Lawrow kündigt Schließung der Goethe-Institute in Russland an
Russland reagiert auf deutsche Sanktionen nach dem Drohnenvorfall bei Leipzig und kündigt die Schließung der Goethe-Institute an. Außenminister Lawrow nannte die deutschen Vorwürfe unbegründet.
Russland wird die Goethe-Institute im Land schließen. Das kündigte Außenminister Sergej Lawrow beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok an. Als Grund nannte er die von der Bundesregierung angekündigte Schließung des Russischen Hauses in Berlin. „Natürlich werden sie geschlossen, nachdem unser Kulturzentrum von dort vertrieben wurde“, sagte Lawrow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.
Die Bundesregierung hatte die Schließung des Russland-Hauses als Reaktion auf den Fund einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle angekündigt. Berlin macht Moskau für den versuchten Angriff von Anfang August verantwortlich. Russland weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Außenministerium in Moskau sprach von „völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfen“ und warf der deutschen Führung „offene Provokation“ vor, um die bilateralen Beziehungen zu untergraben.
Das Goethe-Institut unterhält in Russland neben der Hauptstelle in Moskau auch Einrichtungen in St. Petersburg und Jekaterinburg. Es organisiert vor allem Sprachkurse und kulturellen Austausch. Lawrow betonte, Deutschland nehme bewusst in Kauf, dass der Schritt gegen das Russische Haus „eindeutig das Ende seiner kulturellen Präsenz in der Russischen Föderation bedeutet“. Trotz aller Spannungen wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine habe das Institut bislang weiterarbeiten können, sagte der Minister.
Das Goethe-Institut gehört zu den letzten in Russland noch tätigen deutschen Einrichtungen. Moskau hatte in den vergangenen Jahren massenhaft Stiftungen und Organisationen für unerwünscht erklärt und dadurch mit einem Tätigkeitsverbot belegt. Die nun angekündigte Schließung betrifft eine der wenigen verbliebenen Brücken des kulturellen Austauschs zwischen beiden Ländern.
Am Vortag hatte das russische Außenministerium den Geschäftsträger der Deutschen Botschaft in Moskau einbestellt, um gegen die deutschen Sanktionen zu protestieren. Die Einbestellung sei wegen der „antirussischen Handlungen“ und der Äußerungen der deutschen Führung erfolgt, teilte das Ministerium mit. Zugleich drohte Moskau: „Auf die Handlungen der deutschen Regierung wird eine harte Antwort folgen.“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johann Wadephul (CDU), hatten Russland für den Drohnenvorfall verantwortlich gemacht und Strafmaßnahmen angekündigt. Wadephul sagte, dass etwa das russische Konsulat in Bonn geschlossen werden solle. Russland hat weitere Gegenmaßnahmen angedeutet. Als denkbar gilt unter anderem die Schließung des Generalkonsulats in St. Petersburg. Bereits in der Vergangenheit hatten beide Seiten im Zuge von Sanktionen wechselseitig Konsulate geschlossen.
