Mindestens 27 Tote bei russischem Drohnenangriff nahe Kiew
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Logistikzentrum nahe Kiew sind mindestens 27 Menschen getötet worden. Die Opferzahl könnte noch steigen, teilte der örtliche Gouverneur mit. Präsident Selenskyj sprach von erheblichen Schäden an Wohnhäusern und einem Seniorenheim.
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Logistikzentrum in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach Angaben des örtlichen Gouverneurs mindestens 27 Menschen getötet worden. Die Opferzahl könne noch steigen, sagte Gouverneur Tymur Tkatschenko am Samstag nach dem Angriff am Vorabend. Der Angriff ereignete sich am Freitagabend in dem Dorf Myla im Bezirk Butscha, wo in der Folge ein Feuer ausbrach und es mehrere Explosionen gab.
Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb bei Telegram von erheblichen Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser sowie ein Senioren- und Behindertenheim seien beschädigt worden. Zudem seien Dutzende Menschen bei dem Angriff um kurz nach 20 Uhr Ortszeit verletzt worden. Einer der Toten ist demnach der Vorsteher der Gemeinde Dmytriwka, Taras Didytsch, der sofort zum Unglücksort geeilt sei. Mehr als 300 Rettungskräfte seien im Einsatz, im Umkreis des Ortes wurden fast 400 Menschen evakuiert.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde bei dem Angriff ein Unternehmensgelände getroffen. Selenskyj nannte keine Details, schrieb aber: „Es gibt Vorschriften: Munition darf es nicht neben Häusern und anderen Wohngebäuden geben.“ Er verwies auf eingeleitete Strafverfahren. Bereits in der Nacht hatte die Staatsanwaltschaft über Ermittlungen wegen „dienstlicher Fahrlässigkeit“ und einen russischen Drohnenschlag informiert. Nach russischen Angaben war ein Munitionslager das Ziel des Angriffs.
Die Hauptverbindungsstrecke von Kiew Richtung Westen musste in der Folge auf einem mehrere Kilometer langen Abschnitt für die Lösch- und Rettungsarbeiten komplett gesperrt werden. In sozialen Netzwerken zeigen Videos ein Feuer und Explosionen in der Abenddämmerung. Regierungschef Serhij Korezkyj verwies auf einen ähnlichen Vorfall Anfang Juli am südwestlichen Stadtrand von Kiew. „Im fünften Kriegsjahr werden ein und dieselben Fehler begangen – das ist kriminelle Fahrlässigkeit“, schrieb er auf Telegram. Nach offiziellen Angaben starben im Juli mindestens neun Menschen.
Der Angriff ereignete sich nur wenige Wochen nach dem ähnlichen Vorfall im Juli, bei dem ebenfalls ein Munitionslager in der Nähe von Kiew getroffen worden war. Die wiederholten Vorfälle werfen Fragen zur Einhaltung von Sicherheitsvorschriften bei der Lagerung von Munition in Wohngebieten auf. Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion, und die Region um Kiew bleibt trotz der Verteidigungsbemühungen immer wieder Ziel russischer Angriffe.
