Kirchen rufen am Tag der Deutschen Einheit zu Zusammenhalt auf
Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Bremer Dom haben die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Die Geistlichen mahnten Zusammenhalt und Nächstenliebe an – am Beispiel der Bremer Stadtmusikanten.
Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Bremer St.-Petri-Dom haben am Samstagmorgen die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Rund 1.000 Ehrengäste versammelten sich in dem Gotteshaus, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Die Kirchenvertreter riefen in ihren Predigten zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung auf.
Der Gottesdienst stand unter dem Thema Stärke und griff damit das Motto der diesjährigen Feierlichkeiten auf: «Viele Stärken – ein Land». Er wurde live im ZDF übertragen und auf mehreren Leinwänden auf dem Festgelände gezeigt. Zuvor hatten sich die Spitzen der Verfassungsorgane ins Goldene Buch der Stadt Bremen eingetragen.
Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche, nahm in seiner Predigt die Bremer Stadtmusikanten aus dem Märchen der Brüder Grimm als Vorbild. Esel, Hund, Katze und Hahn seien so verschieden und gerade deshalb aufeinander angewiesen. Gemeinsam entdeckten sie ihre Stärken. «Allein kommen wir nicht weiter. Ich glaube, das geht uns auch so», sagte Kuschnerus. Nächstenliebe bedeute, die Gaben anderer wahrzunehmen und füreinander einzusetzen. «Im Geist der Nächstenliebe steckt eine Stärke, die trägt.»
Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier erinnerte daran, dass die Bremer Stadtmusikanten in einer Zeit des Umbruchs lebten und sich neu orientieren mussten. In dem Märchen seien alle vier alten Tiere von Verkauf oder gewaltsamem Tod bedroht und schlössen sich deshalb zusammen. «Auch wir leben in solchen Zeiten. Gewohnheiten, Strukturen, Lebenszusammenhänge, die uns bisher Sicherheit gaben, kommen an ihre Grenzen oder tragen nicht mehr», sagte Meier. Viele Menschen fühlten sich überfordert, ohnmächtig oder zögen sich zurück. Sie dürften nicht allein gelassen werden, appellierte der Bischof. «Begreifen wir, dass Einheit und Zusammenhalt nur da tragen, wo Menschen sie mit Haltung und Überzeugung leben und sich gegen Spaltung und Polarisierung stellen.»
Nach dem Gottesdienst sollte um 12.00 Uhr im Konzerthaus der zentrale Festakt beginnen. Die Festrede wird Bundespräsident Steinmeier halten. Am Nachmittag übergibt Bürgermeister Andreas Bovenschulte die Staffelstab für die Bundesratspräsidentschaft ab November symbolisch an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Hendrik Wüst. Die Feierlichkeiten in Bremen stehen in diesem Jahr unter dem Eindruck der angespannten gesellschaftlichen Lage und der Mahnung der Kirchen, die Einheit des Landes aktiv zu leben.
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