Erdogan empfängt Wüst überraschend in Ankara
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst kurzfristig in Ankara empfangen. Anlass der dreitägigen Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst überraschend zu einem Gespräch in seinem Palast in Ankara empfangen. Das Treffen, das ursprünglich nicht im Reiseprogramm vorgesehen war, soll noch am Nachmittag stattfinden. Nach Angaben aus der Delegation des Ministerpräsidenten sollen dabei die engen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aktuelle politische Fragen erörtert werden.
Der Empfang eines regionalen Regierungschefs durch ein Staatsoberhaupt ist ungewöhnlich. Normalerweise werden Ministerpräsidenten nicht von Staatspräsidenten empfangen, zumindest nicht zwischen Ländern gleicher Größe und Bedeutung. Mit dem Termin verleiht Erdogan dem Besuch von Wüst daher besondere Bedeutung. Wüst war am Morgen mit einer großen Delegation in einem Linienflieger von Düsseldorf nach Ankara aufgebrochen. Begleitet wird er unter anderem von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation und mehr als 30 Journalisten.
Hauptanlass der dreitägigen Reise ist der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens, mit dem die Zuwanderung hunderttausender türkischer Arbeitskräfte in die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet wurde. Es ist die erste Reise eines nordrhein-westfälischen Regierungschefs in die Türkei und für Wüst der erste Türkei-Besuch überhaupt. Der CDU-Politiker sprach sich zu Beginn der Reise dafür aus, ein «neues Kapitel» in den deutsch-türkischen Beziehungen aufzuschlagen. «Wir wollen den Blick auf das Positive richten für eine gestärkte Zusammenarbeit in der Zukunft», sagte Wüst. In einer guten und engen Partnerschaft könne man kritische Fragen und Themen einfacher ansprechen und für Verbesserungen eintreten.
Die deutsch-türkischen Beziehungen waren lange Zeit von offenen Differenzen geprägt. Die Antrittsbesuche von Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul vor einem Jahr brachten jedoch eine neue Tonlage. «Wir wollen insgesamt eine Positivagenda», sagte der Außenminister damals. Der Besuch des Kanzlers mit seiner Frau Charlotte in der türkischen Hauptstadt diente der Wiederbelebung einer echten strategischen Partnerschaft mit der Türkei.
Wüst wird seit Wochen als möglicher Nachfolger des unter Druck stehenden Bundeskanzlers Merz gehandelt. Zusammen mit den anderen sieben CDU-Ministerpräsidenten hat er dem Kanzler jedoch den Rücken gestärkt und sich gegen Personaldebatten ausgesprochen. Am Abend vor seiner Abreise bekräftigte er im ZDF: «Ich möchte Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen bleiben.»
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