Smart Glasses sorgen in Thüringer Bädern und Clubs für Ärger
In Thüringen wächst das Problembewusstsein für Smart Glasses mit versteckten Kameras. Bäder und Veranstaltungsorte reagieren mit Verboten und Hausverboten, doch die Kontrolle bleibt schwierig.
Immer häufiger sorgen Smart Glasses mit kaum sichtbaren Kameras in Thüringer Bädern, Saunen und Veranstaltungsorten für Konflikte. Wie das Sport- und Gesundheitsbad Tabbs in Bad Tabarz berichtet, filmte ein Badegast kürzlich den Freibadbereich mit einer sogenannten Meta-Brille und teilte die Aufnahmen auf einer Social-Media-Plattform. Der Vorfall erlangte viral große Reichweite. Nur weil der Gast Einsicht zeigte und die Inhalte nach Kontaktaufnahme durch das Bad löschte, sah man von einer Anzeige ab.
„Ein Badegast filmte kürzlich den Freibadbereich mit einer sogenannten Meta-Brille“, sagte Wiebke Göring vom Kur- und Reiseverkehr Bad Tabarz. Der Stammgast habe die Aufnahmen geteilt und damit einen viralen Erfolg erzielt. Generell seien wegen unerlaubter Aufnahmen im Bad- oder Saunabereich schon mehrfach Hausverbote ausgesprochen worden. Der Studentenclub Rosenkeller in Jena hat als Konsequenz Smart Glasses seit Anfang September in seine Hausordnung aufgenommen und verbietet sie, um die Privatsphäre der Gäste zu schützen. Eine Sprecherin erklärte, seit dieser Entscheidung stünden viele andere Veranstalter aus Jena wegen des Themas mit dem Club in Kontakt.
In anderen Einrichtungen wie den Jenaer Bädern, den Bädern der Stadtwerke Erfurt, in Schmölln und Nordhausen sind bislang keine vergleichbaren Vorfälle bekannt. Die Betreiber beobachten die Entwicklung jedoch mit großem Interesse. „Der Schutz und die Sicherheit unserer Gäste stehen für uns selbstverständlich an erster Stelle“, sagte Martin Fromm vom Arbeitskreis Thüringer Bäder. „Sollte sich das Thema künftig auch in Thüringen stärker entwickeln, werden wir die Situation aufmerksam beobachten und uns entsprechend damit auseinandersetzen.“
Die Erfahrungen aus dem Rosenkeller und Bad Tabarz zeigen, wie schwierig es ist, solche Vorfälle zu unterbinden. Smart Glasses sind nur schwer von herkömmlichen Brillen zu unterscheiden. Oft verrät nur ein kleines Licht während einer Aufnahme das Gerät, wie die Stiftung Datenschutz erläutert. Bei einigen Modellen lässt sich dieses Licht inzwischen sogar abschalten. Zudem werden in immer mehr Alltagsprodukten wie Halsketten kaum sichtbare Bild- und Tonaufnahmegeräte verbaut.
Bislang gilt die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern und Gästen als wichtigstes Gegenmittel. Ungewöhnliche Bewegungen oder Verhaltensmuster können illegale Filmemacher entlarven. Während das in der relativ überschaubaren Sauna noch vergleichsweise einfach ist, gestaltet sich die Kontrolle in einem weitläufigen Freibadbereich deutlich schwieriger, heißt es aus Bad Tabarz. Das neue Problem bedeutet auch eine zusätzliche Belastung für das Personal. „Die eigentliche Aufgabe unserer Rettungsschwimmer und Fachangestellten sollte es sein, die Gäste, insbesondere mit Kindern, in den Schwimmbecken zu beaufsichtigen“, so Göring. Dass nun ein Teil der Aufmerksamkeit auf Gäste gelenkt werden müsse, die mit technischen Geräten im Badebereich hantierten, stelle die Einrichtungen vor neue Herausforderungen. „Wir merken, dass wir an dieser Stelle einen Wandel der Zeit erleben.“
Rechtlich ist die Aufnahme von Personen, die nicht zum engen Freundes- und Familienkreis gehören, laut Stiftung Datenschutz bis auf seltene Ausnahmen nicht zulässig. Die gemeinnützigen Organisationen „Zentrum für Digitalrechte und Demokratie“ und HateAid haben bereits Petitionen für Vertriebsverbote von Smart Glasses gestartet. HateAid reichte zudem eine Strafanzeige gegen den Konzern Meta, die Geschäftsführungen mehrerer Brillenhersteller und Optik-Ketten bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität ein.
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