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Dobrindt: Organisierte Kriminalität bietet zunehmend «Gewalt als Dienstleistung» an

Das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2025 zeigt einen deutlichen Anstieg von Gewaltdelikten, Ermittlungsverfahren und Waffenfunden. Innenminister Dobrindt warnt vor einem wachsenden Servicecharakter der Bandenkriminalität, bei dem Täter über soziale Medien rekrutiert werden.

Dobrindt: Organisierte Kriminalität bietet zunehmend «Gewalt als Dienstleistung» an
Lagebild organisierte Kriminalität: Dobrindt berichtet von zunehmender »Gewalt als Dienstleistung«

Die organisierte Kriminalität in Deutschland hat nach Einschätzung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt einen zunehmenden Servicecharakter. Bei der Vorstellung des Bundeslagebildes Organisierte Kriminalität (OK) für das Jahr 2025 wies der CSU-Politiker darauf hin, dass Gewalttaten immer häufiger wie eine Dienstleistung bestellt und von eigens dafür rekrutierten Tätern ausgeführt werden. «Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu», beschrieb Dobrindt das Prinzip, bei dem Auftraggeber und ausführende Person einander oft überhaupt nicht begegnen.

Das vom Bundeskriminalamt (BKA) erstellte Lagebild belegt eine deutlich gestiegene Gewaltbereitschaft krimineller Gruppierungen. Für das vergangene Jahr werden 20 vollendete Tötungsdelikte im OK-Bereich aufgeführt, im Vorjahr waren es 13. Die Zahl der vollendeten Körperverletzungen stieg von 77 auf 100 Fälle. In 31 Ermittlungsverfahren ging es primär um Gewaltkriminalität, nach elf entsprechenden Komplexen im Vorjahr. Als Beispiel für die Brutalität nennt das BKA eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024, die auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen ist.

Ein vergleichsweise neues Phänomen ist die Anwerbung von Tätern über soziale Medien. Nach Angaben des BKA entwickele sich diese Form der Rekrutierung «sehr dynamisch», weshalb ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig sei. Unter den angeheuerten Tätern seien teils sogar 13-Jährige. Die Auftraggeber und die Ausführenden begegnen sich dabei häufig nicht persönlich, was die Ermittlungen erschwert.

Zum dritten Mal in Folge ist der Anteil der bewaffneten Tatverdächtigen im OK-Bereich gestiegen. Er lag 2025 bei 5,8 Prozent. In 30,3 Prozent der von Bund und Ländern gemeldeten OK-Verfahren stieß die Polizei auf bewaffnete Tatverdächtige, nach 28,4 Prozent im Vorjahr. Drei Viertel der insgesamt 556 im OK-Kontext aufgefundenen Waffen waren illegal. Die erhöhte Verfügbarkeit von Schusswaffen hängt den Angaben zufolge auch mit Fälschungen zusammen, die vor allem aus der Türkei nach Deutschland geschmuggelt werden, unter anderem nach Berlin. Die oft täuschend echten Nachbauten sind funktionstüchtig, weisen jedoch in der Regel technische Mängel auf.

Die Zahl der Ermittlungsverfahren zu OK-Gruppierungen stieg 2025 auf 683 und damit auf den höchsten Stand seit 2021. Die Zahl der Tatverdächtigen wuchs um mehr als 13 Prozent auf den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre. Unter den 7.988 ermittelten Personen waren 2.722 deutsche Staatsbürger, 664 mit türkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit.

Rauschgiftkriminalität machte im Berichtsjahr erneut den mit Abstand größten Teil der OK-Ermittlungsverfahren aus, gefolgt von Kriminalität im Kontext des Wirtschaftslebens, Steuer- und Zolldelikten, Schleuserkriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche. Mit 2.150 registrierten Drogentoten lag die Zahl der Todesfälle durch Rauschgift in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Ein Anstieg war laut Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität bei den Todesfällen im Zusammenhang mit dem Verkauf über das Internet zu verzeichnen.

Das BKA weist zudem auf eine veränderte Selbstdarstellung krimineller Akteure hin. Während Abschottung lange ein Kennzeichen der organisierten Kriminalität war, inszenieren insbesondere jüngere Täter – die sogenannte «Gen-Z-Mafia» – Macht, Status und Gewalt zunehmend in den sozialen Medien. Diese öffentliche Zurschaustellung erschwert die verdeckte Ermittlungsarbeit und trägt zugleich zur Rekrutierung neuer Täter bei.

Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.