Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Arbeit der schwarz-roten Koalition in seiner ersten Sommerpressekonferenz als positiv bewertet, aber zugleich betont, dass die Regierung noch nicht am Ziel sei. Vor der parlamentarischen Sommerpause zog der Kanzler ein gemischtes Fazit: Die Koalition habe Tritt gefasst, doch es gebe weiterhin erheblichen Reformbedarf. Merz verwies auf jüngste Entscheidungen und geplante Vorhaben, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden sollen.

Besonders deutlich wurde Merz bei der Kritik an der italienischen Großbank Unicredit, die sich jüngst bei der Commerzbank eingekauft hatte. Der Kanzler bezeichnete das Vorgehen des Instituts als aggressiv und machte deutlich, dass die Bundesregierung die Entwicklung kritisch beobachte. Man werde die Interessen des deutschen Finanzmarktes und der Beschäftigten wahren, so Merz. Die Übernahmeversuche der Unicredit hatten in den vergangenen Wochen für politische Diskussionen gesorgt, da sie als möglicher Einstieg in eine feindliche Übernahme gewertet wurden.

In seiner rund einstündigen Rede vor Journalisten in Berlin ging Merz auch auf die Reform der Schuldenbremse ein. Er zeigte sich skeptisch, ob eine grundlegende Änderung der Verfassungsnorm in dieser Legislaturperiode realistisch sei. Die Koalition habe sich zwar auf eine Reform verständigt, doch die Umsetzung gestalte sich schwierig. Ähnlich äußerte sich der Kanzler zur Pflegereform: Hier seien zwar Fortschritte erzielt worden, doch die langfristige Finanzierung bleibe eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre.

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz war die politische Lage mit Blick auf die AfD. Merz warnte vor einer weiteren Radikalisierung der Partei und rief die demokratischen Kräfte zu Geschlossenheit auf. Die AfD sei eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und die Regierung werde alles tun, um extremistischen Tendenzen entgegenzutreten. Zugleich räumte Merz ein, dass die Unzufriedenheit vieler Bürger mit der Politik ein Nährboden für den Erfolg der AfD sei. Die Koalition müsse daher nicht nur politische Entscheidungen treffen, sondern auch besser kommunizieren.

Auf die Frage nach einer möglichen zweiten Amtszeit reagierte Merz zurückhaltend. Er sei voll und ganz auf die aktuelle Legislaturperiode konzentriert und wolle keine Spekulationen über die Zeit nach 2029 anstellen. Die Arbeit in der Regierung sei anspruchsvoll, und es gelte, die gesteckten Ziele zu erreichen. Eine erneute Kandidatur sei derzeit kein Thema, so der Kanzler.

Die Sommerpressekonferenz des Bundeskanzlers hat in Deutschland eine lange Tradition. Sie dient traditionell dazu, vor der parlamentarischen Sommerpause eine Bilanz der Regierungsarbeit zu ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Monate zu geben. Merz nutzte die Gelegenheit, um die Erfolge der Koalition hervorzuheben, darunter die Verabschiedung des Haushalts und die Einleitung von Strukturreformen. Gleichzeitig warnte er vor überzogenen Erwartungen: Die Koalition stehe erst am Anfang eines langen Weges.

Insgesamt zeigte sich Merz entspannt und souverän, wie Beobachter anmerkten. Er beantwortete Fragen zu einer Vielzahl von Themen, von der Wirtschaftspolitik über die Energieversorgung bis hin zur Digitalisierung. Die Pressekonferenz gilt als wichtiges Signal für die Handlungsfähigkeit der Regierung, die in den vergangenen Monaten immer wieder mit internen Spannungen zu kämpfen hatte. Merz bemühte sich, Geschlossenheit zu demonstrieren und die Richtung der Koalition zu betonen.

Kritiker warfen dem Kanzler jedoch vor, zu wenig konkrete Lösungen für drängende Probleme wie die Inflation, die Wohnungsnot oder die marode Infrastruktur präsentiert zu haben. Merz entgegnete, dass viele Maßnahmen bereits auf den Weg gebracht seien, aber Zeit bräuchten, um zu wirken. Die Bürger müssten Geduld haben, appellierte der Kanzler. Die Koalition arbeite mit Hochdruck daran, die Lebensverhältnisse im Land zu verbessern.

Die Sommerpause beginnt offiziell in der kommenden Woche. Der Bundestag wird sich erst im September wieder zu regulären Sitzungen treffen. Bis dahin will die Regierung die Zeit nutzen, um weitere Gesetzesvorhaben vorzubereiten. Merz kündigte an, dass es in den kommenden Wochen intensive Beratungen zur Rentenreform und zur Modernisierung der Verwaltung geben werde. Die Koalition sei auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel, wiederholte der Kanzler abschließend.