Tausende demonstrieren in Stuttgart und Berlin gegen Aufrüstung und Wehrpflicht
In Stuttgart und Berlin sind Tausende Menschen gegen militärische Aufrüstung und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht auf die Straße gegangen. In Stuttgart störten Zwischenfälle die Rede einer BSW-Politikerin, die Polizei nahm zwei Menschen fest.
In Stuttgart und Berlin haben Tausende Menschen gegen militärische Aufrüstung und eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert. Zu der Kundgebung in Stuttgart unter dem Motto «Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg!» hatte ein Bündnis aus rund 300 Organisationen aufgerufen, darunter Friedens- und Anti-Kriegsgruppen, die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, das Bündnis gegen Wehrpflicht sowie einzelne Ortsgruppen der Gewerkschaft verdi.
Die Veranstalter sprachen in einer Pressemitteilung von 15.000 Teilnehmern, angemeldet waren rund 10.000. Nach Angaben der Polizei und dem Augenschein eines Reporters bewegte sich die Zahl der Menschen auf dem Schlossplatz jedoch im unteren bis mittleren Tausender-Bereich. Die Demonstrierenden forderten unter anderem einen Stopp aller Waffenlieferungen und Wirtschaftssanktionen sowie höhere Ausgaben im Sozialbereich. Weitere Forderungen waren die Schließung aller US-Militärstützpunkte in Deutschland und der Abzug der US-Atomwaffen aus dem Land.
Unter den Rednerinnen und Rednern waren die stellvertretende Parteivorsitzende der Linken, Özlem Alev Demirel, und Sevim Dagdelen, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Mitglied des BSW-Bundesvorstands. Dagdelens Rede wurde von Sprechchören gestört. Die Polizei verstärkte daraufhin ihre Kräfte an der Rednerbühne. Ein vermummter Mann betrat die Bühne, während Dagdelen sprach, und ging auf sie zu. Die Polizei griff ein und setzte dabei auch Pfefferspray ein. Insgesamt kam es zu zwei Festnahmen an der Rednerbühne. Nach dem Zwischenfall endete die Kundgebung nach Polizeiangaben friedlich.
Zuvor war ein Video-Grußwort der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, gezeigt worden. In Berlin gingen ebenfalls Tausende Menschen gegen die Aufrüstung auf die Straße. Die Veranstalter dort betrachten Frieden als politische Aufgabe der Bürger und wenden sich entschieden gegen eine stärkere Militarisierung Deutschlands. Die Demonstrationen fallen zeitlich mit den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit zusammen, die in diesem Jahr in Bremen mit Hunderten Gästen und der politischen Spitze des Landes begangen wurden.
8
