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Pistorius reist in die USA: Gespräche mit Hegseth über Rüstung und UN-Einsätze

Verteidigungsminister Boris Pistorius reist nach Washington, um mit US-Amtskollege Pete Hegseth über Rüstungskooperation, Truppenpräsenz und die Zukunft von UN-Blauhelm-Einsätzen zu sprechen. Höhepunkt der Reise ist die offizielle Übergabe des ersten F-35-Tarnkappenjets an Deutschland in Texas.

Pistorius reist in die USA: Gespräche mit Hegseth über Rüstung und UN-Einsätze
USA-Reise: Pistorius reist in die USA: Gespräch mit US-Minister Hegseth

Verteidigungsminister Boris Pistorius reist in die USA, um die Rüstungskooperation mit Washington weiter auszubauen und zentrale sicherheitspolitische Fragen zu erörtern. Im Mittelpunkt steht ein am Dienstag geplantes Treffen mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth in Washington. Pistorius verwies vor der Reise auf die Zusammenarbeit beim Tarnkappenjet F-35 und die geplante Fertigung von Lenkflugkörpern für das Luftverteidigungssystem Patriot in Deutschland.

«Unser gemeinsames Potenzial reicht weiter», erklärte der SPD-Politiker. Deutschland verfüge über eine leistungsfähige industrielle Basis, bestens ausgebildete Fachkräfte und technologische Spitzenkompetenz. Damit könnten weitere Produktionskapazitäten geschaffen werden. Wenn die USA und Deutschland ihre Stärken noch enger zusammenführten, ließen sich Systeme für Abschreckung und Verteidigung schneller und in größerer Zahl bereitstellen. «Damit stärken wir die Einsatzbereitschaft Deutschlands, der Vereinigten Staaten und des gesamten Bündnisses», so Pistorius.

Die Bundesregierung will in den USA auch Marschflugkörper des Typs Tomahawk kaufen. Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara im Juli war bereits eine grundsätzliche Einigung darüber erzielt worden. Ein weiteres wichtiges Thema der Gespräche ist die Frage, ob und wie die US-Streitkräfte ihre Truppenpräsenz in Europa verändern. Diese Präsenz gilt als wichtig für Abschreckung und Verteidigung. Deutschland hat der Nato als Ersatz für bislang garantierte Fähigkeiten des US-Militärs in Europa Schiffe, Kampfflugzeuge und unbemannte Waffensysteme angeboten. Pistorius fordert seit längerem einen Zeitplan für die Übernahme von Aufgaben.

Der spätere Zeitpunkt des Treffens könnte sich als vorteilhaft erweisen. Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. Lange hatten US-Präsident Donald Trump und seine Minister die Bundesregierung scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, wie andere europäische Staaten nicht genug für die eigene Verteidigung zu tun. Deutschland hat jedoch umgesteuert. Im August lobte US-Staatssekretär Elbridge Colby im Nato-Hauptquartier die Bundesrepublik als Modell für andere Verbündete. Was Deutschland in den vergangenen 18 Monaten angestoßen habe, sei eine «außergewöhnliche tektonische Verschiebung» und ein «historischer Wandel», erklärte er. Deutschland sei von einer weitgehenden Demilitarisierung zu einer schnellen Wiederbewaffnung übergegangen. Man erlebe zudem ein sehr kooperatives Deutschland und führe ergebnisorientierte Diskussionen über gemeinsame Rüstungsproduktion und andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. Im Mai war er in Nordamerika, wo er in Kanada für eine Rüstungskooperation rund um deutsche U-Boote warb. Ein Treffen mit Hegseth gab es damals nicht, da dieser in Singapur beim Shangri-La-Dialog weilte, der wichtigsten Sicherheitskonferenz Asiens.

Nach den Gesprächen in Washington reist Pistorius weiter nach New York. Dort stehen Gespräche mit UN-Vertretern auf dem Programm, darunter Generalsekretär António Guterres. Es geht um die Zukunft von Blauhelm-Einsätzen und um das weitere internationale Engagement im Libanon, wo die Bundeswehr bisher am UN-Einsatz Unifil beteiligt ist. Der seit fast fünf Jahrzehnten laufende Blauhelm-Einsatz soll am 31. Dezember 2026 enden und dann innerhalb eines Jahres abgewickelt werden. Dies hatten im vergangenen Jahr alle 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats in New York einstimmig beschlossen.

Zum Abschluss der Reise besucht Pistorius am Freitag im texanischen Fort Worth den US-Flugzeugbauer Lockheed Martin. Das Unternehmen übergibt dort den ersten von Deutschland bestellten Tarnkappenjet vom Typ F-35 offiziell. Die Flugzeuge sollen die überalterte Tornado-Flotte der Deutschen Luftwaffe ablösen. Das Verteidigungsministerium hat als Teil des milliardenschweren Modernisierungsprogramms 35 Maschinen bei Lockheed Martin bestellt. Die ersten ausgelieferten Maschinen bleiben zunächst in den USA und werden dort für die Ausbildung der Piloten genutzt.

Die F-35 gilt als modernstes Kampfflugzeug der Welt und wird auch für die sogenannte nukleare Teilhabe Deutschlands gekauft, ein Abschreckungskonzept der Nato, bei dem Verbündete Zugriff auf US-Atombomben haben. Wegen einer speziellen Form und Außenbeschichtung ist die Maschine für gegnerisches Radar nur schwer zu entdecken. «Dieses Kampfflugzeug der fünften Generation verbindet Tarneigenschaften mit modernster Vernetzung. Es wird damit zu einem zentralen Baustein der Luftverteidigung der Zukunft – auch im Zusammenwirken mit unbemannten Systemen», sagte Pistorius. Zuletzt wurde spekuliert, ob Deutschland nach dem Ende des mit Frankreich und Spanien geplanten Luftkampfsystems FCAS weitere F-35 in den USA bestellen könnte. Rund ein Dutzend europäischer Verbündeter nutzt die F-35 oder hat sich für den Kauf entschieden, darunter Großbritannien, Polen, die Niederlande und Rumänien. Das Unternehmen erklärte zuletzt, bis 2025 seien wohl rund 700 der Tarnkappenjets in Europa in Verwendung.

Helena Beckmann

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Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.