Dienstag, 29. September 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Gesellschaft

Invasive Ameisen-Superkolonie bedroht Stadtteil in Süddeutschland

Die Große Drüsenameise Tapinoma magnum breitet sich in Deutschland rasant aus. In Süddeutschland unterhöhlt eine Superkolonie einen ganzen Stadtteil, Bewohner leiden unter psychischen Belastungen und erste Anwohner geben auf.

Invasive Ameisen-Superkolonie bedroht Stadtteil in Süddeutschland
Unter dieser deutschen Stadt wütet eine Ameisen-Superkolonie – und macht Menschen depressiv

Eine invasive Ameisenart breitet sich in Deutschland immer schneller aus und hat in einem süddeutschen Stadtteil eine Superkolonie gebildet, die ganze Straßenzüge unterhöhlt. Die Große Drüsenameise, wissenschaftlich Tapinoma magnum, dringt in Häuser ein, besiedelt Gärten und macht den betroffenen Anwohnern das Leben schwer. Der Kampf gegen die Tiere erscheint inzwischen so aussichtslos, dass erste Bewohner kapitulieren und ihre Häuser aufgeben.

Die Superkolonie ist kein örtlich begrenztes Phänomen, sondern Teil einer rasanten Ausbreitung der Art in Deutschland. Anders als heimische Ameisen bildet Tapinoma magnum sogenannte Superkolonien: Zahlreiche Nester sind miteinander verbunden, die Tiere erkennen sich gegenseitig nicht als fremd an und arbeiten über weite Strecken zusammen. Dadurch entstehen Populationen mit einer schier unerschöpflichen Zahl an Individuen, die sich nur schwer eindämmen lassen. Fachleute sprechen von einem Kampf, der kaum noch zu gewinnen ist.

Für die Bewohner des betroffenen Viertels bedeutet das eine erhebliche Belastung. Die Ameisen dringen in Wohnungen ein, verunreinigen Lebensmittel und besiedeln Innenräume. Der ständige Befall führt bei vielen Betroffenen zu Stress, Schlafproblemen und einer wachsenden Verzweiflung. Einige Anwohner berichten von depressiven Verstimmungen, weil sie sich gegen die Tiere machtlos fühlen. Wer die Kolonie unter dem eigenen Haus weiß, sieht sich mit einem Gegner konfrontiert, der sich nicht einfach beseitigen lässt.

Die Bekämpfung gestaltet sich schwierig, weil herkömmliche Mittel gegen die vernetzte Struktur der Superkolonie oft wirkungslos bleiben. Einzelne Nester können zwar behandelt werden, doch die Verbindungen zwischen den Teilstaaten sorgen dafür, dass die Population sich rasch erholt. Fachleute raten daher zu einem koordinierten Vorgehen über ganze Straßenzüge hinweg, doch die Abstimmung zwischen Behörden, Eigentümern und Anwohnern ist aufwendig und langwierig. In dem betroffenen Stadtteil hat sich die Lage inzwischen so zugespitzt, dass erste Bewohner aufgeben und wegziehen wollen.

Das Beispiel steht für ein größeres Problem: Gebietsfremde Arten finden in Deutschland zunehmend Bedingungen vor, die ihre Ausbreitung begünstigen. Tapinoma magnum stammt ursprünglich aus wärmeren Regionen und profitiert von milden Wintern sowie von der Wärme, die Städte und Gebäude abgeben. In dicht bebauten Gebieten entstehen so Rückzugsräume, in denen die Tiere überleben und sich weiter vermehren können. Was zunächst wie ein lokales Ärgernis wirkt, entwickelt sich damit zu einer dauerhaften Belastung für ganze Wohnquartiere.

Für die betroffenen Menschen geht es längst nicht mehr nur um lästige Insekten. Der Befall greift in den Alltag ein, verändert das Wohnen und belastet die psychische Gesundheit. Wer seine Wohnung nicht mehr ungestört nutzen kann, verliert ein Stück Lebensqualität. Die Superkolonie unter dem Stadtteil macht deutlich, wie eng Fragen des Artenschutzes, der Stadtentwicklung und der öffentlichen Gesundheit miteinander verknüpft sind. Ob und wie die Ausbreitung gestoppt werden kann, ist derzeit offen. Sicher ist nur, dass die Anwohner auf absehbare Zeit mit den Tieren leben müssen.

7Aufrufe

Henrik Falkenberg

Autor

Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.