Die Nachricht von einer möglichen Einflussnahme des US-Präsidenten Donald Trump auf die FIFA hat international für Empörung gesorgt. Vor allem europäische Medien reagierten mit scharfer Kritik auf die Berichte, wonach Trump persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino interveniert haben soll, um eine Sperre des US-amerikanischen Fußballspielers Folarin Balogun aufheben zu lassen. Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf das Verhältnis zwischen politischer Macht und internationalem Sport.

Im Zentrum der Kritik steht die Rolle Infantinos, der von mehreren Kommentatoren als unterwürfige Marionette Trumps bezeichnet wird. Die spanische Zeitung «El País» titelte: «Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Infantino». Ähnlich äußerten sich Medien aus Frankreich, Italien und Deutschland. Sie sehen in dem Vorgang einen gefährlichen Präzedenzfall, bei dem ein Staatschef die Unabhängigkeit eines Sportverbandes untergräbt.

Der Fall Balogun hatte bereits zuvor für Schlagzeilen gesorgt. Der Stürmer, der für die US-Nationalmannschaft spielt, war von der FIFA wegen eines umstrittenen Vergehens gesperrt worden. Nachdem Trump öffentlich Kritik an der Sperre geübt hatte, soll Infantino persönlich eingeschritten sein, um die Strafe zu überprüfen. Die FIFA selbst bestritt eine direkte Einflussnahme, doch die zeitlichen Abläufe und die öffentlichen Äußerungen Trumps nähren den Verdacht.

Die internationale Empörung richtet sich nicht nur gegen Trump, sondern auch gegen Infantino, der immer wieder in die Kritik geraten ist, weil er die FIFA zu eng an politische Machthaber binde. Der Schweizer Sportfunktionär, der 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt wurde, steht seit Jahren im Fokus von Korruptionsvorwürfen und Vetternwirtschaft. Die jüngsten Enthüllungen verstärken den Eindruck, dass die FIFA unter seiner Führung ihre Glaubwürdigkeit verloren hat.

Die US-Regierung wies die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, Trump habe lediglich seine Meinung zu einem sportlichen Thema geäußert, was ihm als Bürger zustehe. Die FIFA betonte, dass alle Entscheidungen auf der Grundlage von Regeln und ohne äußeren Druck getroffen würden. Dennoch bleibt der Vorwurf im Raum stehen, dass die Grenzen zwischen Politik und Sport zunehmend verschwimmen.

Der Fall Balogun ist nicht der erste, bei dem Trump versucht hat, Einfluss auf Sportorganisationen zu nehmen. Bereits in der Vergangenheit hatte er sich in die Vergabe von Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 eingemischt, die in den USA, Kanada und Mexiko stattfinden wird. Kritiker befürchten, dass die USA ihre wirtschaftliche und politische Macht nutzen, um Entscheidungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Die europäischen Medien fordern nun eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge. Die britische Zeitung «The Guardian» schrieb, die FIFA müsse ihre Unabhängigkeit beweisen, sonst drohe ein weiterer Vertrauensverlust. Die französische «Le Monde» sprach von einem «Skandal, der die Integrität des Fußballs untergräbt». In Deutschland forderte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine transparente Aufklärung.

Die Diskussion um den Fall Balogun kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die FIFA ohnehin unter Druck steht. Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar war von Menschenrechtsverstößen überschattet, und die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien sorgt für weitere Kritik. Infantino, der sich selbst als Reformer präsentiert, sieht sich zunehmend mit dem Vorwurf konfrontiert, die FIFA zu einem Instrument politischer Interessen zu machen.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die FIFA auf die internationale Kritik reagiert. Bislang hat der Verband keine konkreten Schritte angekündigt, um die Vorwürfe zu untersuchen. Sollte sich der Verdacht einer politischen Einflussnahme bestätigen, könnte dies weitreichende Konsequenzen für das Verhältnis zwischen Sport und Politik haben.

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Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.