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Sechs Monate Action-Gaming: Studie misst bessere visuelle Aufmerksamkeit

49 Studierende trainierten insgesamt 120 Stunden mit Action-Videospielen. Danach verbesserten sich Aufmerksamkeitstests und EEG-Muster — eine Kontrollgruppe fehlte allerdings.

Sechs Monate Action-Gaming: Studie misst bessere visuelle Aufmerksamkeit
Northwestern University Eclectic Perception Lab

Eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2026 liefert neue Hinweise darauf, dass regelmäßiges Training mit schnellen Action-Videospielen bestimmte Formen der visuellen Aufmerksamkeit verändern kann. 49 Studierende absolvierten über sechs Monate insgesamt 120 Stunden Gaming-Training. Nach dieser Phase schnitten sie in zwei Aufmerksamkeitstests besser ab; zugleich zeigten EEG-Messungen Veränderungen der funktionellen Hirnorganisation.

Die Arbeit erschien im International Journal of Psychophysiology. Die Teilnehmenden waren gesunde Studierende der Chengdu University of Information Technology und hatten vor Beginn keine umfangreiche Spielerfahrung. Damit unterscheidet sich das Projekt von vielen Untersuchungen, die erfahrene Gamer lediglich mit Nichtspielern vergleichen. Hier wurden dieselben Personen vor und nach einem längeren Trainingszeitraum untersucht.

Zum Einsatz kamen der d2-Aufmerksamkeitstest und eine Aufgabe zur Aufmerksamkeitsbreite. Beim d2-Test müssen Zielreize schnell und korrekt zwischen sehr ähnlichen Ablenkungsreizen erkannt werden. Gefordert sind selektive Aufmerksamkeit, Konzentration und ein gutes Verhältnis zwischen Tempo und Genauigkeit. Die zweite Aufgabe misst, wie gut Aufmerksamkeit über einen größeren Teil des Gesichtsfeldes verteilt werden kann.

Nach den sechs Monaten verbesserten sich die durchschnittlichen Leistungen in beiden Aufgaben. Das spricht dafür, dass die Gruppe nach dem Training relevante visuelle Signale effektiver auswählen und ihre Aufmerksamkeit breiter verteilen konnte. Es ist jedoch kein Beleg für einen generellen Intelligenzzuwachs. Die Studie untersuchte spezifische Aufmerksamkeitsfunktionen und nicht die gesamte kognitive Leistungsfähigkeit.

Zusätzlich zeichneten die Forschenden ein Ruhe-EEG auf. Analysiert wurden sowohl lokale spektrale Merkmale als auch Kennzahlen der großräumigen funktionellen Vernetzung. Nach dem Gaming-Training fanden die Autoren Veränderungen der Alpha-Aktivität und der Netzwerkorganisation. Bestimmte EEG-Merkmale standen außerdem mit der individuellen Verbesserung in den Aufmerksamkeitstests in Zusammenhang.

Diese Verbindung zwischen Verhalten und Neurophysiologie ist der interessanteste Teil der Arbeit. Sie legt nahe, dass die beobachteten Leistungsänderungen nicht ausschließlich auf einer oberflächlichen Teststrategie beruhen, sondern mit veränderten Mustern der Hirnaktivität einhergehen. Die Autoren interpretieren das Ergebnis als Hinweis auf erfahrungsabhängige Plastizität.

Trotzdem bleibt die Kausalität begrenzt. Die Untersuchung hatte keine Kontrollgruppe. Alle 49 Studierenden erhielten das Action-Game-Training. Es gab keine vergleichbare Gruppe, die über denselben Zeitraum eine andere Aufgabe trainierte oder nur die Vorher-Nachher-Tests absolvierte. Deshalb lassen sich Übungs- und Wiederholungseffekte oder andere Veränderungen im Laufe eines halben Jahres nicht vollständig ausschließen. Genau darauf weist die Studie selbst hin.

Auch die in sozialen Netzwerken verbreitete Zuspitzung auf Dota 2 und Counter-Strike 2 geht über die Daten hinaus. Im zugänglichen Text der 2026er Arbeit werden diese Titel nicht als konkrete Trainingsspiele genannt. Untersucht wird die breitere Kategorie der Action-Videospiele; Ego-Shooter werden als typisches Beispiel für schnelle, wahrnehmungsintensive Games beschrieben.

Es gibt allerdings ergänzende Forschung zu bekannten Spielen. Eine kleine Studie aus dem Jahr 2021 trainierte FPS-Neulinge drei Wochen lang mit Counter-Strike: Global Offensive und berichtete über Verbesserungen bei einzelnen kognitiven Messgrößen. Eine Untersuchung von 2018 fand nach einer Sitzung League of Legends kurzfristige Veränderungen der visuellen selektiven Aufmerksamkeit und des EEG. Beide Projekte liefern Kontext, sind aber methodisch und zeitlich nicht mit der neuen Langzeitstudie gleichzusetzen.

Auch Meta-Analysen kommen zu unterschiedlichen Bewertungen. Eine umfangreiche Auswertung fand kleine bis mittlere Vorteile von Action-Gaming insbesondere bei Top-down-Aufmerksamkeit und räumlicher Kognition. Eine andere Meta-Analyse sah dagegen keine überzeugenden Belege dafür, dass Videospieltraining die allgemeine kognitive Fähigkeit kausal verbessert. Der entscheidende Unterschied liegt zwischen spezifischem Trainingseffekt und weitreichendem Transfer.

Für die Einordnung bedeutet das: Die neue Arbeit stärkt die Annahme, dass monatelanges Training in komplexen, schnellen visuellen Umgebungen mit besseren Aufmerksamkeitsleistungen und veränderten EEG-Mustern einhergehen kann. Sie beweist jedoch weder, dass jedes Action-Game denselben Effekt hat, noch dass ein bestimmter Titel wie CS2 oder Dota 2 die Ursache ist.

Nicht belegt ist zudem die Behauptung, selbst Niederlagen hätten einen besonderen kognitiven Nutzen. Sieg und Niederlage wurden in der Studie nicht als getrennte Bedingungen untersucht. Wer aus einer verlorenen Runde strategisch lernt, mag subjektiv profitieren — der 2026er Versuch liefert dafür aber keinen direkten wissenschaftlichen Nachweis.