhalb weniger Tage vollzogen. Starmer hatte angesichts des schwindenden Rückhalts in der eigenen Partei im Juni seinen Rücktritt angekündigt, nachdem Labour bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai eine schwere Niederlage hatte hinnehmen müssen.

Burnhams Aufstieg an die Spitze von Partei und Regierung ist bemerkenswert: Der 54-Jährige war zuvor drei Mal in Folge zum Bürgermeister von Greater Manchester gewählt worden, was ihm den Spitznamen «König des Nordens» eingebracht hatte. Um für das Amt des Parteichefs kandidieren zu können, zog er Ende Juni als Abgeordneter für den nordenglischen Wahlkreis Makerfield ins Parlament ein. Seine Popularität im Norden Englands, wo die Labour-Partei traditionell stark ist, gilt als einer der Gründe für seine breite Unterstützung in der Fraktion.

Starmer war 2024 mit einem Erdrutschsieg der Labour-Partei ins Amt des Premierministers gekommen, hatte jedoch schnell an Zustimmung verloren. Die Partei verlor bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai zahlreiche Sitze, was den Druck auf Starmer erhöhte. Sein Rücktritt im Juni leitete das Verfahren zur Nachfolge ein, das nun mit Burnham als klarem Favoriten endet. Die Labour-Partei hofft, mit Burnham an der Spitze das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen, insbesondere in den traditionellen Hochburgen im Norden Englands.

Burnhams politische Karriere begann bereits unter der Regierung von Tony Blair, in der er als Staatssekretär im Gesundheitsministerium diente. Später war er unter Gordon Brown Gesundheitsminister. Nach der Wahlniederlage der Labour-Partei 2010 blieb er im Schattenkabinett und kandidierte mehrfach erfolglos für den Parteivorsitz. Sein Wechsel ins Amt des Bürgermeisters von Greater Manchester im Jahr 2017 erwies sich als Glücksgriff: In dieser Position baute er sich eine unabhängige Machtbasis auf und profilierte sich als scharfer Kritiker der konservativen Regierungspolitik, insbesondere während der Corona-Pandemie.

Die bevorstehende Ernennung Burnhams zum Premierminister markiert einen bedeutenden politischen Wechsel in Großbritannien. Nach Jahren der Turbulenzen unter den Konservativen und der kurzen Amtszeit Starmers steht nun ein erfahrener Kommunalpolitiker an der Spitze, der sich als Brückenbauer zwischen den Regionen und der Hauptstadt versteht. Beobachter erwarten, dass Burnham den Fokus seiner Regierung auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft und die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen legen wird, insbesondere im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich.

Die formelle Ernennung durch König Charles III. wird für Anfang nächster Woche erwartet. Burnham würde dann als erster Premierminister aus der Region Greater Manchester in die Geschichte eingehen. Seine Regierung steht vor großen Herausforderungen, darunter die wirtschaftliche Erholung nach der Inflation, die Reform des Gesundheitswesens und die Neuausrichtung der britischen Außenpolitik nach dem Brexit. Die Labour-Partei und ihre Anhänger setzen große Hoffnungen in den neuen Führungsstil Burnhams, der als bodenständig und direkt gilt.