Norwegens König Harald V. mit 89 Jahren gestorben
Norwegens König Harald V. ist im Alter von 89 Jahren in Oslo gestorben. Der Monarch galt als bescheiden und volksnah, kämpfte zuletzt jedoch immer wieder mit Krankheiten.
Norwegens König Harald V. ist tot. Der Monarch starb am Freitagmorgen im Alter von 89 Jahren in Oslo, wie das norwegische Königshaus mitteilte. Harald V. galt über Jahrzehnte als bescheidener und warmherziger Repräsentant seines Landes, der trotz mehrerer Skandale in der Königsfamilie die Zuneigung der Norweger nicht verlor. Zuletzt hatte er immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.
Harald V. war keiner, der große Reden schwang. Er selbst sah das Sprechen vor dem Volk nie als seine Stärke an. Dennoch gelang es ihm immer wieder, in entscheidenden Momenten die richtigen Worte zu finden. Ein Höhepunkt war seine Rede zum 25. Thronjubiläum im Jahr 2016, als er sagte: „Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, und Jungen, die Jungen lieben. Norweger glauben an Gott, Allah, an alles und nichts.“ Die ungewöhnliche Ansprache löste weltweit Begeisterung aus und wurde von Zeitungen in vielen Ländern abgedruckt. Der König selbst zeigte sich von den Reaktionen überrascht. „Ich wollte doch nur beschreiben, wie wir sind“, erklärte er später in Gesprächen mit dem Journalisten Harald Stanghelle, die in dem Buch „Kongen forteller“ („Der König erzählt“) veröffentlicht wurden.
Seine Bescheidenheit prägte auch seinen Umgang mit moderner Technik. Harald weigerte sich lange, ein Mobiltelefon zu besitzen. Erst 2020, als die Corona-Pandemie die Welt lahmlegte, schaffte er sich im Alter von 83 Jahren sein erstes Handy an. Der Monarch entwickelte sich seit seiner Thronübernahme 1991 stetig weiter, ohne dabei seine Wurzeln zu verleugnen.
Seine Kindheit war von Flucht und Exil geprägt. Prinz Harald war drei Jahre alt, als die Nationalsozialisten im April 1940 in Norwegen einmarschierten. Seine Mutter Kronprinzessin Märtha floh mit den Kindern nach Schweden und später in die USA. Der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt kümmerte sich persönlich um die Familie und lud sie oft ins Weiße Haus ein. „Für mich war Roosevelt eine Art Großvater“, erinnerte sich Harald später. In den USA lernte er schwimmen und lief mit den Wachen um die Wette. Nach Kriegsende kehrte der Achtjährige in ein ihm fremd gewordenes Norwegen zurück, fand aber schnell wieder Anschluss. Seine Leidenschaft gehörte der Natur und dem Sport, besonders dem Segeln, das er sogar auf olympischem Niveau betrieb.
Ein einschneidendes Erlebnis war seine Liebe zu Sonja Haraldsen, einer Kaufmannstochter bürgerlicher Herkunft. Mit 22 Jahren löste der Kronprinz damit einen Skandal aus, der fast ein Jahrzehnt andauerte. Sein Vater König Olav lehnte die Beziehung strikt ab, das Paar musste sich heimlich treffen. „Ich tat ja etwas Gesetzeswidriges, in Anführungsstrichen“, sagte Harald rückblickend. Erst als er seinem Vater drohte, entweder Sonja zu heiraten oder ledig zu bleiben, gab Olav nach. Im März 1968 wurde die Verlobung bekanntgegeben, im August heiratete das Paar. Diese Erfahrung machte das Königspaar später tolerant gegenüber der Partnerwahl der eigenen Kinder, etwa als Kronprinz Haakon die bürgerliche Mette-Marit heiratete oder Prinzessin Märtha Louise sich mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett einließ.
Nach dem Tod seines Vaters am 17. Januar 1991 wurde Harald vier Tage später im Nidarosdom in Trondheim zum König gekrönt. Seine Aufgaben waren überwiegend repräsentativ, auch wenn in Norwegen kein Gesetz ohne die Unterschrift des Königs in Kraft tritt. Einmal pro Woche berichtet die Regierung im Schloss. Das Königspaar reiste stetig durch das Land und hielt engen Kontakt zur Bevölkerung. Harald war ein Monarch zum Anfassen, was einer der Gründe für seine große Beliebtheit war. Seinen lockeren Humor behielt er zeit seines Lebens.
Der Zusammenhalt der Familie war ihm stets wichtig. Nach Bekanntwerden von Vorwürfen gegen Marius Borg Høiby, den ältesten Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, sagte Harald bei einem Bankett: „Das Königshaus ist ein Team, das gut zusammenarbeitet. Außerdem sind wir eine Familie - mit den Freuden und Herausforderungen, die, wie wir alle wissen, dazugehören können.“ Zuletzt hatte die Familie mit mehreren Belastungen zu kämpfen, darunter die Freundschaft von Mette-Marit zu dem Sexualverbrecher Jeffrey Epstein und die Verurteilung von Marius Borg Høiby zu vier Jahren Haft, unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht.
Einen schweren Tag erlebte der König am 22. Juli 2011, als der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik im Regierungsviertel in Oslo eine Bombe zündete und anschließend auf der Insel Utøya ein Massaker anrichtete. Harald fand in dieser Krise die Worte, die das Land brauchte: „Freiheit ist stärker als Furcht.“
