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Brandanschlag auf Münchner Baustelle: LKA vermutet Anschlagsversuch auf Rüstungsunternehmen

Nach einer Brandattacke auf eine Baustelle in München vermutet das Bayerische Landeskriminalamt einen Anschlagsversuch gegen ein Rüstungsunternehmen. Zwei bulgarische Staatsangehörige wurden festgenommen. Die Ermittler gehen von einem politischen Hintergrund aus.

Brandanschlag auf Münchner Baustelle: LKA vermutet Anschlagsversuch auf Rüstungsunternehmen
Mutmaßlicher Anschlagsversuch: Zwei Bulgaren unter Verdacht

Nach einer Brandattacke auf eine Baustelle in München vermutet das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) einen Anschlagsversuch gegen ein Unternehmen aus dem Rüstungsbereich. Es werde wegen eines politischen Hintergrunds ermittelt, sagte ein Sprecher des LKA. Deswegen habe das LKA die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Um welches Unternehmen es sich konkret handelt, ließ der Sprecher offen.

Mehrere Brandsätze waren in der Nacht auf die Baustelle geworfen worden, in deren unmittelbarer Nähe sich mehrere Rüstungsunternehmen befinden. Welchem Unternehmen der Anschlagsversuch galt, ist nach LKA-Angaben Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Mindestens einer der Brandsätze habe ein Feuer ausgelöst, das von Polizisten gelöscht wurde. Größerer Schaden sei nicht entstanden, sagte ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Ein weiterer Brandsatz musste von Spezialkräften entschärft werden.

Die Brandsätze sollen gegen Mitternacht aus einem Auto geworfen worden sein. Ein Zeuge beobachtete den Vorfall und alarmierte die Polizei. Nach einer Fahndung nahmen Einsatzkräfte an einer Tankstelle eine 28-Jährige und einen 38-Jährigen fest. Bei den beiden handelt es sich nach LKA-Angaben um bulgarische Staatsangehörige. Sie hätten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ob sie mit der Tat in Verbindung stehen, werde nun ermittelt. Zunächst hatte der Bayerische Rundfunk über den Fall berichtet.

Die Gefährdungslage für deutsche Rüstungsunternehmen hat sich nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden im Laufe der vergangenen vier Jahre erhöht. Da Deutschland die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges politisch und militärisch unterstützt und sich mit Blick auf eine etwaige Bedrohung von Nato-Staaten durch Russland auch selbst aufrüstet, ist die Branche zunehmend Ziel hybrider Angriffe sowie von Aktionen linker beziehungsweise linksextremistischer Gruppen.

Bereits im Juli hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) aufgrund aktueller Erkenntnisse Mitarbeiter von Rüstungsunternehmen zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen. „Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass entsprechende Unternehmen das Ziel von Ausspähungs- und Sabotagehandlungen durch russische staatliche Stellen oder in deren Auftrag werden“, hieß es in einem Sicherheitshinweis für die Wirtschaft. Abhängig vom weiteren Kriegsverlauf in der Ukraine seien selbst gezielte Angriffe gegen einzelne Mitarbeiter – besonders der Leitungsebene – nicht auszuschließen.

Deutschland ist inzwischen der wichtigste Unterstützer der Ukraine. So wird bereits Rheinmetall-Chef Armin Papperger von der Polizei besonders geschützt. Laut einem Bericht des US-Senders CNN sollen US-Geheimdienste Anfang 2024 Mordpläne der russischen Regierung gegen ihn aufgedeckt haben; der Kreml dementierte. Um die Dringlichkeit seines Hinweises zu untermauern, führt der Verfassungsschutz unter anderem die Veröffentlichung einer Liste des russischen Verteidigungsministeriums an, auf der 21 europäische Unternehmen genannt werden, denen vorgeworfen wird, mit der Herstellung und Lieferung von Drohnen für die Ukraine in Verbindung zu stehen.

In seinem Hinweis zur „Sicherheits- und Verteidigungsbranche als Zielfläche“ weist der Verfassungsschutz jedoch auch auf Störaktionen hin, die mit Russland nichts zu tun haben. So sieht die Behörde die Möglichkeit weiterer Aktionen mit dem Ziel, Rüstungsexporte nach Israel zu verhindern, sowie ein „besonders hohes linksextremistisches Mobilisierungspotenzial durch Antimilitarismus“. Ob der Ukraine-Krieg auch im Fall des Münchner Anschlagsversuchs der Hintergrund sein könnte, war zunächst unklar.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.