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Fränkische Winzer erwägen Oliven und Mandeln statt Reben

Die Hauptweinlese in Franken beginnt immer früher. Steigende Kosten, sinkender Absatz und der Klimawandel setzen die Weinwirtschaft unter Druck. Experten denken über neue Kulturen wie Oliven- und Mandelbäume für brachliegende Flächen nach.

Fränkische Winzer erwägen Oliven und Mandeln statt Reben
Lese für den neuen Jahrgang: Umplanen im Winzerland – Oliven statt Wein?

Für die etwa 3.400 Winzer in Franken hat die Hauptweinlese begonnen – und sie startet in diesem Jahr erneut deutlich früher als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Entwicklung ist seit Jahren absehbar: Von der Blüte bis zur Lese vergingen im Mittel von 1971 bis 2000 etwa 102 Tage, in den vergangenen 25 Jahren waren es im Schnitt nur noch 96 Tage. „Wir sind jetzt an die vier Wochen früher dran“, sagt Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim.

Die frühere Reife hat direkte Folgen für die Qualität des Weins. Der Säuregehalt sinkt, während der Zuckeranteil in den Beeren zunimmt, erklärt Heßdörfer. Mehr Zucker bedeute mehr Alkohol – ein Trend, den die Winzer angesichts der Nachfrage nach leichteren Weinen unbedingt verhindern wollen. Fehlt Säure, sei der Traubensaft zudem anfälliger für Fehlgärungen, bei denen Hefen oder Bakterien störende Nebenprodukte erzeugen. Eine frühe Ernte nicht vollständig ausgereifter Trauben bedeutet aber auch weniger Aroma.

Die Weinwirtschaft kämpft derzeit mit mehreren Problemen gleichzeitig. Zum einen wird in Deutschland weniger Alkohol getrunken, und nur vier von zehn bundesweit geleerten Weinflaschen stammen aus heimischer Produktion. Zum anderen steigen die Kosten kontinuierlich, etwa für Mindestlohn oder Sprit. „Wir haben in den letzten Jahren über 30 Prozent mehr an Produktionskosten“, berichtet Heßdörfer – der Weinpreis sei aber nahezu konstant geblieben. Immer mehr Betriebe geben deshalb Flächen auf, andere planen um.

Nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands werden im Weinanbaugebiet Franken im Schnitt jährlich rund 400.000 Hektoliter Wein erzeugt. Die Anbaufläche erstreckt sich etwa von Bamberg bis Aschaffenburg. Im vergangenen Jahr wurden 380.771 Hektoliter Wein registriert, was rund 38 Millionen Litern oder etwas mehr als 50 Millionen Weinflaschen entspricht. Bei knapp 56 Prozent der bayerischen Weinerzeugung handelt es sich um Qualitätswein mit Prädikat. Derzeit sind laut Verband 5.924 Hektar im Ertrag, 176 Hektar weniger als im Vorjahr.

Der Klimawandel stellt die Winzer vor zusätzliche Herausforderungen. „Je nach Lage befinden sich teils Junganlagen und nachgepflanzte Reben trotz Bewässerung in kritischem Zustand“, berichtet Verbandssprecher Michael Zehnder. Ältere Reben wurzelten tiefer und kämen mit Dürre besser zurecht. Die warme und trockene Witterung habe aber auch positive Seiten: Pilzerkrankungen seien in vielen Beständen bislang gering, die Trauben häufig gesund. Die Beeren seien zwar klein, hätten aber im Verhältnis zum Saft einen höheren Anteil an Schale, was zu einer höheren Konzentration von Aromen beitragen könne.

Rebsorten wie Bacchus und Müller-Thurgau reifen sehr früh und werden nach Einschätzung von Experten wahrscheinlich ersetzt werden müssen. Der Silvaner, das Aushängeschild der fränkischen Winzer, ist zwar resilienter, braucht aber ausreichend Wasser. Über kurz oder lang werden die Winzer wohl nicht darum herumkommen, wärmeliebendere Reben wie Chardonnay oder Burgunder-Sorten zu pflanzen, sagt Heßdörfer. „Das muss natürlich dann auch marktangepasst vonstattengehen.“

Auf den brachliegenden Flächen machen sich Fachleute an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim seit Jahren Gedanken über Alternativen. Eine Idee: Oliven- und Mandelbäume. „Es gibt frosttolerantere Oliven-Sorten“, sagt Heßdörfer. Bis der ein oder andere Winzer allerdings Bäume statt Reben pflanzen wird, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Denkbar sei auch, in Australien wachsende Silvaner-Reben zu nutzen, die trockenheits- und hitzeresistenter seien.

Besonders Steillagen bereiten den Betrieben Probleme. „Insbesondere Steillagen, die mit vielen Stunden Handarbeit bewirtschaftet werden, sind für Weinbaubetriebe oftmals nicht mehr wirtschaftlich und werden gegen Flächen, die mit vermehrtem Maschineneinsatz bewirtschaftet werden können, eingetauscht“, erläutert Zehnder. Die Folge sind viele hellbraune Areale zwischen saftig-grünen Reben. Das ist auch für den Tourismus relevant: „Wir verdienen mit dem Weintourismus rund das 15-Fache wie mit dem Weinverkauf“, berichtet Heßdörfer. „Und da gilt es natürlich jetzt aufzupassen, dass wir einen strukturierten, marktangepassten Rückzug des Weinbaus haben, nicht Wildwest.“

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.