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TV-Runde in Mecklenburg-Vorpommern: Vier Spitzenkandidaten streiten über Koalitionen und Bildung

Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben die Spitzenkandidaten von Linken, CDU, Grünen und BSW im NDR über Koalitionsoptionen, Lehrermangel und maritime Industrie diskutiert. Die Grünen werben für Rot-Rot-Grün, die Linke sieht Rot-Rot, die CDU schließt Bündnisse mit Linken und AfD aus, das BSW lehnt eine Brandmauer ab.

TV-Runde in Mecklenburg-Vorpommern: Vier Spitzenkandidaten streiten über Koalitionen und Bildung
Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Vier Spitzenkandidaten diskutieren im NDR

Vier Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben die Spitzenkandidaten der vier kleineren Parteien im NDR über Koalitionsoptionen, Bildung und die maritime Industrie diskutiert. Die Fernsehrunde mit Vertretern von Linken, CDU, Grünen und BSW am Dienstagabend brachte vor allem in der Schlussphase Klarheit über mögliche Regierungsbündnisse. Am Mittwoch treffen dann Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und ihr Herausforderer Leif-Erik Holm (AfD) im TV-Duell aufeinander.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Müller sagte: «Wer Schwesig will, muss Grün wählen.» Eine stabile Landesregierung gebe es nur mit den Grünen. Nach den jüngsten Umfragen könnte es für Rot-Rot-Grün reichen – wenn die Grünen wieder in den Landtag einziehen. Das könnte knapp werden, denn in den Umfragen liegt die Partei derzeit bei 5 Prozent. Die Linke-Spitzenkandidatin und Bildungsministerin Simone Oldenburg hielt dagegen: «Ich kann Frau Müller verstehen, dass sie gerne sagt, es geht nur mit Rot-Rot-Grün. Ich denke, es reicht für Rot-Rot.» Das sei die Regierung, die die Menschen wollten – allerdings geben die Umfragen eine solche Koalition aktuell nicht her. Oldenburg sagte, die Grünen stünden derzeit nicht für Stabilität, und erinnerte an das Auseinanderbrechen der Ampelregierung im Bund und an die Streitigkeiten innerhalb der Grünen-Landtagsfraktion in Schwerin.

CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters sagte, seine Partei werde weder mit den Linken noch mit der AfD koalieren. Die CDU werde auch keine rot-rote Minderheitsregierung tolerieren. Peter Schabbel, der Spitzenmann des BSW, stellte klar, dass es für seine Partei keine Brandmauer gebe. Das BSW steht in Umfragen bei 4 Prozent, die CDU bei 7 Prozent. Für die Christdemokraten wäre es das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik. Peters zeigte sich dennoch überzeugt, dass seine Partei wieder ins Parlament einzieht. «Ich bin sicher, dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern auch im kommenden Landtag vertreten sein wird und eine tragende Rolle spielen wird.»

Inhaltlich ging es in der TV-Debatte unter anderem um die Bildung im Land. Um Lehrermangel und Stundenausfall in den Griff zu bekommen, schlug Peters vor, pensionierte Lehrkräfte zurück in die Schulen zu holen. Zudem sollten die Lehrer weniger unterrichten müssen, was den Beruf attraktiver machen soll. Müller plädierte für ein Stipendienprogramm, um mehr Studierende für Fächer mit besonders hohem Personalbedarf zu begeistern. Schabbel forderte, den Schulen mehr Freiheiten zu lassen. Außerdem sollten die Lehrpläne und Schulbücher aus seiner Sicht bundesweit einheitlich werden. Oldenburg betonte, das Land MV beschäftige bereits 300 Lehrer im Rentenalter. Die älteste sei 80 Jahre und arbeite Vollzeit. Wichtig sei, dass die Abbrecherquoten von Lehramtsstudierenden sinken. Deshalb habe ihre Regierung das Studium reformiert.

Beim Blick auf die maritime Industrie sagte Peters, der Marineschiffbau halte die wirtschaftliche Entwicklung im Land stabil. Schabbel war damit nicht ganz einverstanden: «Kriegswirtschaft stellt keine Wertschöpfung dar.» Die Moderatorin fragte darauf: «Aber es sind Arbeitsplätze, oder?» Das Argument zähle nicht, da dies nur kurzfristig der Fall sei, erklärte Schabbel. Dennoch brauche es eine maritime Industrie im Land. «Die Werften, die Aufträge bekommen haben, sollen diese Aufträge natürlich auch weiterführen.» Claudia Müller widersprach ihm deutlich: «Wir brauchen auch den grauen Schiffbau, auch hier in Mecklenburg-Vorpommern, denn das ist Wertschöpfung.» Dem eine Absage zu erteilen, heiße, eine der wichtigsten Industrien im Land aufs Abstellgleis zu schieben. «Und das können wir uns schlicht und ergreifend nicht leisten.» Der Spezialschiffbau sei die Stärke des Landes – etwa militärisch genutzte Schiffe, Behördenschiffe oder Polizeiboote. Angesprochen auf die Windenergie sagte Oldenburg: «Unsere Werftarbeiterinnen und Werftarbeiter haben natürlich auch eine hohe Kompetenz im Bau von Konverterplattformen.» Damit könne man auch für Offshore-Windkraft sorgen. Peters sagte, beim Thema Windkraft plädiere seine Partei für einen «maßvollen Ausbau».

Eine ZDF-Umfrage sah die CDU zuletzt nur noch bei sieben Prozent. Die Linke kam auf 10 Prozent, die Grünen bekamen 5 und das BSW 4 Prozent. Die AfD lag mit 37 Prozent drei Punkte vor der SPD. Als «wohltuend langweilig» fasste der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno von der Universität Rostock die einstündige Kandidaten-TV-Runde zusammen. «Es war eine nüchterne, sachliche Auseinandersetzung ohne große Vorwürfe, Unterstellungen und Beleidigungen», sagte er. So sollte es in der Demokratie laufen. Das werde beim TV-Duell am nachfolgenden Abend zwischen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und ihrem Herausforderer vor der AfD, Leif-Erik Holm, wahrscheinlich nicht so werden. Gewählt wird in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September.

Henrik Falkenberg

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Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.