40 Jahre «Kir Royal»: Franz Xaver Kroetz über sein Leben als Baby Schimmerlos
Vor 40 Jahren startete «Kir Royal» im Fernsehen. Franz Xaver Kroetz, der den Klatschreporter Baby Schimmerlos spielte, blickt auf eine Rolle zurück, die sein Leben prägte – und spricht über Gesundheit, seinen Ruf in der Branche und sein Vermächtnis.
Vor 40 Jahren lief die erste Folge der Fernsehserie «Kir Royal» – und machte den Theaterschauspieler Franz Xaver Kroetz unverhofft zum Serienstar. Am 22. September 1986 brauste er als Klatschreporter Baby Schimmerlos in einem weißen Porsche 911 erstmals durch München und in die Fernsehgeschichte. Die Serie von Helmut Dietl wurde nach anfänglicher Zurückhaltung zur Kultproduktion, die bis heute viele Menschen in Bayern und darüber hinaus mitsprechen können.
Für Kroetz selbst war die Rolle weit mehr als ein Engagement. «Für Senta Berger war die Serie eine Arbeit von vielen. Für mich war sie ein Schicksal», sagte er in einem Interview. Der heute 80-Jährige hadert bisweilen mit der Tatsache, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung stark auf diese eine Figur reduziert wird. «Wenn man so wenig macht wie ich, fällt es negativ auf einen zurück, dass man nur mit dieser einen Rolle identifiziert wird», so Kroetz. Dabei habe er fast 70 Stücke geschrieben, vorzugsweise sozialkritische Stoffe im Dialekt.
Geboren wurde Franz Xaver Kroetz am 25. Februar 1946 in München als Sohn eines Steueramtmanns und einer österreichischen Mutter. Die Wirtschaftsoberschule brach er mit 15 ab, die Schauspielschule später ebenfalls. Er fuhr Lastwagen, arbeitete in der Großmarkthalle und kurzzeitig als Pfleger in einer Nervenheilanstalt. Diese Erfahrungen prägten sein späteres Schaffen als Dramatiker. Mit den einfachen Leuten könne er sich bis heute besser identifizieren als mit der «besseren» Gesellschaft, betonte er mehrfach. «Popularität ist mir wurscht», sagte er. «Ich gehe ganz normal bei Edeka einkaufen.»
Der Erfolg von «Kir Royal» brachte jedoch eine Zeit intensiver öffentlicher Aufmerksamkeit mit sich. Ende der 1980er Jahre, als die Serie zur Kultproduktion reifte, konnte Kroetz zeitweise nicht ungestört auf die Wiesn gehen oder S-Bahn fahren. «Ich konnte auch nicht S-Bahn fahren, weil es immer einen gab, der durch den ganzen Wagen brüllte: 'Ja, des gibt's doch gar nicht, da steht der Baby!'», erinnerte er sich. Dass er damals scherzte, er hätte den Rufer «höchstens niederschlagen können», sagt auch etwas über seinen Ruf als sperriger Charakter aus.
In der Branche gilt Kroetz als schwierig. «Ich gelte als Troublemaker, als sperrig, als kompliziert. Mich tut man sich nur an, wenn's wirklich sein muss», sagte er. Er selbst hält diesen Ruf für unberechtigt. «Gut, ich bin auch a bissl cholerisch, ich krieg mal nen Wutanfall. Aber der geht auch wieder vorbei.» Sein Fazit: «Heute nimmt man Leute, die funktionieren. Ich will nicht funktionieren. Mein Auto soll funktionieren, ich bin aber kein Auto.»
Nach einer Schreibblockade beendete Kroetz sein umfangreiches Werk als Volkstheater-Neuerer. Seither verfasst er Tagebücher und Gedichte, zuletzt überraschte er mit einer neuen Version des «Brandner Kaspar» für das Münchner Residenztheater. Mit der Architektin Juliane lebte er knapp zehn Jahre nicht mehr zusammen; die Trennung erfolgte freundschaftlich. Die Beziehung zu seiner Ex-Frau Marie Theres Relin ist hingegen ausgezeichnet. «Wir haben drei Kinder und eine Enkeltochter. Da gibt es schon eine Verbindung», sagte Relin der «SZ».
Wie es dem 80-Jährigen heute geht, beschreibt er selbst schwankend. «An manchen Tagen habe ich das Gefühl, es könnte zu Ende gehen», sagte er der «Süddeutschen». «Wenn der Tod jetzt anklopfen würde und würde sagen, 'Franze, geh ma', dann tät ich sagen: 'Ja, gehen wir, ich bin heilfroh, dass du da bist.'» An anderen Tagen fühle er sich noch wie 50. «Dann würd' ich sagen: 'Du spinnst wohl, ich bleib' noch da.'»
Was von ihm bleiben wird, darüber hat Kroetz klare Vorstellungen: «Ich bin relativ sicher, dass ein paar meiner Stücke noch recht lange gespielt werden. 50 bis 100 Jahre nach meinem Tod. Möglicherweise noch länger.» Und natürlich «Kir Royal». Dass er heute vor allem mit dieser Rolle verbunden wird, sieht er mit gemischten Gefühlen – Klagen auf Legenden-Niveau.
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