Heftige Waldbrände haben in der Stadt Spokane im Nordwesten der USA schwere Verwüstungen angerichtet und Tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Nach Angaben der Behörden vom Sonntag wurden im Gebiet der rund 230.000 Einwohner zählenden Stadt im Bundesstaat Washington Hunderte Gebäude und zahlreiche Fahrzeuge zerstört. Mindestens 600 Gebäude gelten nach örtlichen Medienberichten als zerstört oder beschädigt. Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN wurden bis zum Sonntagmorgen mindestens 2180 Hektar Fläche zerstört.
In und um Spokane wüteten insgesamt drei Brände. In manchen Vierteln blieben von den Häusern nur noch die Schornsteine übrig, wie Aufnahmen des örtlichen Fernsehsenders KXLY im Onlinedienst X zeigten. Über der Stadt lag dichter Rauch, Einwohner flohen in langen Autoschlangen. Bürgermeisterin Lisa Brown sagte, es sei noch unklar, ob es auch Todesopfer gebe. Sheriff John Nowels erklärte, bislang seien weder Tote noch Verletzte gemeldet worden. Er warnte jedoch, angesichts des Ausmaßes der Brände und der schwierigen Überprüfungen während aktiver Feuer «könnte sich das ändern». Die Behörden verwiesen zudem darauf, dass die genaue Schadenserfassung in den betroffenen Gebieten wegen der aktiven Brände nur eingeschränkt möglich sei.
Die Bewohnerin Tena Risley beschrieb, wie sie Flammen hinter den Bäumen in der Nähe ihres Hauses sah und in Panik geriet. Sie packte ihren Hund und einige Dinge und floh mit dem Auto. Der Verkehr habe sich jedoch gestaut. «Da waren wahrscheinlich hunderte und aberhunderte Autos», sagte sie. Für mehrere nördliche Stadtteile war am Samstag die höchste Evakuierungswarnstufe ausgerufen worden, verbunden mit dem Aufruf «Sofort verlassen». Für die Evakuierten wurde im Kongresszentrum von Spokane eine Notunterkunft eingerichtet.
Der Gouverneur von Washington, Bob Ferguson, rief angesichts einer der schwersten Waldbrandsaisons seit Beginn der Aufzeichnungen den Notstand aus. Im gesamten Bundesstaat Washington brannten nach Angaben des Gouverneursbüros 15 Feuer. Washington erlebt zudem das vierte Dürrejahr in Folge – so viele hintereinander wie noch nie. «Unsere Rekorddürre und die starken Winde schaffen im gesamten Bundesstaat gefährliche Bedingungen», erklärte Ferguson. Bis Ende September sind die meisten offenen Feuer und das Verbrennen landwirtschaftlicher Abfälle untersagt.
Die Nationalgarde des Bundesstaats kündigte an, Einsatzkräfte «mit Hochdruck» zur Unterstützung der Stadt zu mobilisieren. Generalmajor Gent Welsh sagte bei einer Pressekonferenz mit Blick auf die erwarteten Schäden: «Wenn die Sonne untergeht und wieder aufgeht, werden wir schockiert sein.» Der Nationale Wetterdienst hatte für den Osten Washingtons wegen der extremen Brandgefahr zuvor eine Warnung vor einer «besonders gefährlichen Lage» ausgegeben. Dave Upthegrove, der für die öffentlichen Ländereien zuständige Behördenleiter, erklärte: «Dieses Jahr gehört schon jetzt zu den arbeitsreichsten Waldbrandjahren seit Beginn der Aufzeichnungen – und der August hat gerade erst begonnen.»



