Samstag, 19. September 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Nachrichten

Richterbund meldet Rekord bei unerledigten Strafverfahren

Bei den Staatsanwaltschaften in Deutschland stapeln sich erstmals mehr als 1,1 Millionen unbearbeitete Strafverfahren. Der Richterbund warnt vor einer wachsenden Überlastung der Strafverfolgung und fordert konsequentes Gegensteuern der Landesregierungen.

Richterbund meldet Rekord bei unerledigten Strafverfahren
Laut Richterbund: Mehr als 1,1 Millionen unerledigte Strafverfahren stapeln sich

Bei den Staatsanwaltschaften in Deutschland sind erstmals mehr als 1,1 Millionen Strafverfahren unbearbeitet geblieben. Wie der Deutsche Richterbund mitteilt, erreichte der Bestand offener Fälle zum Ende des ersten Halbjahres 2026 einen neuen Höchststand. Im Vergleich zum 30. Juni 2025 bedeutet das einen Anstieg um 13 Prozent. «Den Strafverfolgern steht die Verfahrensflut bis zum Hals», sagte Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes.

Die Zahl der neu eingehenden Verfahren wächst weiter. Im ersten Halbjahr 2026 gingen bundesweit mehr als 2,7 Millionen neue Fälle bei den Staatsanwaltschaften ein, rund 52.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit zeichnet sich ab, dass die Gesamtzahl der Eingänge für das laufende Jahr deutlich über fünf Millionen liegen wird. Der Richterbund rechnet mit einer neuen Höchstmarke. Die Entwicklung kennt seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Zum Jahresende 2020 waren bundesweit noch 709.367 offene Strafverfahren registriert.

Die Belastung der Behörden ist regional sehr unterschiedlich. Mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz melden alle Bundesländer zusätzliche unbearbeitete Fälle. Besonders stark fiel der Anstieg in Schleswig-Holstein aus, wo die Zahl der offenen Verfahren zwischen Juni 2025 und Juni 2026 um gut 43 Prozent zunahm. In Mecklenburg-Vorpommern stieg sie um knapp 40 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Umfrage der «Deutschen Richterzeitung» bei den Justizverwaltungen der Länder. Berücksichtigt wurden nur Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte.

Angesichts der Rekordeingangszahlen und der wachsenden Aktenbestände fordert der Richterbund die Landesregierungen zu konsequentem Gegensteuern auf. Zwar gibt es in einigen Ländern Neueinstellungen in der Justiz. «Die Verfahrenszahlen der Staatsanwaltschaften wachsen aber deutlich schneller als die Stellenzahl, so dass die Überlastung in vielen Behörden anhält», sagte Rebehn. Die Diskrepanz zwischen steigender Arbeitslast und personeller Ausstattung bleibt damit ein zentrales Problem der Strafverfolgung.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen eine Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet. Während die Zahl der Verfahren kontinuierlich zunimmt, hinkt die personelle Verstärkung der Justizbehörden hinterher. Für die betroffenen Staatsanwaltschaften bedeutet das eine dauerhafte Mehrbelastung, die sich auch auf die Bearbeitungsdauer einzelner Verfahren auswirken kann. Der Richterbund sieht in der Entwicklung ein strukturelles Problem, das nicht allein durch punktuelle Neueinstellungen zu lösen ist. Die Forderung nach einer nachhaltigen Stärkung der Justiz steht im Raum, während die Fallzahlen weiter steigen.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.