Die USA haben ihre Bürger im Nahen Osten vor einer möglichen Eskalation gewarnt und zur Ausreise geraten. Auf der Website der US-Botschaft in Amman heißt es, Amerikaner in der Region sollten Vorsicht und erhöhte Wachsamkeit walten lassen und sich auf Flugstornierungen, zeitweise Luftraumsperrungen und mögliche Reiseunterbrechungen vorbereiten. Die Botschaft empfiehlt, eine Ausreise in Erwägung zu ziehen oder bereit zu sein, das Land im Fall einer Eskalation zu verlassen. Hintergrund sind unter anderem Angriffe auf US-Einrichtungen in Jordanien in den vergangenen Wochen. Einige Fluggesellschaften hätten die Wiederaufnahme früherer Flugpläne verschoben oder Routen gestrichen, heißt es weiter.

Der Iran warnte die USA zugleich vor «abenteuerlichen Aktionen». Außenminister Abbas Araghtschi habe dies in Telefongesprächen mit seinem türkischen Amtskollegen und dem pakistanischen Armeechef klargemacht, teilte er auf Telegram mit. Teheran sei bereit, auf jede «Aggression» entschlossen zu reagieren.

Am Wochenende hatte Kuwait nach eigenen Angaben Angriffe auf ein Regierungsgebäude und weitere wichtige Einrichtungen gemeldet. Die Streitkräfte hätten seit dem frühen Morgen feindliche Drohnen bemerkt und abgeschossen, teilte die Armee mit. Durch herabfallende Trümmerteile sei es zu Schäden gekommen, Opfer habe es nicht gegeben. Die Regierung sprach von einer «iranischen Aggression» gegen Kuwait. In Kuwait und anderen Golfstaaten sind US-Soldaten stationiert.

Auch in der Straße von Hormus ist erneut ein Tanker angegriffen worden. Nach Angaben der britischen Behörde für die Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) wurde das Schiff etwa 20 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Lima von einem «unbekannten Geschoss» getroffen. Dabei sei der Maschinenraum beschädigt worden; Verletzte oder Umweltschäden habe es nicht gegeben. Die Straße von Hormus ist für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger von zentraler Bedeutung. Der Iran verlangt, dass Schiffe eine Route entlang seiner Küste nehmen; Teheran erklärt immer wieder, nur diese Route sei sicher. Der Streit über die Durchfahrt gilt als wesentlicher Grund für die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran.

Nach iranischen Angaben droht Teheran zugleich mit Gegenschlägen auf kritische Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten. Die Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, Energieanlagen von weltweiter Bedeutung in Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten lägen innerhalb der Reichweite iranischer Raketen.

US-Präsident Donald Trump erwägt US-Medienberichten zufolge bereits an diesem Wochenende neue Angriffe auf Ziele im Iran. CBS News und das «Wall Street Journal» berichteten unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass eine finale Entscheidung noch nicht getroffen sei. Nach Informationen von Axios könnten die Attacken erneut die Energieinfrastruktur des Iran ins Visier nehmen. Bei einer Kabinettssitzung in Camp David kündigte Trump weitere Angriffe an und sagte: «Wir werden sie sehr hart treffen.» Er machte zugleich seiner Frustration über die diplomatischen Bemühungen Luft: Die Iraner hielten sich oft nicht an Verabredungen und stellten Gesprächsinhalte öffentlich falsch dar.

Unabhängig davon sorgt die von Trump verkündete Einigung zur Entwaffnung der Hamas für Spannungen. Aus Israel gibt es Hinweise auf Ablehnung des Umsetzungsplans, der parallel zur Einlagerung schwerer Waffen im Gazastreifen einen schrittweisen Abzug der israelischen Armee vorsieht.